JEP 3/2006
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Ausgabe 2006/3:
Konflikttransformation und Friedensprozesse


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Wilfried Graf, Gudrun Kramer

Einleitung

Die aktuelle Ausgabe „Konflikttransformation und Friedensprozesse“ geht auf bisherige internationale Forschungen ein, die zeigen, dass Bemühungen um Kriegsbeendigung und Friedensentwicklung mehr anstreben müssen als den bloßen Zustand von „Nicht-Krieg“. Es bedarf von Anfang an einer „nachhaltigen“ Konflikttransformation, demokratischer Partizipation und sozialen Ausgleichs sowie einer konkreten (sinnlichen) Friedenserfahrung aller Beteiligten. Nur so sind eine über den Waffenstillstand hinausreichende Bewältigung von Kriegsfolgen sowie eine konstruktive Gestaltung von Nachkriegszeiten und die Konsolidierung von Friedensprozessen möglich.
Das Erkenntnisinteresse der hier vorgelegten Beiträge geht in besonderem Maße auf interkulturelle, sozialanthropologische und politisch-psychologische Dimensionen ein.


Inhalt

Wilfried Graf/Gudrun Kramer
Editorial


Thania Paffenholz
Peacebuilding: A Task for Development Cooperation
Abstract

Alejandro Bendana
Peacebuilding and Neoliberalism: Will Foreign Dictated State-Building prevail?
Abstract

Wilfried Graf/Gudrun Kramer/Augustin Nicolescou
Conflict Transformation through Dialogue:
From Lederach`s Rediscovery of the Freire Method to Galtung`s "Transcend" Approach
Abstract

Lioba Lenhart
Der Krieg im Norden Ugandas:
Konfliktdimensionen und Friedenspotenziale

Abstract

Reiner Meyer
Der Israelisch-Palästinensische Konflikt:
Die verpasste Chance zur Versöhnung durch den Oslo-Friedensprozess

Abstract

 

Abstracts


Thania Paffenholz
PEACEBUILDING:
A Task for Development Cooperation

Der Artikel gibt einen Überblick darüber, welche Beiträge Akteure der Entwicklungszusammenarbeit zum Peacebuilding leisten können. Die Einbeziehung der EZA in den Peacebuilding-Diskurs begann erst nach der Ruandakrise 1994. Der Artikel analysiert verschiedene Beiträge der EZA zu
Peacebuilding-Prozessen sowohl auf der makropolitischen als auch auf der operationalen Ebene, auf der klassische EZA-Programme und Projekte zum Frieden beitragen und auf der neue Programme und Projekte entwickelt werden können, die direkt auf das Ziel Peacebuilding ausgerichtet sind.

The objective of this article is to give an overview of the contribution development actors can give in support of peacebuilding. The involvement of the development community into the peacebuilding discourse started mainly in the aftermath of the Rwandan crisis of 1994. The article looks at the different contributions of development to peacebuilding on the macro political and development sector level as well as on the operational level where traditional development programmes and projects can contribute to peace through the way they are working and through the support for new types of programmes and projects that are directly related to the objective peacebuilding’.

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Alejandro Bendana
PEACEBUILDING AND NEOLIBERALISM:
Will Foreign Dictated State Building prevail?


Der Artikel stellt die These auf, dass Peacebuilding einen funktionierenden Rechtsstaat oder zumindest die vollständige Implementierung eines Friedensabkommens, das auch die strukturellen Konfliktursachen berücksichtigt, voraussetzt. Der Autor argumentiert, dass die globale ökonomische Ordnung diese Grundvoraussetzung oft nicht zulässt. Mit Hilfe sogenannter humanitärer Interventionen wurde in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre das Konzept des Peace Enforcement durch Peacebuilding abgelöst. Dies führte aber gleichzeitig zu einer Ausbreitung der neoliberalen Doktrin unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung.

The key message of this article is that peacebuilding requires a functioning State committed to justice, or at least the full implementation of a peace agreement, addressing also the structural root causes of conflict. The author argues that often the international economic order undermines this possibility. With the so-called humanitarian interventions in the second half of the 1990’s the concept of peacebuilding substituted peace-enforcement from above. This development led the foundation to extend the neoliberal economic doctrine worldwide under the cover of a war against terrorism.

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Wilfried Graf/Gudrun Kramer/Augustin Nicolescou:
CONFLICT TRANSFORMATION THROUGH DIALOGUE:
From Lederach's Rediscovery of the Freire Method to Galtung's "Transcend" Approach


Der erste Teil dieses Artikels evaluiert kritisch die Entwicklungen und Defizite von Konfliktbearbeitung und Friedensentwicklung. Der Artikel bezieht sich dafür hauptsächlich auf die Forschung von John Paul Lederach und seine Wiederentdeckung des Werkes von Paulo Freire, das einen kritischen Ansatz zu Konfliktbearbeitung auf der Basis von Dialog ermöglicht. Der zweite Teil gibt einen Überblick über das Transcend Verfahren von Johan Galtung, ein integratives Verfahren für Konfliktbearbeitung und Friedensentwicklung, das ebenfalls auf Dialog fokussiert und versucht, die aufgezeigten Defizite in Konfliktbearbeitung und Friedensentwicklung auf der Grundlage einer umfassenden Philosophie, Theorie und Praxeologie zu überwinden.

The first part of this article offers a critical evaluation of the field’s development and the deficits which can be observed, referring in particular to the research of John Paul Lederach and his rediscovery of Paulo Freire’s work for a critical approach of conflict transformation based on dialogue. The second part gives an overview of Johan Galtung’s ‘Transcend’ approach. Focused also on dialogue, it aims to overcome the mentioned deficits in conflict transformation and peacebuilding on the basis of a comprehensive philosophy, theory and praxeology.

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Lioba Lenhart
DER KRIEG IM NORDEN UGANDAS:
Konfliktdimensionen und Friedenspotenziale

In Nord-Uganda herrscht seit nunmehr 20 Jahren Bürgerkrieg. Die gewaltsame Konfliktaustragung zwischen der Lord’s Resistance Army (LRA) und der ugandischen Regierung und Armee hat 1,6 Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen gemacht und ist von schweren Menschenrechtsverletzungen begleitet. In diesem Beitrag wird den Fragen nachgegangen, warum dieser Konflikt bisher nicht gelöst wurde und welche Faktoren zur Friedensentwicklung beitragen können. Der Beschreibung der gegenwärtigen Konfliktdynamik sowie der Betrachtung der Beziehungen zwischen den Konflikt- und Friedensakteuren und ihrer Positionen, Interessen und Bedürfnisse folgt die Erörterung der strukturellen Bedingungen und kulturellen Muster, die dem Konflikt zugrunde liegen und seine Lösung erschweren. Anschließend werden die Friedenspotenziale fokussiert und die Vision einer idealen Situation skizziert, die eintreten könnte, wenn wesentliche Konfliktursachen erfolgreich bearbeitet worden sind. Der Vergleich der Realität mit dem als ideal antizipierten Zustand macht die Defizite sowie die Erfordernisse für eine erfolgreiche Konfliktbearbeitung und den Friedensaufbau deutlich.

In Uganda a violent internal war has been ravaging the northern region for the past twenty years. This armed conflict between the Lord’s Resistance Army (LRA) on the one side and the government of Uganda and the Ugandan army respectively on the other side has displaced 1.6 million people and given rise to severe human rights violations. This article describes the current conflict dynamics, examines the relations between the main conflict and peace actors and their positions, interests and needs, and discusses the structural causes and cultural patterns that underpin the conflict and impede its resolution. Finally, the existing capacities for peace are emphasised, and the vision of an ideal situation is developed which anticipates that the root causes of the conflict had been met with success. By comparing the reality with this ideal situation, the peace building deficiencies and needs are identified.

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Reiner Meyer
DER ISRAELISCH-PALÄSTINENSISCHE KONFLIKT:
Die verpasste Chance zur Versöhnung durch den Oslo-Friedensprozess


Der Themenkomplex Versöhnung oder reconciliation ist erst in den letzten
Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Konfliktmanagement- und Post-Konflikt-Friedensaufbau-Theorie geworden. Wie die Bearbeitung von Trauma und Versöhnung zielgerecht umgesetzt werden kann, ist bis dato nicht geklärt. Ebenso existieren unterschiedliche Definitionen des Begriffs reconciliation, was die praktische Umsetzung zusätzlich erschwert. Allerdings ist man sich bewusst, dass reconciliation ein wichtiger und notwendiger Bestandteil in der Transformation von einem Konflikt hin zu einem stabilen Frieden ist. Daher bedarf es momentan der Diskussion was darunter zu verstehen sei und wie „Versöhnung“ Eingang in die praktische Konfliktarbeit
und in langfristige EZA-Projekte findet.

The subject ‘reconciliation’ or in German ‘Versöhnung’ has become a component of the conflict management and post-conflict-peace building theory within the last years. Still there has been no clarification until now, how to work with trauma and ‘reconciliation’ as a purposeful way of conflict transformation. Furthermore, there exist several definitions of ‘reconciliation’, which complicates its implementation. Certainly, there is consciousness about ‘reconciliation’ as an important and essential element of conflict transformation towards a stable peace. Therefore the discussion about the meaning and benefit of ‘reconciliation’ is necessary. It also has to be reviewed how to introduce ‘reconciliation’ seriously into the conflict management and development projects.

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