Schwerpunktredaktion: Andreas Novy
Andreas Novy
Editorial
Joachim Becker
Regionale Integration und Regulation:
EU und Mercosur im Vergleich
Abstract
Jaime Marques-Pereira
Geld, politische Legitimität und regionale Integration in Lateinamerika
Abstract
Luis Bértola
The Uruguayan Road Towards Regional Integration
Abstract
Luiz Augusto Estrella Faria
Regionale Integration und Entwicklung im Cono Sur
Abstract
Ana C. Fernandes
Economic Integration of a Peripheral Region:
From State Developmentism to Globalisation in Northeast Brazil
Abstract
Abstracts
Joachim Becker
REGIONALE INTEGRATION UND REGULATION:
EU und Mercosur im Vergleich
Der Beitrag bietet eine komparative Analyse von Integrationsprozessen in Westeuropa und im lateinamerikanischen Cono Sur. Von einer regulationistischen Perspektive ausgehend sieht er Integrationsprozesse als politische Projekte an, die sich auf bestimmte Akkumulationsstrategien beziehen und auf diese zurückwirken. Er kontrastiert die regionalen Verflechtungsmuster der eher binnenorientierten Akkumulationsstrategien der Nachkriegszeit mit jenen der eher außenorientierten Strategien der gegenwärtigen "großen" Krise. Mit dem Wandel der Akkumulationsstrategien hat sich in beiden Fällen auch die Ausrichtung der Integrationsprojekte verändert. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Wirtschaftsblöcken wird zunehmend in den Vordergrund gestellt. Während in der EU Anfänge eines regionalen Akkumulationsregimes sowie einer regionalen Regulation erkennbar sind, ist das Ausmaß der Wirtschaftsverflechtung im Mercosur - trotz einer gewissen Verstärkung - eher schwach. Damit ruht dort das Integrationsprojekt auf schwächeren Füßen. In Westeuropa war die Abgabe von Kompetenzen an die supranationale Ebene ein wichtiges Element in der Neuausrichtung der Staatlichkeit auf die neuen Akkumulationsstrategien. Auch im Cono Sur spielte die Verschiebung territorialer Regulierungsebenen eine Rolle bei der Redefinition der Staatlichkeit, wobei hier allerdings eher die Veränderungen der sub-nationalen Ebene zentral waren.
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Jaime Marques-Pereira
GELD, POLITISCHE LEGITIMITÄT UND REGIONALE INTEGRATION IN LATEINAMERIKA
Anhand der Erfahrungen der europäischen Integration versucht Jaime Marques-Pereira mögliche Szenarien regionaler Integration für Lateinamerika zu entwerfen. Genauso wie die Entstehung der EU ist auch die zukünftige Entwicklung im Cono Sur Pereira zufolge in erster Linie ein politischer Prozeß un kein ökonomischer Sachzwang. Diese zentrale These versucht er anhand eines konkreten wirtschaftspolitischen Themas, nämlich "Geld" und seiner Regulierung, zu verdeutlichen. Mit deutlicher Bezugnahme auf die Arbeiten französischer Ökonomen wie etwa Michel Aglietta und André Orléan geht Pereira davon aus, dass das jeweilige Geld- und Währungsregime Ausdruck politischer Kräfteverhältnisse ist, die ihre Entsprechung in der Höhe von Inflationsraten und Wechselkursen finden. "Die ökonomische Funktion des Geldes sind nicht unabhängig von ihren gesellschaftlichen", schreibt Pereira. Ein Geldregime kann daher nur dann dauerhaft etabliert werden, wenn die jeweilige Regulierungsinstanz (Staat, Nationalbank, supranationale Institutionen etc.) politische "Legitimität" erlangt, d.h. glaubwürdig vermittelt wird. In den 80er Jahren gelang es im Zuge der weltweiten "monetaristischen Revolution" auch in Lateinamerika, eine neoliberale Wirtschaftspolitik gesellschaftlich tragfähig zu machen. Diese fußt auf Inflationsbekämpfung, Aufgabe der Währungssouveränität und Reduzierung der Staatsausgaben. Heute, im Zuge der Debatte um die regionale Integration in Lateinamerika (Mercosur etc.) stehen erneut Aushandlungsprozesse über ein künftiges Geld- und Währungsregime - und damit der wirtschaftspolitischen Orientierung überhaupt - an. Pereiras diesbezügliche Intervention zielt dabei auf die Wiedererlangung währungspolitischer Souveränität des (auch supranationalen) Staates, eine einduetige Umverteilungspolitik von oben nach unten sowie auf eine Absage an die Unterwerfung der Wirtschaftspolitik unter das angebliche Diktat der Finanzmärkte.
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Luis Bértola
THE URUGUAYAN ROAD TOWARDS REGIONAL INTEGRATION
In diesem Artikel wird die langfristige ökonomische Entwicklung Uruguays seit 1870, vor allem auch im Hinblick auf Konvergenz und Divergenz mit führenden kapitalistischen Ländern, untersucht. Dabei läßt sich auf der Grundlage einer Reihe empirischer Daten feststellen, daß entgegen traditioneller Annahmen, die Divergenz zu den zentralen Ländern während Perioden exportorientierter wie protektionistischer Handelsregime zugenommen hat. Die Ursachen für diese ökonomische Entwicklung sind, wie im Rahmen der historischen Analyse gezeigt wird, neben dem Grad der Offenheit der Ökonomie vor allem bei verschiedenen institutionellen Formen, der Rolle es Staates und den Spezialisierungsmustern im Produktionsbereich im Verhältnis zur Nachfrage und zu technologischen Veränderungen zu finden. Dabei lassen sich verschiedene Perioden, die durch unterschiedliche Handelsregime charakterisiert sind, ausmachen, wobei auch die aktuelle Periode - der Integrationsprozeß im Mercosur - näher untersucht wird. Dabei wird festgehalten, daß ein signifikanter Konvergenzprozeß nicht erreicht werden kann, wenn die Reallöhne und andere Sozialindikatoren sich nicht verbessern.
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Luiz Augusto Estrella Faria
REGIONALE INTEGRATION UND ENTWICKLUNG IM CONO SUR
Im Zentrum des Artikels steht die These, daß der Prozeß der regionalen ökonomischen Integration von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay als Redefinition eines sich verändernden ökonomischen Raumes betrachtet werden kann. Innerhalb des theoretischen Rahmens der Regulationstheorie entwickelt Faria ein Konzept zur Analyse der räumlichen Artikulation der ökonomischen Entwicklung und des Territoriums. Dabei werden die historischen Veränderungen zwischen dem peripheren fordistischen und postfordistischen Entwicklungsregime in diesen Ländern untersucht. Aus der Analyse ergeben sich Schlüsse für die aktuellen Entwicklungen, insbesondere für die Interpretation der regionalen Integration im Rahmen des Mercosur. Dieser stellt einen intermediären Ort zwischen dem globalisierten Raum der Welt und dem Territorium der Nationen dar. Ob dieser neue Raum den Weg für eine neue Zeit öffnen und dazu beitragen wird, die sozialen Ungleichheiten in der Region zu verringern, kann derzeit noch nicht gesagt werden, denn diese würde von profunden politischen Veränderungen abhängen.
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Ana C. Fernandes
ECONOMIC INTEGRATION OF A PERIPHERAL REGION:
From State Developmentism to Globalisation in Northeast Brazil
In diesem Artikel
wird der Frage nachgegangen, ob die Ziele der Wettbewerbsfähigkeit und der industriellen Effizienz im Rahmen der Regionalpolitik ebenso verfolgt werden können, wie das Ziel der Gleichheit. Das Thema wird aus der Perspektive der Peripherie des Weltkapitalismus untersucht, wobei der Schwerpunkt auf der ökonomischen Integration während der Zeit des brasilianischen Entwicklungsparadigmas liegt. Die Auswirkungen der Expansion der Exporte in den 80er Jahren werden für die Jahre 1980 und 1985 anhand von Input-Output-Tabellen in der benachteiligsten Region des Landes, dem Nordosten, untersucht. Dabei kann festgestellt werden, daß sogar bei Vorherrschen der traditionellen Entwicklungsstrategie zunehmende regionale Konvergenz mit Verbesserungen der industriellen Wettbewerbsfähigkeit einher gehen können. Branchen, die von der Industriepolitik gefördert wurden, wiesen höhere Exportkoeffizienten und eine schnellere Expansion der Exporte aus. Trotzdem hat sich die soziale Polarisation auch bei einem erhöhten pro Kopf Einkommen und der zunehmenden Interdependenz zwischen regionalen Unternehmen nicht verringert.