JEP 4/1998
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Ausgabe 1998/4:
Schwerpunkt: Megastädte


Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Christof Parnreiter


Inhalt


Christof Parnreiter
Globalisierung und Megastädte der Peripherie
Abstract

Andreas Novy
Raum-Macht: eine vergessene Kategorie der Weltstadtforschung
Abstract

Christof Parnreiter
Mexico City - eine Global City?
Abstract

Renate Strobel
Delhi: Hauptstadt, Wirtschaftszentrum und Lebensraum
Abstract

Rüdiger Korff
Sind Megastädte planbar? Das Beispiel der großen Städte in Südostasien
Abstract

Martina Neuwirth
Die HIPC-Initiative: Ein entscheidender Schritt aus der Überschuldung?
Abstract

Christian Pippan
Positivmaßnahmen als Aspekt der Demokratieförderung in der Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union
Abstract

Abstracts


Christof Parnreiter
GLOBALISIERUNG UND MEGASTÄDTE DER PERIPHERIE

In diesem Artikel werden zunächst wesentliche Aspekte der seit rund 15 Jahren laufenden wissenschaftlichen Debatte über Global Cities zusammengefaßt. Das Schwergewicht des Textes liegt dann auf der Untersuchung, ob und inwieweit die theoretischen Modelle der Global City-Forschung für die Analyse peripherer Megastädte geeignet ist. In diesem Artikel wird für eine Einbeziehung der Metropolen des Südens in die Global City-Diskussion argumentiert, und zwar weil a) Mega-Urbanisierung unzweifelhaft zu einem Phänomen der Peripherie geworden ist; b) Stadtentwicklung in den Peripherien wie in den Zentren seit ehedem von globalen Dynamiken geprägt ist; c) das Postulat der Global City-Diskussion, daß es eine einheitliche Weltwirtschaft gibt, in der Städte eine zentrale Rolle spielen, impliziert, daß auch die Metropolen der Peripherie ihren Platz im globalen Städtesystem haben; d) traditionelle Forschungen über periphere Megastädte, die sich vorwiegend an Bevölkerungsgröße und/oder der Urban Primacy orientieren, unbefriedigend bleiben.

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Andreas Novy
RAUM-MACHT:
eine vergessene Kategorie der Weltstadtforschung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit einer vergessenen Kategorie der Weltstadtfoschung: Raum-Macht. Verschiedene Raumkonzepte werden, ausgehend Altvaters Funktionsräumen, die Räumen Funktionen zuordnen, vorgestellt. Hierbei erweist sich ein dialektisches Konzept als besonders geeignet. Die vielfach in den Mittelpunkt der Analyse gestellte Dialektik von global-lokal - Glokalisierung - als die Dialektik eines Verflechtungsraums darf aber nicht als einziges Wechselspiel gesehen werden, um räumliche und soziale Entwicklungen zu verstehen. In einem zweiten Teil werden diese theoretischen Einsichten vertieft, indem empirische Daten bezogen auf die Weltstadt São Paulo herangezogen werden. Die Vernachlässigung der Kommunalpolitik, vor allem der Budget- und Parteipolitik, erweist sich als eine bedeutsame Beschränkung konventioneller Weltstadtanalysen, die sich auf das Verflechtungsraumkonzept konzentrieren. Weiters wird die Bedeutung von Finanzdienstleistungen als Wachstumsbranche in frage gestellt. Abschließend wird ein starkes Argument für die Berücksichtigung des Nationalen und Politischen im Sinne einer Territorialanalyse eingebracht: das Geld und die öffentliche Hand sind entscheidend für die Auf- und Abwertung von Macht-Räumen. Indem die Peripherie der Weltwirtschaft momentan im Zuge der Krise der "emerging markets" abgewertet wird, erfolgt automatisch auch eine Abwertung der peripheren Weltstädte.

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Christof Parnreiter
MEXICO CITY - EINE GLOBAL CITY?

In diesem Artikel werden die wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Entwicklungen in Mexico City der 1980er und 1990er Jahre untersucht. Zentral ist dabei zunächst die Frage, ob die beschleunigte Globalisierung Mexikos die Stellung seiner wichtigsten Metropole stärkt, wie die Global City-Debatten vermuten lassen, oder ob Freihandel, Exportorientierung und neoliberale Modernisierung eine Dezentralisierung wirtschaftlicher Aktivitäten begünstigen. Zweitens wird untersucht, ob die zu beobachtende soziale Polarisierung mit der vertieften globalen Integration in Zusammenhang gebracht werden kann. Drittens wird die Frage gestellt, welche Rolle Mexico City in der und für die Weltwirtschaft einnimmt. Die vorliegenden Forschungsergebnisse zeigen, daß a) Mexico City von der Wirtschaftskrise und den sozioökonomischen Umstrukturierungen der 1980er und 1990er Jahre überproportional getroffen wurden, daß also die Krise der Industrie und der Boom der produktionsbezogenen Dienstleistungen massiv durch die Globalisierung geprägt wurden; b) die soziale Polarisierung in Mexico City ausgeprägter ist als in anderen mexikanischen Städten, was einen Zusammenhang zur spezifischen Rolle von Mexico City im Prozeß der Globalisierung vermuten läßt; c) Mexico City sich zunehmend auf globale Aktivitäten orientiert, daß die Stadt also als ein Scharnier zwischen der Weltwirtschaft und Mexiko agiert.

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Renate Strobel
DEHLI
Hauptstadt, Wirtschaftszentrum und Lebensraum


Delhi hat in den 90er Jahren, seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes, als Standort multinationaler Unternehmen, als Zentrum wirtschaftlicher Macht- und Kontrollfunktionen an Bedeutung gewonnen. Mit der zunehmenden Ansiedelung multinationaler Unternehmen treffen globale und lokale Interessen im Stadtraum aufeinander. Dabei werden Verdrängungsprozesse ausgelöst, die sich besonders deutlich auf dem Immobilienmarkt zeigen. Die starke Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen von Seiten multinationaler Unternehmen hat zunächst die Preise im Central Business District hochgetrieben, und in der Folge eine Kettenreaktion ausgelöst, die sich bis in die unteren Marktsegmente fortsetzt. Dem freien Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte steht in Delhi eine starre Stadtplanungspolitik entgegen, so daß sich die Auswirkungen dieser Verschiebungen vor allem über die Preisentwicklung und die Umwertung von Stadtvierteln ausdrücken. Sichtbare bauliche Entwicklungen entstehen vor allem dort, wo der Einfluß der Planungsbehörden endet: in den Stadtteilen im Süden, die von privaten Developern auf freehold-land entwickelt wurden, in der rechtlichen Grauzone der urban villages und vor allen Dingen außerhalb der Stadtgrenzen, in Gurgaon etwa, wo die Developer freie Hand haben.

Rüdiger Korff
SIND MEGASTÄDTE PLANBAR?
Das Beispiel der großen Städte in Südostasien

Dieser Artikel untersucht die Frage der Planbarkeit von Megastädten der Peripherie an Hand von Beispielen aus den südostasiatischen Metropolen Manila, Bangkok und Jakarta. Der Autor argumentiert, daß Stadtplanung generell ein sehr schwieriges bis unlösbares Unterfangen darstellt; ein Problem, das sich in Entwicklungsländern besonders deutlich stellt. Denn die Politik, die die Stadtplanung in den Primate Cities Südostasiens betrifft, wird einerseits auf unterschiedlichen Ebenen betrieben (Staat und Stadt; Staat und Privat), und andererseits resultieren die Entwicklungsdynamiken in diesen Städten seit der verstärkten Integration Südostasiens in globale wirtschaftliche, ökonomische und kulturelle Kontexte nicht mehr nur aus internen, d.h. nationalen und lokalen, Faktoren, sondern auch aus globalen. Die engen Grenzen der Stadtplanung machen die Initiativen lokaler informeller Gruppen und Organisationen zum Aufbau von Infrastruktur erforderlich. Um diese informelle Selbstorganisation zu untersuchen, wird in diesem Artikel mit dem Konzept der Lokalität gearbeitet, wobei Lokalität die Verbindung eines Territoriums mit einer organisierten Gruppe meint.

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Martina Neuwirth
DIE HIPC-INITIATIVE:
Ein entscheidender Schritt aus der Überschuldung?

Die im September 1996 gestartete multilaterale Entschuldungsinitiative für arme, hochverschuldete Staaten ("HIPC-Initiative") bezieht im Gegensatz zu bisherigen Schuldenerleichterungsmaßnahmen alle Gläubigergruppen (kommerziell, öffentlich bilateral, multilateral) ein. Der im Rahmen dieser Initiative beschlossene Erlaß soll den Schuldenberg des jeweils überschuldeten Landes auf ein "tragbares" Maß reduzieren, wobei die "Tragfähigkeit" nach Kriterien festgelegt wird, die von Weltbank und Währungsfonds ausgearbeiteten wurden.
In diesem Artikel wird ein Überblick über alle bisherigen Schuldenerleichterungsmaßnahmen gegeben, sowie auf die technischen Einzelheiten der HIPC-Initiative und die bisher zutage getretenen Schwachpunkte eingegangen. Im Speziellen wird auf die ESAF (Enhanced Structural Adjustment Facility)-Programme des Internationalen Währungsfonds eingegangen, deren Erfüllung Voraussetzung für einen Schuldenerlaß ist.

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Christian Pippan
POSITIVMASSNAHMEN ALS ASPEKT DER DEMOKRATIEFÖRDERUNG IN DER ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT DER EUROPÄISCHEN UNION


Die Europäische Union hat sich wiederholt zu einer Politik der aktiven Förderung der Demokratie und der Menschenrechte in der Entwicklungszusammenarbeit bekannt. Seit Beginn der neunziger Jahre wurden die konzeptiven, finanziellen und administrativen Voraussetzungen zur Umsetzung des von der Kommission und dem Rat verfolgten positiven Ansatzes kontinuierlich weiterent­wickelt. Fortschritte wurden insbesondere bei der Identifizierung der verschiedenen Formen positiver Maßnahmen und der für ihren Einsatz in Frage kommenden Aktionsfelder erzielt. Ebenso wurde eine gewisse Vereinheitlichung bezüglich der Kriterien und Verfahren zu ihrer Durchführung erreicht. Auf dem Gebiet der "klassischen" Problemfelder hingegen, also in den Bereichen der Transparenz und Konsistenz der Maßnahmen und ihrer Anwendung sowie der internen und externen Koordination, hat es bisher erst Ansätze einer Verbesserung gegeben. Gegenwärtig werden Versuche unternommen, die aus dem EG-Haushalt finanzierten Positiv­maßnahmen auf eine klare Rechtsgrundlage zu stellen; sie sollten zur weiteren Lösung wenigstens eines Teils der genannten Probleme genutzt werden.

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