JEP 4/2003
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Ausgabe 2003/4:
Wem gehört das Wasser?

Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Bettina Köhler

Einleitung

Das Thema »Wasser« hat den rein ingenieurwissenschaftlichen Sektor verlassen. Es erfährt als eines der zukünftigen Konfliktfelder wachsende politische Beachtung und ist zunehmend Gegenstand einer Vielfalt von Programmen und Deklarationen. Auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) 2002 in Johannesburg wurde zu »Wasser« wie nur zu wenigen anderen Themen eine ein- stimmige Deklaration verfasst. Bis zum Jahr 2015 soll die Zahl derjenigen Menschen, die keinen Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser und an Abwasserentsorgung haben, halbiert werden.

Das Konstatieren einer »Wasserkrise« wurde in den letzten Jahren von den unterschiedlichsten Disziplinen und Institutionen gleichermaßen betrieben. Die Ursachen und Dimensionen der Wasserkrise werden zwar unterschiedlich verortet: in Verschmutzung, Verschwendung, Verknappung, der ungleichen Verteilung der Wasservorräte, in der Zerstörung von Ökosystemen, im Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Missmanagement und anderem. Dennoch besteht ein breiter Konsens darin, dass das zu lösende Problem der fehlende oder mangelhafte Zugang zu Wasser von weit über einer Milliarde Menschen weltweit sei.

Dieser Fokus auf eine Wasserversorgungskrise lässt anstelle der genannten anderen möglichen Problemdimensionen die Systeme der Wasserbereitstellung ins Blickfeld treten. Weltweit dominieren bislang gemeinschaftliche oder öffentliche Versorgungseinrichtungen, in der Regel basierend auf der Vorstellung von Wasser als zentralem »öffentlichen Gut« ,welches von der Öffentlichkeit, in Form einer staatlichen Instanz als »öffentliche Dienstleistung« ,zum Wohle der Allgemeinheit bereitgestellt wird.

Eben diese Form der »öffentlichen« Bereitstellung unterliegt im Zuge neoliberaler Restrukturierungen wachsender Kritik. Seit den 80er Jahren findet eine zunehmende diskursive und materielle Demontage des Begriffs der öffentlichen Dienstleistungen statt. Kritisiert wird zunächst der »öffentliche Charakter« von Dienstleistungen und Gütern schlechthin: erst wenn diese einen ökonomischen Wert, also einen Preis, haben, so die Argumentation, würden sie geachtet und sorgsam verwendet. Zudem bestehe kein prinzipieller Rechtsanspruch auf Zugang zu Wasser, sondern Bedürfnisse könnten nach individuellen Fähigkeiten gedeckt werden. Es findet also die Umdeutung von einem »öffentlichen Gut« in eine auf dem freien Markt handelbare Ware statt, ein Vorgang, der auch mit »Kommodifizierung« (commodity =Ware )beschrieben wird. Diese Umdeutung von »Wasser als einer öffentlichen Dienstleistung« zu »Wasser als einer Ware« impliziert auch, dass nur noch die unmittelbaren technischen Kosten der Erschließung und Bereitstellung in Betracht gezogen werden. Darüber hinaus gehende kulturelle Implikationen sowie soziale oder ökologische Kosten (wie z.B. Cholera-Ausbrüche aufgrund schlechter sanitärer Bedingungen)werden tendenziell der Allgemeinheit übertragen.

Die neoliberale Kritik an der »öffentlichen Bereitstellung« von Wasser zielt auf ineffiziente, korrupte und zudem mittellose kommunale Betreiber ab. Öffentliche Betreiber würden zudem durch ihre Praxis der Quersubventionen marktverzerrend wirken und dazu beitragen, dass nicht kostendeckend gearbeitet werden könne. Die Bereitstellung müsse daher nach markwirtschaftlichen Kriterien und in erster Linie kostendeckend erfolgen. Die in vielen Bereichen notwendigen Investitionen könnten allein durch privates Kapital erfolgen und nur der private Sektor verfüge über die notwendige Effizienz und das technische Know-How. Die wirtschaftspolitischen Konsequenzen aus dieser Problemdeutung sind klar: Erst die Schaffung bzw. Liberalisierung von Märkten, die Deregulierungen von Standards sowie privat-öffentliche Kooperationen (PPP)können die weltweit gravierenden Versorgungsprobleme lösen.

Inzwischen kann auf ein Jahrzehnt angestrengter und euphorischer Privatisierungsbemühungen im Wassersektor, insbesondere in Ländern des Südens, zurückgeblickt werden. Die Zwischenbilanz ist ernüchternd. Auf der einen Seite stehen gewachsene Gewinnspannen und Marktanteile einiger weniger privater transnationaler Wasserkonzerne -der Wassermarkt wird auf weltweit 100 Mrd.US$ geschätzt. Auf der anderen Seite ist gerade die angestrebte verbesserte Versorgung ärmerer Bevölkerungsschichten in keinster Weise erreicht worden. Im Gegenteil, gestiegene Wasserpreise und eine weitere Verschlechterung der Versorgungsnetze verschärfen die Situation. Die Erkenntnis, dass Wasserversorgung kaum kostendeckend oder gar gewinnbringend möglich ist, in Verbindung mit wachsendem politischen Widerstand der Betroffen führen inzwischen zu Verschiebungen in der internationalen Wasserpolitik. Zum einen können neue Strategien zur Absicherung privater Unternehmungen gegen diverse Risiken beobachtet werden. Zum anderen kann ein zunehmendes Selbstbewusstsein von AkteurInnen bei der Suche nach und Verteidigung von existierenden Alternativen verzeichnet werden. Die Beiträge in diesem Heft gehen insbesondere den diskursiven und ideologischen Entstehungsbedingungen sowie den Umbrüchen dieser Situation nach.

Anhand der Entwicklung der heutigen Wasserversorgungssysteme zeigt Erik Swyngedouw auf, wie die Art und Weise der Bereitstellung von Wasser schon immer gesellschaftlich umkämpft sowie Ausdruck von Interessen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen gewesen ist. Dass es auch um sehr materielle Interessen geht, zeigen die Gewinnspannen der Wasserkonzerne sowie die Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der von mangelhafter Versorgung Betroffenen. Die diskursiven Widersprüche neoliberaler Restrukturierungen im Wassersektor werden anhand von zwei für den Prozess der Kommodifizierung zentralen Diskursen dargestellt: Zum einen die Konstruktion der Figur von »Knappheit« und zum anderen die These des »schwachen ineffizienten Staates«.

Am Beispiel des Diskurses um »Wasser als knapper Ressource« wird gezeigt, wie hier »gut gemeinte« umweltpolitische und naturwissenschaftliche Appelle eine (unheilige) Allianz eingehen mit neoliberalen ökonomischen Leitsätzen. Wird auf der einen Seite Knappheit als Argument für schonenden Umgang mit einer knappen Ressource verwendet, dient eben diese Figur »der knappen Ressource« als Grundlage für die Implementierung ökonomischer Prinzipien wie Kostendeckung: Denn der Markt braucht Knappheit um zu funktionieren. Andere Problemdimensionen, wie z.B. Verteilungsfragen, werden über diese Konstruktion ausgeschlossen.

Die Ausführungen von Swyngedouw machen zum anderen deutlich, dass die Reduzierung der Konfliktlinie auf die dichotomisierende Frage »Markt oder Staat« zu einfach ist. Die Realität ist wesentlich komplexer, auch existiert bereits heute eine Vielzahl unterschiedlicher Betreibermodelle. Die neoliberale Forderung nach einem Rückzug des Staates und seiner regulierenden Funktionen, dies zeigen die bisherigen Erfahrungen, wird gerade unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht eingelöst. In allen Fällen großer Konzessionsübergaben spielten staatliche Institutionen eine zentrale Rolle bei der Anbahnung der Verhandlungen und bei der Ausarbeitung von Rahmenregeln zugunsten der Vertragspartner. Anstelle der vielpropagierten De-Regulierung vollzieht sich vielmehr eine Übertragung von ökonomischer und politischer Macht sowie von Kontrollbefugnissen, weg von demokratisch gewählten politischen Institutionen (vom öffentlichen Sektor),hin zum privaten Sektor. Im Zuge dieser Verschiebung »von government zu governance« entsteht zwar eine Vielzahl neuer Regulierungsmechanismen, deren Transparenz sei aber gering, unter anderem da Informationen zu privaten Betriebsgeheimnissen werden. Die Möglichkeit der demokratischen Kontrolle von Entscheidungen ist dadurch schwieriger und findet, wenn überhaupt, außerhalb traditioneller demokratischer Kanäle und zwischen ungleichen Partnern statt.

Zum anderen ist allein der »öffentlicher Betrieb« von Wasserversorgungsanlagen noch keine Gewähr, dass die Bereitstellung unter sozialeren oder ökologischeren Prämissen abläuft. Privatwirtschaftlich geführte Unternehmen unterliegen zwar explizit einer gewinnorientierten Logik. Neuere Entwicklungen im Bereich des »new public management« lassen jedoch vermuten, dass öffentliche Betreiber, insbesondere wenn sie in einem liberalisierten Markt agieren, dieselbe marktwirtschaftliche Logik übernehmen. Nicht zuletzt verstellt die undifferenzierte Dichotomisierung von »Markt versus Staat« den Blick für tatsächlich notwendige interne Reformen des öffentlichen Sektors.

Am Beispiel afrikanischer Kommunen zeigt Patrick Bond wie durch das Zusammenwirken von internationalen Finanzinstitutionen, makroökonomischen Strukturen sowie staatlichen Entscheidungen die Krise der kommunalen Dienste erst entstehen konnte. Zum einen war die ökonomische Basis der öffentlichen Dienstleistungen durch fiskalische Maßnahmen zuvor jahrelang systematisch ausgehöhlt worden. Zum anderen wurden tatsächliche strukturelle Mängel sowie Korruption nicht behoben. Statt dessen wurde deren Kompetenz prinzipiell in Frage gestellt und Strukturen abgebaut. Deutlich wird auch die ambivalente Rolle der Kommunen selbst, die, im Fall Südafrikas, zwar nach Antritt der ANC-Regierung 1994 auf der einen Seite Forderungen nach sozialer und ökologischer Gerechtigkeit (social and environmental justice )verpflichtet waren (das »Recht auf Wasser« wurde noch 1996 in die südafrikanische Verfassung aufgenommen),jedoch in Folge aktiv die Implementierung von Wettbewerbspolitiken unterstützten. Ein Schlüsselkonflikt, in dem sich eine wachsende Anzahl sozialer Bewegungen artikuliert, dreht sich um die Umsetzung von »Kostendeckung um jeden Preis« bei der Wasserbereitstellung für ärmere Bevölkerungsschichten. Da Quersubventionen abgeschafft wurden, müssen die Kosten vollständig von den VerbraucherInnen aufgebracht werden. Vorauszubezahlende Wasserzähler (pre-paid water meters ) sollen sicherstellen, dass nur Wasser erhält wer bezahlt hat, was zu einer Situation von »Wasser-Apartheid« führte.

Dass die Regulierung des Zugangs zu Wasser ein jahrhundertealtes Konstrukt ist, verdeutlicht der Beitrag von Rutgerd Boelens und Margreet Zwarteveen am Beispiel andiner Wasserrechte. Da Wasser in allen Kulturen eine zentrale Lebensgrundlage gewesen ist, war sein Zugang zwar immer auch gesellschaftlich umkämpft, einer auf die Allgemeinheit ausgerichteten Regulierung kam jedoch in den meisten Fällen eine wichtige Rolle zu.Eine Vielzahl lokal und kulturell angepasster formeller und informeller Regelungen wurde hierzu geschaffen und koexistierte in Form eines Rechtspluralismus (legal pluralism ).Diese traditionellen Wasserrechte und community rights berücksichtigen vielfältige Dimensionen von Wasser und beziehen sich nicht nur auf die unmittelbare Nutzung, sondern auch auf soziale und ökologische Implikationen sowie auf gesellschaftliche Interaktionen. Es wird gezeigt, wie die universalistischen neoliberalen, auf globale Interessen zugeschnittenen Rechtsnormen nicht dazu geeignet sind auf die unterschiedlichen komplexen lokalen Realitäten einzugehen.

Die Auseinandersetzungen um Privatisierung des Wassers in Cochabamba werden immer wieder als »ikonisches Beispiel« (Swyngedouw in diesem Heft) für die Möglichkeit erfolgreichen zivilgesellschaftlichen Widerstands angeführt: In einer spezifischen Konstellation, nämlich dem korrupten Vorgehen von Regierung und privatem Unternehmen sowie einem bereits hohen Mobilisierungsgrad der Bevölkerung, entstand ein Konflikt, der damit endete, dass die zweifelhaften Verträge aufgelöst sowie das bolivianische Privatisierungsgesetz modifiziert wurde. Vor dem Hintergrund einer Dekade, in der die Euphorie und Unverfrorenheit der »Privatisierer« teilweise auf Unwissenheit bis zu Gleichgültigkeit der Betroffenen gestoßen ist, wird die Frage »wem überhaupt die Kontrolle über das Wasser zusteht« zentral. Ein wichtiges Moment dieser Auseinandersetzungen scheint also zu sein, dass in einer konkreten Situation ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher AkteurInnen Anspruch auf »ihr Wasser« reklamiert und damit einen Prozess der Wiederaneignung gemeinschaftlicher bzw. öffentlicher Bereiche in Gang gesetzt hat. Die teilweise sehr persönlichen Ausführungen von Gabriel Herbas, einem Aktivisten jener »Wasserkämpfe« im Gespräch mit Ana Esther Ceceña, geben einen Einblick in die Dynamik, die Unsicherheiten und die Suchprozesse dieser Mobilisierung.

Politische Auseinandersetzungen um die Rolle öffentlicher Dienstleistungen gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Uwe Hoering zeichnet zum einen die Implikationen des Paradigmenwechsels von Wasser als »öffentlichem Gut« auf welches jeder Mensch ein Anrecht hat, hin zu Wasser als einem Wirtschaftsgut, dessen Bereitstellung den Gesetzen des Marktes unterliegt nach. Zu beobachten ist, so seine These, eine Entökologisierung und Entdemokratisierung der Wasserdebatte. Zum anderen stellt Hoering Elemente und Perspektiven der jüngst zu verzeichnenden Trendverschiebungen dar: Angesichts des Scheiterns vieler privater Wasserunternehmen in der risikoreichen Grundversorgung, ist ein Rückzug aus selbiger sowie die Verlagerung auf lukrativere Sektoren, wie den Verkauf von Flaschenwasser oder die Versorgung von wohlhabenden Gebieten, zu verzeichnen. Gleichzeitig werden öffentliche Subventionen und Garantien für die Privatwirtschaft ausgeweitet.Der Trend der Verlagerung der wirtschaftlich rentablen Bereich in den privaten Sektor und das Überlassen der weniger lukrativen Bereiche in staatlicher Obhut, oder gleich in Selbsthilfe, wird auf diese Weise verschärft. Eine Verbesserung der Wasserversorgung für alle Bevölkerungsschichten wird dadurch nicht erreicht. Statt dessen fehlen der öffentlichen Hand jetzt zudem die Einnahmen aus möglichen Quersubventionen -ein weiterer Schritt in Richtung gesellschaftlicher Entsolidarisierung und Spaltung.

Ansätze den Begriff des »Öffentlichen«, nicht als denjenigen Bereich aufzufassen, in dem lediglich die gesellschaftlichen Mängel verwaltet werden, lassen sich eine Reihe finden. Genannt wird immer wieder das inzwischen ebenfalls ikonische Beispiel des partizipativen Budgets von Porto Alegre, wo es -mit allen Schwierigkeiten -erfolgreich gelang, das Budget der Stadt und auch die Wasserversorgung partizipativ zu organisieren. Zahlreiche Städte betreiben durchaus erfolgreich öffentliche Wasserver- und Entsorgungseinrichtungen. Für weitere Perspektiven scheint es wichtig, positive Vorstellungen davon zu entwickeln, welche Funktionen der Bereich des »Öffentlichen« in einer Gesellschaft erfüllen soll.. Viele drastische Beispiele stammen aus Ländern des Südens, wo die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sowie der Widerstand dagegen bisher eine größere Dynamik aufweist. Die Tendenzen lassen sich jedoch zunehmend deutlich auch im Norden ablesen. Die Art und Weise der Bereitstellung von Wasserversorgung ist immer von sehr konkreten ökologischen, kulturellen, politischen und ökonomischen Kontexten geprägt. Konkrete Lösungen sind daher nicht einfach übertragbar, sondern müssen weitgehend in den spezifischen Kontexten entwickelt werden. Auch haben die Erfahrungen der letzten Jahre wieder verdeutlicht, dass Wasserversorgung einer der Bereiche ist, bei dem es nicht alleine um technische oder ökonomische Lösungen gehen kann, sondern auch um Vorstellungen der Entwicklung von Gesellschaft. So wie die neoliberalen Strategien der Wasserprivatisierung relativ neu sind, steckt auch die kritische Auseinandersetzung damit noch in den Anfängen.

Bettina Köhler

 

Inhalt

Erik Swyngedouw
Privatising H2O
Turning Local Waters Into Global Money
Abstract

Patrick Bond
The Limits of Water Commodification in Africa
Abstract

Rutgerd Boelens / Margreet Zwarteveen
The Politics of Andean Water Policy Reforms
Local and Indigenous Rights in the Context of Privatization Policies
Abstract

Gabriel Herbas /Ana Esther Ceceña
Mobilisierung und Widerstand gegen Wasserprivatisierung in Cochabamba
Abstract

Uwe Hoering
Debatten und aktuelle Entwicklungen in der internationalen Wasserpolitik
Abstract

 


Abstracts


Erik Swyngedouw
Privatising H2O
Turning Local Waters Into Global Money

The paper critically engages with the global project of commodifying and privatising water resources. In the first part, neo-liberal privatisation policies are contextualised historically and politically. In a second part, the discourse of water »scarcity «is explored in relation to the logic of privatisation. In a subsequent part, the strategies of global corporations that share the water markets will be examined. This, in turn, leads to a consideration of the continuing centrality of the state and of »governance «in the regulation of the water sector, and to a discussion of the weakened position of the citizen vis-à-vis these modes of water governance. Finally, the contradictions of water privatisation will be explored.

Der Beitrag untersucht kritisch das globale Projekt der Kommodifizierung und Privatisierung von Wasser. In einem ersten Teil werden neoliberale Privatisierungspolitiken in ihrem historischen und politischen Kontext betrachtet. In einem zweiten Teil wird die Bedeutung von Knappheitsdiskursen für die Privatisierungslogik untersucht. Im darauf folgenden Teil werden die Strategien transnationaler Konzerne im Wassermarkt dargestellt. Daran anschließend wird die ungebrochene Bedeutung von Staat und »governance «in der Regulierung des Wassersektors und die angesichts dieser Situation geschwächte Position von Bürgern reflektiert. Abschließend werden die inneren Widersprüche von Wasserprivatisierung untersucht.

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Patrick Bond
The Limits of Water Commodification in Africa

The application of explicitly neoliberal philosophy to African state policies began in the 1980s with macroeconomics, but by the 1990s had worked its way through to microeconomic and developmental fields. In the case of water and sanitation services provision, the World Bank played an instrumental role in transmitting market-based strategies to national, municipal-scale and local-level projects. In settings as diverse as Johannesburg commercial outsourcing and African rural village water projects, we consider the core dynamics and the most important internal contradictions, as well as political resistance associated with the contradictory application of neoliberalism to water services.

Die Anwendung eines explizit neoliberalen Ansatzes auf die afrikanische Politik begann in den 80er Jahren im Bereich der Makroökonomie und wurde in den 90er Jahren auf die mikroökonomische Ebene und auf den Bereich der Entwicklungspolitik ausgeweitet. Im Fall der Wasserver-und Abwasserentsorgung spielte die Weltbank eine entscheidende Rolle, bei der Einführung markbasierter Prinzipien in die Abwicklung nationaler, regionaler und kommunaler Projekte. Beispiel wie der Outsourcing-Prozesses in Johannesburg, sowie kleinen ländliche Wasserprojekte in Afrika veranschaulichen die weitreichende Dynamik und die wichtigsten internen Widersprüche sowie auch den wachsenden politischen Widerstand gegen die Anwendung neoliberaler Politik auf den Wassersektor.

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Rutgerd Boelens / Margreet Zwarteveen
The Politics of Andean Water Policy Reforms
Local and Indigenous Rights in the Context of Privatization Policies

Andean water policies and issues are increasingly framed in neoliberal terms. This paper shows that this terminology is ill suited for understanding actual water realities, as well as for visualizing the harmful effects of neo iberal water reforms on local and indigenous water rights collectives. The latter, however, do not remain silent but fiercely defend their common property water resources, rules and authorities. They actively question the universalistic pretensions of neoliberal policies that claim o be based on natural laws and objective truths. A contextualized rights approach is proposed as an alternative framework, allowing the recognition of water as a politically contested resource.

Die Andine Wasserpolitik wird in zunehmendem Ausmaß von neoliberalen Rahmenbedingungen beeinflusst. Dieser Artikel zeigt, dass die neoliberale Terminologie nicht nur ungeeignet ist um die aktuellen Wassernutzungsformen zu verstehen, sondern dass die neoliberalen Reformen zudem schädigende Effekte auf die lokalen und indigenen Wasserrechtskollektive hat. Letztere erdulden dies nicht wortlos, sondern verteidigen mit Stolz ihre gemeinschaftlich genutzten Wasserressourcen, Regelwerke und Institutionen und stellen den universalistischen neoliberalen Ansatz, welcher vorgibt auf Naturgesetzen und objektiven Wahrheiten zu beruhen, in Frage. Ein kontextualisierter Rechtsansatz, welcher die politische Umkämpftheit der Ressource Wasser anerkennt, wird als alternatives Rahmenwerk vorgeschlagen.

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Gabriel Herbas /Ana Esther Ceceña
Mobilisierung und Widerstand gegen Wasserprivatisierung in Cochabamba

In this extensive interview, one of the leaders of the struggles against water privatisation tells what happened in the years 1999 and 2000 in the Bolivean city of Cochabamba. The contract between the multinational Bechtel and the local state was completely secret and backed by a new national law. The article gives insights into the politicising role of experts and their organisation, the enormous popular resistance, the failing strategies of the state, its not fulfilled commitments and repressive politics, and the final victory of the people. In the last section some crucial experiences and ambiguities of horizontal organising are shared.

In diesem ausführlichen Interview berichtet einer der Protagonisten von den Kämpfen gegen Wasserprivatisierung, die in den Jahren 1999 und 2000 in der bolivianischen Stadt Cochabamba stattfanden. Der Vertrag zwischen dem Multi Bechtel und der städtischen Verwaltung war völlig geheim und wurde von einem neuen nationalen assergesetz gestützt. Der Artikel zeichnet die politisierende Rolle von ExpertInnen und ihrer Organisation, den enormen Widerstand der Bevölkerung, die fehlgeschlagenen staatlichen Strategien, die vom Staat nicht erfüllten Zusagen und seine repressiven Politiken sowie den letztendlichen Sieg der Bevölkerung nach. Im letzten Teil geht es um einige zentrale Erfahrungen und Amivalenzen der horizontalen Form der Organisierung.

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Uwe Hoering
Debatten und aktuelle Entwicklungen in der internationalen Wasserpolitik

Since the early 1990s developments in the Water sector as well as in other public services are being dominated by the privatisation paradigm. After tens years of PSP-Policy by international finance institutions like the World Bank, the contribution of private sector companies to reaching the Millennium Development Goals are disappointing. Improvements in service coverage for the poor, investments and efficiency are in most cases lower than promised, while corruption and intransparency continue. I stead of fundamentally rethinking the privatisation strategy and concentrating on alternatives to PSP, international development organisations are trying to widen the involvement of private companies even further by more incentives as well as by opening up new sectors like irrigation and dam building for market and profit oriented development.

Seit den frühen 1990er Jahren dominiert im Wassersektor sowie in anderen Bereichen Öffentlicher Dienstleistungen ein Privatisierungsparadigma. Nach zehn Jahren Implementierung von PSP-Projekten durch die Weltbank zeigt sich, dass der Beitrag des privaten Sektors zur Ereichung der Millenium-Ziele enttäuschend ausfällt. Die Verbesserung der Versorgung der Armen, geleistete Investitionen und die Effizienz der Netze bleiben in den meisten Fällen hinter den Erwartungen zurück, während Korruption und Intransparenz sich fortsetzen. Anstelle eines grundsätzlichen Überdenkens der Privatisierungsstrategien und der Entwicklung von alternativen Ansätzen, zeigt sich, dass internationale Entwicklungsorganisationen ihr Engagement in PSP-Projekte eher ausweiten: indem sie Anreize für den privaten Sektor schaffen sowie indem sie neue Wassersektoren wie Bewässerung und Staudammbau für den Markt erschließen.

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