JEP 2/1999
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Ausgabe 1999/2:
Indigene Völker und Ökologie


Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: René Kuppe


Inhalt

René Kuppe
Editorial


Carlos H. Durand Alcántara
Die Erde und das Heilige - eine epistemologische Annäherung an die Territorialbeziehungen indigener Völker
Abstract

Miguel Angel Sámano Rentería
Traditionelles Wissen indigener Völker Mexikos und Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung
Abstract

Gabriela Kraemer-Bayer
Indigene Autonomie in Mexiko und die Transformation traditioneller Agrarpraktiken
Abstract

Jorge Alberto González Galván
Die Verpflichtungen Mexikos aus dem Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte eingeborener Völker
Abstract

Erich Schweighofer
Schutz der indigenen Umweltbewirtschaftungspraktiken und -kenntnisse
Abstract

René Kuppe
Rechte indigener Völker im Neoliberalismus: Der Zugriff der Bergbau- und Erdölmultis auf Mutter Erde
Abstract

H.C.F. Mansilla
Zwischen traditionellen partikularistischen Werten und modernen universalistischen Zwängen:
Die Herausbildung der Nationalidentät Boliviens im Zeitalter der Globalisierung
Abstract

Abstracts


Carlos H. Durand Alcántara
DIE ERDE UND DAS HEILIGE
Eine epistemologische Annäherung an die Territorialbeziehungen indigener Völker

Ausgehend von der holistischen Weltsicht der indigenen Völker wird in diesem Beitrag auf die besondere kulturelle Bedeutung hingewiesen, die für diese Völker der geographische Lebensraum darstellt. In diesem Sinne unterstreicht der Beitrag die Bedeutung der indianischen Kosmogonien, aus deren Perspektive der Erde nicht nur gemeinschaftliche Bedeutung zukommt, sondern sie auch als "heiliges Ganzes" verstanden wird; diese Aspekte stellen ein zivilisatorisches Paradigma dar, das dem neoliberalen Entwicklungsprojekt entgegengesetzt ist. Indem die Thematik in den Rahmen der Globalisierung gestellt wird, kann die Frage nach der Relevanz eines neuen "Entwicklungsmodells" für das neue Jahrtausend aufgeworfen werden, welches die Einheit "Mensch-Natur" in den Mittelpunkt stellt, und so in einen ausgeglicheneren Prozeß des Respekts für die natürliche Umwelt mündet.
Schließlich soll die Debatte um die Möglichkeit neuer sozialer Prozesse der indigenen Völker in den neuen ländlichen Regionen angerissen werden, wo die indigenen Völker, angesichts der enormen Impakte durch die Aktivitäten der großen internationalen Investoren, vor der Notwendigkeit neuer Mobilisation und Selbstorganisation stehen.

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Miguel Angel Sámano Rentería
TRADITIONELLES WISSEN INDIGENER VÖLKER MEXIKOS UND PERSPEKTIVEN EINER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG

Dieser Artikel untersucht den Beitrag, den die traditionellen Agrarkenntnisse und -praktiken der indigenen Bevölkerung Mexikos bei Erhaltung der Umwelt und bei der nachhaltigen Nutzung der natrürlichen Reichtümer spielen können. Unterschiedliche akademische Disziplinen wie die Ethnobotanik, die Agrarökologie, die Ethnoscience, die Ethnobiologie und seit kurzer Zeit die Ethnoökologie untersuchen die Bedeutung, welche den traditionellen Kenntnissen dieser Völker als Beitrag zur sogenannten westlichen Wissenschaft und Kultur zukommt.
Eine wichtige Sorge der Menschheit im ausgehenden 20. Jahrhundert gilt der Frage, wie eine auf Nachhaltigkeit beruhende Entwicklung ermöglicht werden kann: Welche Rolle können in diesem Zusammenhang die indigenen Völker spielen, und wie können diese Völker und deren Kulturen im Kontext des Neoliberalismus und der Globalisierung auf der Grundlage einer multikulturellen und pluriethnischen Gesellschaft weiterexistieren?

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Gabriela Kraemer-Bayer
INDIGENE AUTONOMIE IN MEXIKO UND DIE TRANSFORMATION TRADITIONELLER AGRARPRAKTIKEN

Ziel dieses Artikels ist es, aufzuzeigen, daß der Kampf indigener Völker um Autonomie gleichermaßen eine moderne wie auch traditionalistische soziale Bewegung darstellt, welche sich, so gut wie nur möglich, dafür engagiert, die durch die neuen äußeren Gegebenheiten ausgelöste politische, wirtschaftliche und juridische Krise der eigenen Traditionen zu überwinden.
Der Artikel läuft auf die Schlußfolgerung hinaus, daß dieser Kampf nicht nur dadurch legitimiert ist, weil diese Völker in der Tat kulturell andersartig sind, sondern auch, weil er ein Mittel darstellt, um die Beziehungen zu anderen indigenen Völkern und zur dominanten Gesellschaft auf eine günstigere Grundlage zu stellen. Da an diesem Prozeß jedoch eine Vielfalt von sozialen Akteuren mit sehr widersprüchlichen Interessen beteiligt ist, bleibt der Ausgang des Kampfes ungewiß.

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Jorge Alberto González Galván
DIE VERPFLICHTUNGEN MEXIKOS AUS DEM ÜBEREINKOMMEN NR. 169 DER INTERNATIONALEN ARBEITSORGANISATION (ILO) ÜBER DIE RECHTE EINGEBORENER VÖLKER


Der vorliegende Artikel von Jorge Alberto González Gálvan stellt das Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in den Kontext der mexikanischen Diskussion um die Anerkennung der Rechte indigener Völker. Nach einem kurzen historischen Abriß der rechtsetzenden Initiativen der ILO im Bereich der eingeborenen Völker wird das Übereinkommen Nr. 169 im Detail behandelt. Neben formalrechtlichen Aspekten wie der Frage der Relation des Übereinkommens zum innerstaatlichen Recht wird auf die materielle Rechte, die sich aus der Konvention 169 ergeben, eingegangen. Im letzten Teil werden diese allgemeinen Ansätze auf die mexikanische Situation, besonders auf die aus dem Konflikt in Chiapas resultierenden Friedensbemühungen, umgelegt.

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Erich Schweighofer
SCHUTZ DER INDIGENEN UMWELTBEWIRTSCHAFTUNGSPRAKTIKEN UND -KENNTNISSE

Das Wissen indigener Völker zur Umweltbewirtschaftung kann im derzeitigen System zum Schutz des geistigen und gewerblichen Eigentums nicht ausreichend geschützt werden. Der Hauptgrund liegt in der fehlenden Weiterentwicklung dieses Wissens bis zur Patentierbarkeit. Die gewünschte Schaffung von kollektiven Schutzrechten ist wenig realistisch, wenn auch schon brauchbare Vorarbeiten wie insbesondere Art. 29 der Draft Declaration on the Rights of Indigenous Peoples 1994 vorliegen. Die wichtigste Basis eines rechtlichen Sonderregimes ist Art. 8 lit. j der Konvention über biologische Diversität, womit Staaten mit indigenen Völkern das sui generis-Konzept kollektiver Schutzrechte verwirklichen können. Als Nachteile verbleiben die räumliche Einschränkung auf das Gebiet des jeweiligen Staates sowie die fehlende gleichwertige völkerrechtliche Absicherung wie für das System des geistigen und gewerblichen Eigentums.

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René Kuppe
RECHTE INDIGENER VÖLKER IM NEOLIBERALISMUS:
Der Zugriff der Bergbau- und Erdölmultis auf Mutter Erde

Der Investitionsboom im Bergbau- und Erdölwesen, den die Staaten Lateinamerikas in den letzten Jahren erleben, ist auch die Folge von neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese Gesetze sind darauf ausgerichtet, Investitionshindernisse aller Art abzubauen und die Rechte der Investoren zu stärken.
Am Beispiel des Engagements von Shell in Perú wird aufgezeigt, wie die neoliberalen Rahmenbedingungen dazu führen, daß sich Investoren im Erdgasgeschäft der Öffentlichkeit gegenüber sogar als soziale Wohltäter darstellen können. Schließlich wird an Hand konkreter Beispiele aus Perú und Venezuela belegt, wie das Rechtssystem seien Funktion verliert, ein unparteiischer Konfliktlösungsmechanismus zu sein; vielmehr werden die Rechte der Bürger und der indigenen Völker den Interessen der Großinvestoren geopfert.

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H.C.F.Mansilla
ZWISCHEN TRADITIONELLEN PARTIKULARISTISCHEN WERTEN UND MODERNEN UNIVERSALISTISCHEN ZWÄNGEN:
Die Herausbildung der Nationalidentität Boliviens im Zeitalter der Globalisierung

In diesem Artikel wird der Frage nachgeganen, ob und inwieweit im heutigen Bolivien die Herausbildung einer nationalen Identität festzustellen ist. Basierend auf 50 selbst durchgeführten Tiefeninterviews, der Ausweitung von zwei weiteren landesweiten Umfragen und historischem Material wird die Schlußfolgerung gezogen, daß sich in Bolivien eine dauerhafte synkretistische Lösung zwischen Traditionellem bzw. Partikularistischem und Modernem bzw. Universalistischem abzeichnet. Diese Synthese beruht wesentlich, so wird argumentiert, auf der Akzeptanz des westlichen Wirtschaftsmodells und der repräsentativen Demokratie druch die indigenen Bevölkerungsgruppen und auf einem nicht friktionsfreien aber friedlichem Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungssegemente bei relativ hoher vertikaler Durchlässigkeit. Beförder wurde es darüberhinaus durch die Implementierung von sozialen Reformen durch nationale Funktionseliten, welche Bolivien in Richtung einer multikulturellen Gesellschaft verändert haben.

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