JEP 2/2006
www.mattersburgerkreis.at JEP GEP HSK Entwicklungstagung Kontakt

Ausgabe 2006/2:
Regionale Integration: Tendenzen und Alternativen


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
Newsletter abonnieren:

Schwerpunktredaktion: Joachim Becker, Karen Imhof, Oliver Schwank

Einleitung

Das vorliegende Heft beleuchtet Projekte regionaler Integration, die im Norden wie im Süden an Zahl zugenommen und einen liberalen Schwenk erfahren haben. Konzeptionell lassen sich auf theoretischem Gebiet alternativ Bezüge zu Ricardo und der Neoklassik mit einer starken Verhaftung in der Freihandelsdoktrin einerseits und zu List mit seinem produktiven Fokus andererseits feststellen. Diese theoretischen Wurzeln und ihre Aktualisierung geben einen theoretischen Ausgangspunkt für die normativen Konzeptualisierungen regionaler Integration. Sie erklären allerdings nicht die Richtungswechsel regionaler Integrationsprozesse. Hierfür sind andere polit-ökonomische Ansätze, wie die Regulationstheorie oder die Internationale Politische Ökonomie erforderlich.


Inhalt

Joachim Becker, Karen Imhof, Oliver Schwank
Editorial


Joachim Becker
Metamorphosen der regionalen Integration
Abstract

Oliver Schwank
Regionale Integration und Polarisierung: Die Southern African Development Community
Abstract

Eduardo Gudynas
Von weicher Integration und hartem Handel zu autonomem Regionalismus
Abstract

Ingrid El Masry
Von der Einheit zur Zersplitterung? Die arabische Integration im Spannungsfeld historischer und internationaler Rahmenbedingungen
Abstract

 

Abstracts


Joachim Becker
METAMORPHOSEN DER REGIONALEN INTEGRATION

Der Beitrag untersucht die Metamorphosen von entwicklungs- zu handelszentrierten regionalen Integrationsprojekten im Vergleich von EU, Mercosur und SADCC/SADC. Hierbei stellt er die Kernelemente von Modellen handels- und entwicklungszentrierter kapitalistischer Integration dar und arbeitet Akteure und Strategien der ultraliberalen Transformation von Integrationsprojekten in Zentrum, Semiperipherie und Peripherie heraus. Die Transformation hat zu einer Krise und zu inneren Kohäsionsproblemen der regionalen Bündnisse geführt. Abschließend wird die Frage nach möglichen Alternativen gestellt.

The article analyses the metamorphoses from development-centred to trade-centred approaches to regional integration comparing EU, Mercosur and SADCC/SADC. It outlines the core elements of models of trade-centred and development-centred capitalist integration. It identifies the actors and strategies of the ultraliberal transformation of integration project in the centre, the semi-periphery and the periphery. It concludes that this form of transformation has resulted in a crisis and problems of internal cohesion of the regional blocs. Finally, it discusses the question of possible alternatives.

nach oben


Oliver Schwank
REGIONALE INTEGRATION UND POLARISIERUNG:
Die Southern African Development Community


Das Südliche Afrika ist historisch bedingt eine extrem polarisierte Region, in der ein industrialisiertes Zentrum - Südafrika - einer unterentwickelten Peripherie gegenüber steht. Die Southern African Development Community (SADC), ursprünglich von Südafrikas Nachbarn gegründet und gegen die Dominanz des Apartheid-Regimes gerichtet, versucht seit den 1990er Jahren, durch eine Politik der Marktintegration und Handelsliberalisierung Entwicklung und Wirtschaftswachstum für alle Staaten in der Region zu fördern. Damit folgt sie zum einen dem internationalen Trend zu regionalen Freihandelsblöcken, und trägt zum anderen den nach Ende der Apartheid geänderten regionalpolitischen Rahmenbedingungen Rechnung. Mit Rückgriff auf Erkenntnisse der New Economic Geography versucht der Artikel zu zeigen, dass Handelsliberalisierung allein jedoch nicht zur Erreichung der Ziele der SADC führen wird, sondern vielmehr die Gefahr einer weiteren Polarisierung der Region und Marginalisierung Südafrikas Nachbarländer birgt.

Southern Africa is an extremely polarized region consisting of an industrialized centre (South Africa) and an underdeveloped periphery. The Southern African Development Community (SADC), which was originally founded by South Africa's neighbours to address dominance by the Apartheid-Regime, tries to contribute to development and economic growth for all states of the region by following a policy of market integration and trade liberalization. It does so due to both the international current of regional trade liberalization and the radically altered regional political setting that came with the end of apartheid. The article tries to show that SADC is bound to fail in its objectives if its strategy is confined to trade liberalization. Following arguments stemming from the 'New Economic Geography', it is argued that liberalized trade alone will rather increase polarisation in the region and further marginalize South Africa 's neighbours.

nach oben


Eduardo Gudynas
VON WEICHER INTEGRATION UND HARTEM HANDEL ZU AUTONOMEM REGIONALISMUS

Der Pro-Integrationsdiskurs hat in Lateinamerika jüngst deutlich an Bedeutung gewonnen. Doch sind die realen Integrationsfortschritte sehr begrenzt. Viele der Begrenzungen rühren aus der neoliberalen Transformation der letzten drei Jahrzehnte her. Diese sind auch Hindernisse für die Entwicklung und Durchsetzung von Alternativkonzeptionen. Als eine solche Alternative wird das Konzept des autonomen Regionalismus vorgestellt.

The pro-integration discourse recently has gained considerable ground in Latin America . Nevertheless, real progress is limited. Many of these limitations originate from the neo-liberal transformation of the last three decade. They are important obstacles to the development of alternative approaches to integration. As an alternative to mainstream approaches to regional integration the concept of autonomous regionalism is presented.

nach oben


Ingrid El Masry
VON DER EINHEIT ZUR ZERSPLITTERUNG?
Die arabische Integration im Spannungsfeld historischer und internationaler Rahmenbedingungen


Die vergleichende Integrationsforschung legt nahe, dass Prozesse regionaler Integration in der Peripherie anderen Herausforderungen und Triebkräften unterliegen als solche des industrialisierten Nordens. Der Beitrag beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit der Frage, warum es die integrative Ideologie des in westlicher Perspektive so genannten Panarabismus gegeben hat und hinterfragt seine Logik aus der Perspektive arabischer Denker selbst. Der Arabische Nationalismus wird in seinen wichtigsten Entwicklungsetappen im Kontext seiner historischen Herausforderungen und internationalen Rahmenbedingungen untersucht. Die abschließende Betrachtung beschäftigt sich mit zentralen Dimensionen post-kolonialer arabischer Integrationsprozesse im Kontext einer vergleichenden systemanalytischen Perspektive arabischer Staaten.

The research of comparative regional integration implies that processes of regional integration in peripheral regions work under different challenges and conditions than these of the industrialized north. Against this background the article discusses the question why the integrative ideology of in western perspective so called 'pan-arabism' developed und asks for the logic of the term itself out of the perspective of Arab thinkers themselves. Arab nationalism is analyzed in its most important phases in the context of its historical challenges and international conditions. Finally central dimensions of post-colonial Arab integration processes are discussed in the context of a comparative analysis of Arab political systems.

nach oben