JEP 2/2000
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Ausgabe 2000/2:
Afrika:
Bilanz und Perspektiven


Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Robert Kappel/Ulf Engel


Inhalt

Robert Kappel/Ulf Engel
Editorial

Leseprobe

Gero Erdmann
Hoffnung für die Demokratisierung in Afrika? Stand und Perspektiven

Robert Kappel
Begründungen für die lang anhaltende Wachstumsschwäche in Afrika

Cord Jakobeit
Afrikanische Diskussionen zur Entwicklung des Kontinents - das Beispiel ,,African Renaissance"

Ulf Engel
Halbzeitbilanz: Wandel und Kontinuität deutscher Afrikapolitik unter der rot-grünen Regierung, 1998-2000

Andreas Mehler
Krisenprävention als neues Paradigma deutscher Afrikapolitik

Andreas Novy
Geld ist eine Waffe, die den Gegner verwirrt
Abstract

Waltraud Schelkle
Geldpolitik, Währungsstabilität und Entwicklung
Abstract


Leseproben und Abstracts


Robert Kappel/Ulf Engel
Editorial

Afrika und die Afrikapolitik stecken in einer tiefen Krise - oder? Wie kaum ein anderes Thema scheint Afrika abhängig von den Konjunkturen der öffentlichen Medienwahrnehmung zu sein. In dem vorliegenden Schwerpunktheft des Journals für Entwicklungpolitik, ,,Afrika: Bilanz und Perspektiven", wird dieses Thema aus drei Blickwinkeln betrachtet. In zwei Beiträgen wird zunächst untersucht, wieweit die politische bzw. die ökonomische Situation Anhaltspunkte für eine negative Einschätzung hergibt. Während im politischen Bereich - Stichwort: Demokratisierung - verhaltener Optimismus obsiegt, überwiegen hinsichtlich des wirtschaftlichen Entwicklungspotentials des Kontinents die kritischen Einschätzungen.
Gero Erdmann vom Institut für Afrika-Kunde (Hamburg) gibt in seiner Bilanz der Demokratisierung seit Beginn der 1990er Jahre eine vorsichtig positive Einschätzung zu den Bedingungen für eine weitere Demokratisierung. Er begründet dies mit den neuen demokratischen Freiheiten, die oft bedroht sind, aber auch in nicht dagewesener Form in hybriden und teilweise auch in autoritären Regimes vorhanden sind. Politische Opposition in Afrika habe heute ganz andere Möglichkeiten, als noch vor zehn oder 15 Jahren. Zwar hätten neue zivilgesellschaftliche Gruppen, neue Parteien und neue (alte) politische Führer ,,mit all ihren eigenen tradierten Problemen aus einer autoritären, neopatrimonialen Herrschaftskultur keine blühenden Demokratien geschaffen", aber sie und die Wähler hätten die Verhältnisse so verändert, daß die Chancen für weitere demokratische Entwicklungen weit günstiger beurteilt werden müßten als zuvor.
In seinem Beitrag über die langanhaltende Wachstumsschwäche in Afrika kommt der am Institut für Afrikanistik (Universität Leipzig) lehrende Ökonom Robert Kappel dagegen zu eher ernüchternden Schlussfolgerungen. Für ein Heraustreten aus der Armutsfalle im Zuge eines Catching-Up sieht Kappel gegenwärtig kaum Anzeichen. Nur wenige Länder werden kurzfristig in der Lage sein, sich zu entwickeln und einen Take-Off zu realisieren. Am Beispiel der Erfolgsfälle Mauritius und Botswana und vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse aus Wirtschaftsforschung und Entwicklungstheorie diskutiert Kappel, welche Determinanten einen Umschwung von der Wachstumsschwäche hin zur dauerhaften Entwicklung begünstigen könnten (hohe Investitionsquote, gute Humankapitalbildung, funktionierende Institutionen, Offenheit der Ökonomie etc.).
Ein in Afrika selbst entwickelter Ausweg aus der Krise wird unter dem Schlagwort ,,African Renaissance" diskutiert. Cord Jakobeit, Direktor des Insti-tuts für Afrika-Kunde (Hamburg), hinterfragt in seinem Beitrag Kontext, Inhalte, Zielsetzungen und Wirkung dieses neuen Begriffs, den der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki seit 1996 in den Mittelpunkt zahlreicher öffentlicher Äußerungen gestellt hat. Jakobeit interpretiert diesen programmatischen Leitbegriff als den Versuch Mbekis, ,,sich aus dem großen Schatten Nelson Mandelas zu lösen und eine eigene Vision für die Zukunft Südafrikas wie des gesamten Kontinents zu formulieren." Mbekis ,,African Renaissance" sei weder politisches Konzept noch Strategie. Sie bleibe absichtlich vage, um im innen- wie außenpolitischen Diskurs Anschlußmöglichkeiten für heterogene Interessengruppen zu liefern. Trotz großer Bemühungen Südafrikas, so resümiert Jakobeit, sei die Anschlußfähigkeit des Leitbegriffes im restlichen Afrika allerdings begrenzt. Mithin stünde ihm ein ähnliches Schicksal bevor, wie Kwame Nkrumahs ,,Pan-Africanism" oder Kenneth Kaundas ,,African Humanism".
Externe Antworten auf die Entwicklungskrise Afrikas werden in den Beiträgen von Ulf Engel und Andreas Mehler diskutiert, beide nehmen sich dabei der deutschen Politik gegenüber dem afrikanischen Kontinent an. Engel, auch er lehrt an der Universität Leipzig (,,Politik in Afrika"), problematisiert in seiner Halbzeitbilanz die Afrikapolitik der rot-grünen Regierung in Berlin (1998-2000). Mit Ausnahme weniger programmatischer Innovationen - der Entschuldungs-initiative auf dem G7-Gipfel 1999, die Übernahme des Konfliktpräventionsdis-kurses - sieht Engel insgesamt ein hohes Maß an Kontinuität, dass er mit einem generellen Mangel an ,,harten" Interessen Deutschlands in Afrika begründet. Unter den Vorzeichen einer weiteren Europäisierung und Zivilisierung der deutschen Außenpolitik wird Afrika statt dessen in Außenhandel, Entwicklungs-zusammenarbeit und Verwaltung weiter marginalisiert.
Mehler, auch er forscht am Hamburger Institut für Afrika-Kunde, konzentriert sich auf den neuen deutschen Diskurs zu Krisen- und Konfliktprävention, die in der vergangenen Dekade rasch an Bedeutung in den internationalen Beziehungen gewonnen haben. Für die Bundesrepublik attestiert Mehler, dass die konzeptionelle internationale Diskussion mittlerweile zwar recht flächendeckend in die deutsche Diskussion Eingang gefunden habe. Hinsichtlich der inhaltlichen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung in der Konfliktanalyse herrsche aber zuweilen noch Unsicherheit, die Anpassung der Instrumente stehe erst am Anfang und die institutionelle Verankerung sei auch noch nicht ausreichend vorangekommen. Die Afrika-Schwerpunktausgabe des Journals für Entwicklungspolitik macht deutlich, wie tiefgreifend sich der Kontinent in den letzten Jahren gewandelt hat. Die zunehmende Diversität von Politik und Ökonomie, von gesellschaftlichen Strukturen und Akteuren, läßt sich weniger denn je mit Klischees begreifen. Afrika ist weder ein ,,Kontinent der Hoffnungen" noch ein ,,Krisenkontinent". Weder hat sich Kaplans mittlerweile geflügeltes Wort von der ,,kommenden Anarchie" bewahrheitet, noch ist der pauschalen Gesundbeterei Erfolg beschert gewesen. Es ist an der Zeit, dass wir die Wechselbäder von Euphorie und Desillusion hinter uns lassen. Mit diesem Schwerpunktheft soll ein Beitrag zu einer überfälligen Würdigung Afrikas aus sich heraus geleistet werden, die gleichermaßen von Empathie wie Gelassenheit, von methodologischer Klarheit wie empirischer Dichte getragen sein sollte.

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Andreas Novy
Geld ist eine Waffe, die den Gegner verwirrt

Der Artikel teilt sich in drei Teile, einen theoretischen, einen historischen und einen politischen. Eingangs wird die dominante wirtschaftswissenschaftliche Geldtheorie dargestellt, die Geld bloß als einen Schleier über den realen wirtschaftlichen Prozessen sieht. Geld wäre demnach ein neutrales Medium, würde die Politik nicht Verzerrungen produzieren. Dem stellt Novy einen sozial-wissenschaftlichen Ansatz gegenüber, wonach Geld eine soziale Institution ist, in der sich politische Kräfteverhältnisse widerspiegeln. Im zweiten Teil werden drei Typen des Geldregimes analysiert: der Goldstandard vor dem Ersten Weltkrieg, das national kontrollierte Geld der Periode des Bretton-Woods-Systems und das internationalisierte Geldregime danach. Im dritten Teil können dann Schlüsse darüber gezogen werden, wie mit Geld Politik gemacht wird. Seit rund 20 Jahren produziert die vermeintliche Neutralität der Geldpolitik einen immer massiveren Druck auf die Fiskalpolitik und hat auf diese Weise zur Zerstörung der nationalstaatszentrierten Entwicklungsweise beigetragen.

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Waltraud Schelkle
Geldpolitik, Währungsstabilität und Entwicklung


Inwiefern kann die Geldpolitik Entwicklung fördern? In diesem Beitrag wird argumentiert, daß dies Wechselkursstabilisierung und eine stabilitätsorientierte Unterbewertung der Währung verlangt. Sie bezweckt eine Entschuldung und die Senkung des langfristigen Zinssatzes. Eine solche Strategie wird mit der Geldpolitik kontrastiert, wie sie Stabilisierungsprogramme des Internationalen Währungsfonds (IWF) und im Extremfall die Spielregeln eines Currency Board (CB) fordern. Beide werden dafür kritisiert, daß sie das Vertrauen in die Wäh-rungsstabilität nicht herstellen, sondern für ihr Gelingen voraussetzen müssen. Ist es - wie in Entwicklungsländern - nicht vorhanden, wirkt die von beiden geforderte Geldmengenkontrolle destabilisierend.

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