JEP 2/2004
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Ausgabe 2004/2:
Gender & Peacebuilding.
Frauen und Geschlechterverhältnisse in Post-Conflict-Situationen



Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Petra Purkarthofer

Einleitung

Im Rahmen der Frauen- und Geschlechterforschung entstanden zahlreiche Studien zur Situation von Frauen in Kriegszeiten. Viel seltener jedoch wurde die Situation von Frauen und die Veränderung von Geschlechterverhältnissen nach der offiziellen Beendigung von militärischen Auseinandersetzungen in den Blick genommen. Eine der Schlüsselfragen dabei ist jene nach einer funktionierenden Demokratie - der Abbau hierarchischer Geschlechterverhältnisse und die Gleichstellung von Mann und Frau werden hierbei nicht als Ziele genannt. Fragen nach der Beteiligung von Frauen am demokratischen Prozess oder nach den sozioökonomischen Voraussetzungen, unter denen sie ihre staatsbürgerlichen Rechte verwirklichen können, bleiben aus. Dieses Heft möchte einen Beitrag leisten, um diese Lücke zu schließen.

Inhalt


Editorial
Volltext

Petra Purkarthofer:
Geschlechterverhältnisse zwischen Krieg und Frieden: Post-Conflict-Settings und die Peacebuilding-Arbeit der Vereinten Nationen
Abstract

Anette Lyth:
The Impact of International Peace Building on Gender Roles in Kosovo
Abstract

Ilja Luciak:
After the Peace Accords:

Gender and Democracy in Guatemala
Abstract

Petra Purkarthofer:
Parteienspektrum in Guatemala

Maria Stückler:
Spekulation als mögliche Ursache exzessiver Preisschwankungen auf Rohstoffmärkten
Abstract


Editorial

Im Rahmen der Frauen- und Geschlechterforschung entstanden zahlreiche Studien zur Situation von Frauen in geopolitischen Konfliktsituationen und der Veränderung von Geschlechterverhältnissen in Kriegszeiten. Viel seltener jedoch wurde die Situation von Frauen und die Veränderung von Geschlechterverhältnissen nach der offiziellen Beendigung von militärischen Auseinandersetzungen in den Blick genommen. Bisherige Analysen dieser sogenannten post-conflict Peacebuildingphasen identifizieren die notwendigen Voraussetzungen für die Transformation von Kriegs- zur Friedenszeiten. Eine der Schlüsselfragen dabei ist jene nach einer funktionierenden Demokratie - der Abbau hierarchischer Geschlechterverhältnisse und die Gleichstellung von Mann und Frau werden allerdings hierbei nicht als Ziele genannt. Fragen nach der Beteiligung von Frauen am demokratischen Prozess oder nach den sozioökonomischen Voraussetzungen, unter denen sie ihre staatsbürgerlichen Rechte effektiv verwirklichen können, bleiben aus. Dieses Heft möchte einen Beitrag leisten, um diese Lücke zu schließen.

In vielen Kriegssituationen mussten Forderungen nach der Emanzipation der Frau und der Gleichstellung der Geschlechter hinter dem Ziel der nationalen Befreiung, der Sezession oder des Regimewechsels zurückstehen. Dennoch weisen zahlreiche Studien darauf hin, dass sich geschlechtsspezifische Rollenmuster häufig während eines Krieges verändern. Kaum hingegen ändern sich aber die Hierarchien zwischen den Geschlechtern oder der bestehende Sexismus in einer Gesellschaft, was sich auch am Tatbestand der (Massen-)Vergewaltigungen in Kriegen ablesen lässt. Deshalb führen Veränderungen in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung während des Krieges auch nicht automatisch zu einer Verbesserung der Situation von Frauen in der post-conflict Peacebuildingphase. Ob Gleichstellung in dieser Phase ein Thema wird, hängt bereits von den Friedensverhandlungen und den AkteurInnen und Zielen des Transformationprozesses ab. Es sind die Verhandlungsphase und die post-conflict Peacebuildingphase, in denen der Zugang zu Macht und Ressourcen neu verteilt wird.

Der Einführungsartikel von Petra Purkarthofer skizziert, welche Dimensionen für eine Analyse der post-conflict Peacebuildingphase aus der Genderperspektive relevant erscheinen. Weiters werden die Resolution 1325 (2000) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und ihre Folgen für die konkrete Arbeit der Friedensmissionen diskutiert. Abschließend bietet der Artikel einen Überblick über das derzeit viel diskutierte Konzept des Gender Mainstreamings und seine Bedeutung für die Friedensmissionen. Annette Lyth liefert eine systematische Analyse der Arbeit der UNMIK (United Nations Mission in Kosovo) in den ersten Jahren ihres Bestehens. In diesem Fallbeispiel wird untersucht, ob die entwickelten Strukturen der Friedensmission, wie die Einsetzung einer Gender Unit und die gesetzten Maßnahmen, dem Ziel der Gleichstellung förderlich waren. Wie auch aus diesem Beispiel deutlich hervorgeht, ist es besonders schwierig, Sensibilität für Genderfragen in der post-conflict Peacebuildingphase zu wecken, wenn nicht bereits in den Friedensverhandlungen Fragen der Gleichstellung auf der Agenda standen und Frauen in den Diskussionsprozess integriert waren. Der Artikel von Ilja Luciak veranschaulicht, dass selbst in Situationen, in denen Genderthemen in den Friedensverträgen integriert wurden, noch keine Garantie für deren Umsetzung besteht. Das Konfliktbeispiel Guatemala zeigt deutlich, wie die Umsetzung von Friedensprozessen von einer kleinen politischen Elite verhindert werden kann und dass formal legitime Wahlprozesse noch keine funktionierende Demokratie machen. Luciak untersucht den Transformationsprozess der ehemaligen Guerillaorganisation URNG (Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca) zu einer politischen Partei aus der Genderperspektive. Ein Kapitel seines Artikels widmet sich der Beteiligung von Frauen an den letzten Wahlen 2003.

In den beiden Fallbeispielen wird ersichtlich, wie sehr die Ausformung von Geschlechterverhältnissen vom historischen, politischen, sozialen und ökonomischen Kontext abhängt. Auch politische Strategien der Gleichstellung müssen diesem Rechnung tragen. Universell gültige Patentrezepte sind aufgrund der unterschiedlichen Positionen zwischen und innerhalb der Frauenbewegungen nicht erwünscht. Die Beispiele verdeutlichen aber auch, dass ohne Thematisierung von Geschlechterhierarchien, der status quo der Vorkriegszeit, Diskriminierung, Marginalisierung und Unterdrückung von Frauen, in Politik und Alltag fortbestehen. Vergleichende Genderstudien der post-conflict Peacebuildingphasen könnten hier notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung von Gleichstellungsstrategien aufzeigen und positive Erfahrungen oder Mängel bei der Umsetzung identifizieren.

Petra Purkarthofer, Schwerpunktredakteurin

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Abstracts

Petra Purkarthofer:
Geschlechterverhältnisse zwischen Krieg und Frieden:
Post-Conflict-Settings und die Peacebuilding-Arbeit der Vereinten Nationen

Der Artikel untersucht, welche Aspekte und Dimensionen ins Zentrum rücken, wird die Phase des post-conflict Peacebuilding aus einer Genderperspektive analysiert. Im Folgenden wird die Diskussion um Gender und Peacebuilding der letzten Jahre nachgezeichnet und die Einflussfaktoren identifiziert, die zu größerer Gendersensibilität in der internationalen Peacebuildingarbeit der Vereinten Nationen beigetragen haben. Der letzte Teil beschäftigt sich mit dem Instrument des Gender Mainstreaming. Es zeigt sich, dass dieses Instrument ohne Kurskorrektur in Gefahr steht, zu einem Vehikel der Verflachung bzw. des Rückschritts in der Gleichstellungspolitik zu werden.

The article analyses which aspects and dimensions will become pivotal if we discuss post-conflict peacebuilding from a gender perspective. The following section gives an overview over the discussion on gender and peacebuilding during the last years and identifies the main factors that led to greater gender sensitivity in international peacebuilding, especially in the United Nations. The last chapter concentrates on gender mainstreaming. It shows that, without any future change, gender mainstreaming risks becoming a setback in the effort to pursue gender equality.

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Anette Lyth:
The Impact of International Peace Building on Gender Roles in Kosovo

The aim of this article is to examine how and to which degree the United Nations, as the main actor in post-conflict Kosovo, was able to gender mainstream the reconstruction and to enhance gender equality in line with a number of its own standards. Many of the gender mechanisms in the UNMIK were based on an approach of structural or static solutions to a problem of dynamics and policy, e.g. specialised gender focal points and gender units. However, what appeared to be a gender sensitive approach often had the consequence of marginalising women into "special programs" outside of "standard" programs.

Ziel dieses Artikels ist zu untersuchen, inwieweit die Vereinten Nationen als hauptsächlicher Akteur in post-conflict Kosovo den Wiederaufbau aus einer Genderperspektive organisierten und gender equality und eine Reihe anderer eigener Standards stärkten. Viele der Gendermechanismen in der UNMIK basierten auf einer strukturellen oder statischen Annäherung an ein dynamisches, politisches Problem, zum Beispiel mit spezialisierten Gender Focal Points und Gender Units.

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Ilja Luciak:
After the Peace Accords:
Gender and Democracy in Guatemala

This article examines the state of post-war Guatemala, with a focus on gender and democracy. I argue that real, substantive democracy requires the full incorporation of women into the political process, both at the party and societal level. I maintain that a gendered analysis of democratization is essential in order to obtain a meaningful picture of the social and political reality confronting societies in transition toward more democratic forms of government. I focus on the transformation of the Guatemalan guerrilla movement into a political party and discuss political participation in the wake of the accords. The analysis from a gender perspective shows that the Guatemalan accords have yet to be fully implemented. This situation requires a renewed societal mobilization in favor of structural change.

Dieser Artikel untersucht Gender und Demokratie in Nachkriegs-Guatemala. Ich argumentiere, dass wirkliche, substanzielle Demokratie die vollständige Integration der Frauen in den politischen Prozess erfordert, sowohl auf der Parteien- als auch der gesellschaftlichen Ebene. Demokratisierung aus der Genderperspektive zu untersuchen, ist wesentlich, um ein umfassendes Bild von der sozialen und politischen Realität zu erhalten, denen sich Transitionsgesellschaften am Weg zu demokratischeren Formen des Regierens gegenüber sehen. Ich konzentriere mich auf den Transformationsprozess der guatemaltekischen Guerilla in eine politische Partei und diskutiere politische Partizipation nach den Friedensverträgen (im Rahmen der Friedensverträge?). Eine Analyse aus der Genderperspektive zeigt, dass die guatemaltekischen Friedensverträge noch gänzlich umzusetzen sind. Die Situation erfordert eine neue gesellschaftliche Mobilisierung für strukturellen Wandel.

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Maria Stückler:
Spekulation als mögliche Ursache exzessiver Preisschwankungen auf Rohstoffmärkten

Rohstoffe dominieren nach wie vor die Exporte nicht weniger Entwicklungsländer. Da ihre Preise signifikant volatiler sind als jene von Fertigwaren, stellen die damit einhergehenden instabilen Erlöse vielfach ein ernstes Entwicklungshindernis dar. Spekulation wirkt einem Friedman zugeschriebenen Theorem zufolge im Allgemeinen stabilisierend. Tatsächlich kann aber auch gewinnbringende Spekulation mit Destabilisierung einher gehen - auf Rohstoffmärkten sogar aus mehreren Gründen: Zum einen, weil es selbst bei temporaler Unabhängigkeit trotz spekulativer Gewinne zu einer Destabilisierung kommen kann, es sei denn die nichtspekulative Überschussnachfrage wäre linear oder die spekulativen Transaktionen bestünden aus einem einzigen Kauf-Verkaufspaar. Und zum anderen weil sich - infolge der auf Rohstoffmärkten üblicherweise herrschenden temporalen Abhängigkeit - darüber hinaus unter bestimmten Bedingungen sogar spekulative Gewinne durch Destabilisierung erzielen ließen. Die exzessive Instabilität der Rohstoffpreise mag also durchaus teilweise spekulationsbedingt sein.

The exports of quite a number of developing countries are still dominated by raw materials. Commodity prices are significantly more volatile than prices of industrial products, which is often regarded as having unfavourable effects on development. Speculation can only be stabilising if prices without speculation are volatile. As can be shown however, profitable speculation on commodity markets can be destabilizing for several reasons: Even under the assumption of temporal independence, speculation on commodity markets can have a destabilizing effect despite being profitable, unless the non-speculative excess demand is linear or speculation is limited to a single purchase-sale couple. (But the reverse implication does not hold: speculation can be stabilizing despite being unprofitable.) Moreover, it is precisely because of temporal interdependence on commodity markets that speculative profits could even be achieved by destabilizing (stabile) prices. The extreme volatility of commodity prices therefore may be partly caused by (profitable) speculation as well.

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