JEP 3/2005
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Ausgabe 2005/3:
Recht auf Nahrung


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Ralf Leonhard

Einleitung

Diese Ausgabe widmet sich einem fundamentalen Menschenrecht: dem "Recht auf Nahrung". Dieses wid täglich verletzt, obwohl es in internationalen Konventionen und vielen nationalen Verfassungen verankert ist und die Beseitigung von Hunger und Armut eines der zentralen Milleniumsziele der Vereinten Nationen ist.
Es geht um den Zugang zu Nahrung, nicht in erster Linie um Ernährungsprogramme. Das bedeutet Zugang zu Land für Bauern, Zugang zu Fischgründen für Fischervölker, sowie ausreichendes Einkommen für jene, die auf Lohnarbeit angewiesen sind.
An Beispielen aus verschiedenen Ländern wird anschaulich, wie das Recht auf Nahrung verletzt wird und was dagegen unternommen werden kann. Der Menschenrechtsaspekt in der Entwicklungspolitik wird dabei ebenso thematisiert wie die Auswirkungen des Wirtschaftsliberalismus auf Landwirtschaft und Ernährungssituation.


Inhalt

Ralf Leonhard
Editorial


Sophia Murphy
Food Security
What Is It and How Can Governments and Communities Achieve it?

Abstract

Rolf Künnemann
Rahmengesetzgebung zum Menschenrecht auf Nahrung - Vorschläge und Kriterien für die weltweite Durchsetzung des Rechts auf Nahrung
Abstract

Ulla Ebner
Vom göttlichen Korn zur kommerziellen Handelsware
Die Kommodifizierung von Reissaatgut am Beispiel Philippinen
Abstract

Charles Walaga und Michael Hauser
Achieving household food security through organic agriculture?
Lessons from Uganda.

Abstract

Devinder Sharma
Challenges before Indian Agriculture
Agriculture, Food Security and Hunger

Abstract

 

Abstracts

Sophia Murphy
FOOD SECURITY:
What Is It and How Can Governments and Communities Achieve It?


Der Beitrag bietet eine Einführung in das Konzept der Nahrungssicherheit und beleuchtet unterschiedliche Strategien, diese zu erreichen. Zu Beginn werden die grundlegenden Elemente von Nahrungssicherheit (Angebot, Verteilung und Zugang) beschrieben. Daran anschließend werden verschiedene Strategien analysiert: die Festschreibung des Rechts auf Nahrung als Menschenrecht; das Konzept der Selbstversorgung mit Nahrung aus eigenen (nationalen) Ressourcen, Handelsliberalisierung sowie das jüngste Konzept der Nahrungsmittelsouveränität, bei dem nationale Entscheidungsmacht betont wird, ohne internationalen Handel zu negieren. Als letztes wird der Ansatz vorgestellt, der auf nachhaltige und multifunktionale Landwirtschaft zur Sicherstellung der Nahrungssicherheit fokussiert.

This paper offers a brief introduction to the concept of food security and ways to achieve it. Firstly, the core elements of food security - supply, distribution and access - are reviewed. Secondly, several different strategies that have been tried to realize the objective of food security, are introduced: the declaration of the right to food as a fundamental human right; the attempt to provide all of a country's food entirely from domestic resources for food self-sufficiency; liberalizing and privatizing economic exchanges to give consumers access to an international food supply; and, more recently, either putting the emphasis on national decision-making without closing the possibility of international trade - a strategy known as food sovereignty; or, looking to build an approach to agriculture that focuses on environmental needs and constraints together with meeting food supply needs, referred to as Multifunctional Agriculture. The paper explains the fundamental elements of food security and the various strategies for its realization.

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Rolf Künnemann
RAHMENGESETZGEBUNG ZUM MENSCHENRECHT AUF NAHRUNG -
Vorschläge und Kriterien für die weltweite Durchsetzung des Rechts auf Nahrung


Das Menschenrecht auf Nahrung wurde in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene verstärkt konzeptionell ausgebaut - vor allem durch den Rechtskommentar der Vereinten Nationen von 1999 und die Leitlinien der FAO zum Recht auf Nahrung vom November 2004. Der Rechtskommentar der Vereinten Nationen sieht die Mitgliedsstaaten des Internationalen Sozialpakts in der Pflicht, eine entsprechende nationale Rahmengesetzgebung zu verabschieden. Die vorliegende Arbeit beschreibt das Ziel und den Prozess der nationalen Rahmengesetzgebung und macht Vorschläge für Kriterien zur internationalen Begleitung solcher Prozesse. Weiterhin befasst sich die Arbeit mit Problembereichen der Wirtschafts- und Agrarpolitik sowie der Sozialpolitik, die in eine solche Rahmengesetzgebung und deren internationale Begleitung einbezogen werden müssten.

In recent years the human right to food has been conceptually strengthened on an international level - mainly through the 1999 UN General Comment and through the 2004 FAO Guidelines on the Right to Food. General Comment 12 of the UN Committee on Economic, Social and Cultural Rights sees the states parties of the respective Covenant under an obligation to introduce a national framework law. The article describes the goals and the process of national framework legislation and proposes criteria for international co-operation in such processes. Moreover the article deals with problem areas in economic and agrarian policies as well as social policies which need to be addressed by such framework legislation and by the respective international co-operation.

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Ulla Ebner
VOM GÖTTLICHEN KORN ZUR KOMMERZIELLEN HANDELSWARE -
Die Kommodifizierung von Reissaatgut am Beispiel Philippinen

Der vorliegende Artikel widmet sich der Frage, inwiefern sich die grundlegenden strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft seit der Einführung der sogenannten "Grünen Revolution" auf die Rolle von Saatgut bzw. auf die Beziehung von BäuerInnen zu ihrem Saatgut ausgewirkt haben.
Sie setzt den Transformationsprozess von Saatgut von einem frei zugänglichem, kulturell bedeutendem Gut zu einem Produktionsmittel mit Warencharakter in einen Kontext von Interessenslagen konkreter AkteurInnen, welche an der Umsetzung der Grünen Revolution beteiligt waren und kommt zu dem Schluss, dass dieser Transformationsprozess Resultat von bewusst getroffenen politischen Entscheidungen war, der unter anderem einen Kontrollverlust von ReisbäuerInnen über Entwicklung und Herstellung von Saatgut mit sich brachte.

This article discusses the impact of the structural changes in agriculture caused by the so-called "green revolution" on the role of seeds and the relationship between seeds and peasants.
It sees the process of transformation of seeds from a free accessible good with cultural importance into a commodity, in the context of interests of the different actors responsible for the implementation of the green revolution and comes to the conclusion that this transformation process was the result of political decisions, which caused the peasants to lose control over seed production and development.

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Charles Walaga und Michael Hauser
ACHIEVING HOUSEHOLD FOOD SECURITY THROUGH ORGANIC AGRICULTURE?
Lessons from Uganda


Der organischen Landwirtschaft wurde in der Vergangenheit viel Aufmerksamkeit zuteil. Ein umstrittener Aspekt im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen der ökologischen Landwirtschaft ist jedoch deren Einfluss auf Ernährungssicherung auf Haushaltsebene. Unter Verwendung von Beispielen aus Uganda stellt dieser Artikel die Frage, wie organische Landwirtschaft Ernährungssicherung auf Haushaltsebene zu gewährleisten vermag. In diesem Kontext wird darauf hingewiesen, dass die Nichtverfügbarkeit, der fehlende Zugang und die unrichtige Nutzung von Nahrungsmitteln als Hauptgründe von Ernährungsunsicherheit zu betrachten sind. Auf Basis von fünf Mechanismen und durch Prozesse landwirtschaftlicher Intensivierung, ökonomischer Spezialisierung und sozialer Mobilisierung trägt organische Landwirtschaft zur Linderung von Ernährungsunsicherheiten bei. Wir schlussfolgern, dass die organische Landwirtschaft ausreichend Hebelwirkung zur Erreichung von Ernährungssicherung auf Haushaltsebene hat. Allerdings dürfen diesbezügliche Leistungen nicht als selbstverständlich angesehen werden, da Ernährungsunsicherheiten auf Mikroebene eine ausgeprägte soziale, wirtschaftliche und politische Dimension auf Makroebene haben.

Organic agriculture has received widespread attention in the past. A contested issue in connection with recent developments in organic agriculture, however, is its impact on household food security. By using examples from Uganda, this article asks how organic agriculture is able to achieve household food security. In this context, unavailability, inaccessibility and the improper utilisation of food are suggested as the main causes for food insecurity. Based on five mechanisms, organic agriculture contributes to mitigate food insecurity through processes of agricultural intensification, economic specialisation and social mobilisation. We conclude that organic agriculture has sufficient leverage to achieve food security at the household level. Such achievements, however, cannot always be taken for granted, as food insecurity at the micro level has a distinct social, economical and political dimension at the macro level.

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Devinder Sharma
CHALLENGES BEFORE INDIAN AGRICULTURE
Agriculture, Food Security and Hunger

Dieser Artikel belegt mit anschaulichen Beispielen, dass die sogenannte Grüne Revolution in Ländern wie Indien nicht nur verheerende Folgen für Ökologie und Grundwasser hatte, sondern auch langfristig keine höheren Erträge bringt. Gleichzeitig geraten AgrarproduzentInnen unentrinnbar in Abhängigkeit von großen Agrarkonzernen, die auf jede Krise des Systems mit neuem Technologieeinsatz antworten. Kleinbäuerinnen und -bauern in mehreren indischen Bundesstaaten sehen zunehmend im Selbstmord den einzigen Ausweg aus Existenznot und Überschuldung. Es werden aber nicht nur die Krisenerscheinungen, sondern auch Alternativen aufgezeigt, die sich in einzelnen Regionen bereits bewährt haben. Ihnen ist die Rückbesinnung zu ökologischen Wirtschaftsformen und die Selbsthilfe der Zivilgesellschaft gemeinsam.

This paper proves with descriptive examples that the so-called Green Revolution not only wreaked havoc on the environment and water supply, but in the long run produced no better yields than traditional farming. Farmers have become increasingly dependent on agribusiness which reacts to each crisis with more technology. In several Indian states, a growing number of small farmers see no alternative to suicide in order to escape the debt trap. The author does not limit himself to naming and blaming. He offers a number of alternatives which are already working in different regions. What they have in common is a return to ecological farming methods and the empowerment of civil society.

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