Schwerpunktredaktion: Franz Kolland
Franz Kolland
Editorial
Bernhard Nett
Göran Hydens "Gesellschaften ohne Staat" in der entwicklungstheoretischen Debatte
Abstract
Joachim Groder
Der Aufstand in Chiapas 1994 im Spannungsfeld von exklusiver Politik und Concientización
Abstract
Samuel Wälty
Cows, Buffaloes and the Rural Poor in India
Employment Generation, Gender, Dairying Strategies
Abstract
Hartmut Elsenhans
Globalisierung intensivieren statt abblocken
Abstract
Abstracts
Bernhard Nett
GÖRAN HYDENS "GESELLSCHAFTEN OHNE STAAT" IN DER ENTWICKLUNGSTHEORETISCHEN DEBATTE
In seinem Artikel wirft Bernhard Nett nach zwei Jahrzehnten einen Blick zurück auf G. Hydens "No shortcuts to Progress". Dabei stellt der Autro heraus, daß Hydens These vom "uncaptured peasant" eine fruchtbare Kritik am etatistischen frühen Entwicklungsdiskurs formulierte und zu einem neuen Interesse an "Entwicklung von unten" in Afrika beitrug. der nach wie vor anregende Versuch, die Bauern Afrikas ins Zentrum einer politökonomischen Analyse des Kontinents zu stellen (für den Hyden nur ein Beispiel war), muß jedoch mißlingen - so der Autor - wenn man wie Hyden Fortschritt auf Nachholende Entwicklung der Industrieländer verkürzt.
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Joachim Groder
DER AUFSTAND IN CHIAPAS 1994 IM SPANNUNGSFELD VON EXKLUSIVER POLITIK UND CONCIENTIZACIÓN
Grundthese des vorliegenden Artikels ist es, daß die Gründe für den Aufstand des EZLN in Chiapas seit 1.1.1994 in erster Linie in den politischen Verhältnissen in Mexiko und speziell in Chiapas zu suchen sind. Gegen ein politisches System in den Händen einer vorrevolutionären Regionaloligarchie und ihrer Klientel von Modernisierungsgewinnern, das bis heute weite Teile der Bevölkerung von der politischen Partizipation und in weiterer Folge von Entwicklungschancen ausschließt, begann sich ab den 70er Jahren mit Hilfe der Befreiungstheologie und linker Gruppen ziviler Widerstand unter der Bevölkerung zu regen. Indem die herrschende Elite die legalen Protestwege verschloß und zunehmend auf gewaltsame Maßnahmen zur Erhaltung des Status Quo zurückgriff, half sie der Guerilla des EZLN, sich als Volksheer zu etablieren.
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Samuel Wälty
COWS, BUFFALOES AND THE RURAL POOR IN INDIA
Employment Generation, Gender, Dairying Strategies
Die besondere Rolle der Kuh in der indischen Mythologie ist oft bekannter als die Tatsache, dass es in keinem Land mehr Kühe und Büffel gibt als in Indien. Diese werden vorwiegend von landarmen ländlichen Haushalten gehalten und auch als Mittel zur Armutsbekämpfung betrachtet. Der Artikel diskutiert die Bedeutung der Viehaltung für ärmere Schichten in Indien. Analysiert werden die Viehwirtschaft im nationalen Kontext, die Partizipation ärmerer Schichten an der Viehwirtschaft und die Rolle von Männern, Frauen und Kindern in der Viehhaltung. Danach wird gezeigt, mit welchen Strategien landarme Haushalte Milchtiere erwerben und unterhalten (oder wieder verlieren). Abschließend wird die Frage gestellt, wie Liberalisierung und Kommerzialisierung die Beteiligung der landarmen Haushalte an der Viehwirtschaft beeinflussen werden.
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Hartmut Elsenhans
GLOBALISIERUNG INTENSIVIEREN STATT ABBLOCKEN
Nicht das Ausmaß der gegenwärtigen Globalisierung, sondern bestimmte Aspekte ihrer Durchsetzung sind für die gesellschaftlichen Auswirkungen entscheidend. Re-Globalisierung der Weltwirtschaft nach 50 Jahren kriegsbedingter Abschottung ist bestimmt durch Eingliederung von Wirtschaften in die internationale Arbeitsteilung, die durch Marginalität gekennzeichnet sind. Dadurch wird Arbeit trotz Produktivitätswachstum nicht knapp. Arbeit auch im Westen verliert ihre Verhandlungsmacht, sofern Marginalität, nämlich strukturelle Arbeitslosigkeit im Süden, nicht beseitigt wird. Der gegenwärtige Schub von Re-Globalisierung ist zu schwach, um Marginalität in der Peripherie des Weltsystems zu beseitigen. Deshalb muß Globalisierung durch komplementäre Maßnahmen entwicklungspolitischer Art so vertieft werden, daß sie in das bislang vorherrschende Modell eines Geleitzugs überführt wird, in dem Süden und Westen gleichermaßen im Rahmen einer freien Weltwirtschaft wirtschaftlich wachsen können.
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