Schwerpunktredaktion: Gerald Faschingeder, Sarah Funk
Diese Ausgabe des JEP ist Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung studentischer JungforscherInnen mit einem Kulturfestival: Kunst wird reflektiert, daher der Titel "Kunst Reflexion".
Dieses JEP-Sonderheft widmet sich der Frage nach dem Potential politischer Kunst zur Kritik und Veränderung gesellschaftspolitischer Verhältnisse und sozialer Realitäten. Anlass dazu ist das österreichweite Kunst- und Kulturfestival Onda Latina (www.onda-latina.at), das im Frühjahr 2006 in ganz Österreich stattfand. Während die Instrumentalisierung von Kunst durch Politik ein historisches Faktum darstellt, das in Anbetracht des häufigen Missbrauchs von Kunst zu Propagandazwecken in autoritären und faschistischen Regimes leider allzu evident ist, scheiden sich über die politische Wirksamkeit von Kunst die Geister. Vermag politische Kunst aktiv auf gesellschaftspolitische Verhältnisse einzuwirken? Ist Kunst eine Kraft zur Kritik sozialer Realitäten und an gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen beteiligt? Oder scheitert Kunst zwangsweise an diesem Anspruch und bleibt eine radikale, aber ohnmächtige Kritik an der Gesellschaft?
Gerald Faschingeder, Sarah Funk
Vorwort
Sarah Funk
Lateinamerika in Österreich. Skizze eines Forschungsvorhabens
Abstract
Sarah Funk
Kunst und Gesellschaft politisch denken
Abstract
Maria Dahlhoff, Bruno Ehler, Andreas Geyer, Reingard Hofer, Johanna Lindner, Kristina Willebrand
Grundzüge in Paulo Freires Werk
Abstract
Sonja Buchberger, Maria Clement
Globales Lernen mit Kindern und Jugendlichen
Abstract
Julia Schlager, Ines Gratzer
Das Phänomen lateinamerikanischer Großstädte
Abstract
Maria Dalhoff, Bruno Ehler, Andreas Geyer, Reingard Hofer, Johanna Lindner, Kristina Willebrand
Onda Freireana 200X?
Abstract
Franz Schmidjell
reviewing Onda Latina
Abstract
Abstracts
Sarah Funk
LATEINAMERIKA IN ÖSTERREICH.
Skizze eines Forschungsvorhaben
Dieser Beitrag führt in das Forschungsprojekt zu Onda Latina ein, das von Studierenden der Internationalen Entwicklung im Sommersemester 2006 durchgeführt wurde, und setzt sich darüber hinaus mit „Lateinamerika“ als solches auseinander. Onda Latina positioniert sich als lateinamerikanisch- karibisches Festival und möchte „lateinamerikanische Kunst“ an ein österreichisches Publikum vermitteln, was eine Reihe grundlegender Problematiken aufwirft. In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Diskursen zu Lateinamerika manifestiert sich die kulturelle, historische, ökonomische und politische Heterogenität des Halbkontinents, der jedoch durch
Zuschreibungen von außen als Einheit konstruiert wird. Ist „Lateinamerika“ nur ein Konstrukt? Das Kunst- und Kulturfestival Onda Latina steht vor der Herausforderung, der Heterogenität und Pluralität des Erdteils gerecht zu werden und sich nicht in stereotypen Generalisierungen zu verlieren.
This article introduces the research project on Onda Latina that was realized by students of International Development in the summer term 2006. Onda Latina is a Latin American-Caribbean Festival that aimes to impart „Latin American art“ to an Austrian audience. This imposes several basic problems that question „Latin America“ as such. Different discourses on Latin America show its cultural, historical, economical and political heterogeneity. Nevertheless Latin America is still designed as entity by external attributions. Is „Latin America“ just a construct? Art & Cultural Festival Onda Latina has to meet the country’s heterogeneity and plurality to avoid stereotype generalisations.
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Sarah Funk
KUNST UND GESELLSCHAFT POLITISCH DENKEN.
Anstöße aus der Theoriendebatte.
In diesem Beitrag werden unterschiedliche Annäherungen an die Frage nach dem politischen Potential von Kunst vorgestellt und diskutiert. Unter Bezugnahme auf verschiedene Theoretiker und Kunstphilosophen des 20. Jahrhunderts und der Anwendung der vorgestellten Theorien auf das konkrete Praxisfeld Onda Latina sollen Kunst und Politik auf ihre Dialektik hin untersucht werden. Ist Kunst eine Kraft zur Kritik der Gesellschaft? Onda Latina situiert sich in einem Spannungsfeld zwischen Markt und Politik, Fremdbestimmung und Autonomie, Warenförmigkeit und Widerständigkeit. Stetige Selbstreflexion und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit diesen Widersprüchen sind notwendig, um die Herausforderungen, die ein Kunst- und Kulturfestival wie Onda Latina mit sich bringt, anzunehmen.
This article discusses different approaches to questions on the political potential of art. In reference to various theorists and the attempt to apply the theories presented on Onda Latina the dialectics of art and politics shall be analyzed. Has art the power to criticize society? Onda Latina is situated within an area of conflict between market and politics, heteronomy and autonomy, commodity character and resistance. Constant self-reflection and the willingness to deal with these contradictions are necessary to cope with challenges being posed by an art & cultural festival like Onda Latina.
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Maria Dahlhoff, Bruno Ehler, Andreas Geyer, Reingard Hofer, Johanna Lindner, Kristiana Willebrand
GRUNDZÜGE IN PAULO FREIRES WERK
Der Beitrag skizziert zunächst Paulo Freires Leben, um im Folgenden auf eines seiner Hauptwerke, Die Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit, einzugehen. Die zentralen Punkte von Freires Konzepts zu Gesellschaft und Bildung werden erläutert.
In the beginning the article outlines Paulo Freire’s life, afterwards it introduces into one of Freire’s mayor works, Pedagogy of the Oppressed. Central points of Freire’s concept about society and education are discussed.
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Sonja Buchberger, Maria Clement
GLOBALES LERNEN MIT KINDERN UND JUGENDLICHEN
Bildung im Sinne Paulo Freires?
In dem Beitrag widmen sich die Autorinnen der Frage, inwieweit die Workshops für Kinder und Jugendliche, die im Rahmen von Onda Latina stattgefunden haben, den politischen und pädagogischen Ansprüchen freireanischer Bildungsarbeit gerecht werden. Nach einer Einführung in unterschiedliche Konzepte des Globalen Lernens vergleichen die Autorinnen diese mit der Pädagogik der Unterdrückten Paulo Freires anhand bestimmter Aspekte, wie etwa der Nahbereichsorientierung oder der Parteilichkeit. In den Reflexionen zu vier besuchten Workshops wird deutlich, dass sich die KünstlerInnen vielfach dem Anspruch Onda Latinas, „reale Lebenswelten“ zu vermitteln, gar nicht bewusst waren.
In the article the authores dedicate themselves to the question, to what extent the workshops for children and young people, who took place in the context of Onda Latina, conform to political and educational requirements of Freires’ educational work. After an introduction to different concepts of global learning the authoresses compare these with Paulo Freires’ Pedagogy of the Oppressed on the basis of certain aspects, as for instance „close range orientation” or the „partyness”. Reflections to four visited Workshops make clear that many of the artists were not at all conscious to Onda Latinas’ requirement to obtain „real environments”.
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Julia Schlager, Ines Gratzer
DAS PHÄNOMEN DER LATEINAMERIKANISCHEN GROSSSTÄDTE:
Über die Vermittlung von Problemen der Urbanisierung in künstlerischen Beiträgen zu Onda Latina
Betrachtet man Mexico City, São Paulo, Buenos Aires oder Rio de Janeiro, die allesamt mindestens zehn Millionen EinwohnerInnen zählen, so kann man davon ausgehen, dass die Probleme rund um Urbanisierung in Lateinamerika kein marginales Phänomen sind. Der Artikel untersucht am Beispiel Urbanisierung und lateinamerikanische Megastädte ein Spektrum der im Rahmen von Onda Latina gezeigten künstlerischen Arbeiten auf ihre reale gesellschaftliche Relevanz hin. Hierzu wurden sie einer Konfrontation mit Paulo Freires Theorie einer Bildung als Praxis der Freiheit unterzogen. Es stellte sich vor allem die Frage, ob Kunst in diesem Zusammenhang eine
breite Bevölkerung erreichen und somit auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zur Bildung eines kritischen Bewusstseins beitragen kann: Ist es Onda Latina mit dem Anspruch auf Darstellung der Vielfalt lateinamerikanischer Lebenswelten auch gelungen, eine Vielfalt österreichischer Lebenswelten zu erreichen?
When one visualizes that Mexico City, São Paulo, Buenos Aires and Rio de Janeiro all have at least ten million inhabitants it becomes clear that the problem with urbanizing Latin America is not a small phenomenon. The research project described in this article dealt with artistic works representing aspects of urbanization and Latin American megacities that were shown at Onda Latina. It seeked to examine the social relevance of these works by confronting them with Paulo Freire’s theory of education as a practice of freedom. The main question posed by the authors is if in this context art is able to reach a wide audience and can contribute to the formation of a critical awareness for these matters on a broad social basis.
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Maria Dahlhoff, Bruno Ehler, Andreas Geyer, Reingard Hofer, Johanna Lindner, Kristina Willebrand
ONDA FREIREANA 200X?
Eine Frage nach der Aktualität Paulo Freires Gesellschaftsbildes in den Strukturen des Kulturfestivals "Onda Latina"
Paulo Freire beschrieb in den 1970ern für Brasilien eine dialektische „Unterdrücker-Unterdrückten-Gesellschaft“, die er von „antidialogischer Aktion“ geprägt sah. Mit einer von mehreren Dimensionen der antidialogischen Aktion (nämlich „Teile und herrsche“) wird in diesem Beitrag die Analyse einiger Veranstaltungen des Kulturfestivals Onda Latina operationalisiert. Dies ermöglichte uns, die Frage zu klären, inwieweit Freires Gesellschaftsbild heute in anderem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang noch Gültigkeit besitzt. Der vorliegende Beitrag beinhaltet sowohl eine konkrete, an Beispielen ausgeführte Analyse des Kulturfestivals, als auch eine darüber hinausgehende, gesellschaftliche und systemische Einordnung der Analyseergebnisse. Parallel werden Verbesserungsvorschläge gemacht, die auf Überlegungen Paulo Freires zu einer anzustrebenden, „dialogisch“ geprägten Gesellschaft fußen.
In the 1970s Paulo Freire described a dialectic society of oppressors and oppressed, using Brazil as his object of study. He saw this kind of society characterized by „antidialogic action“. In this contribution one of the antidialogic action’s dimensions (namely „divide and rule“) is used to operationalize the analysis of a number of events during the cultural festival Onda Latina. This made it possible for us to answer the question, whether Freire’s description of a society is still valid in a temporally and locally different context (today). This essay contains a concrete and example-based analysis of the cultural festival and beyond that a social and systemical contextualisation of the analysis’ results. We paralelly made suggestions on inprovement, which are rooted in Paulo Freire’s thoughts concerning a dialogue-based society worthy to aim at.
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Franz Schmidjell
REVIEWING ONDA LATINA
Der Beitrag vermittelt einen Überblick über das Kunst- und Kulturfestival Onda Latina aus Perspektive eines der VeranstalterInnen. Reflektiert werden die Fragen, wie viel Dialog im Rahmen eines solchen Festivals möglich ist und an welche Grenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit die VeranstalterInnen selbst gestoßen sind.
The article introduces the festival Onda Latina from the perspective of one of its coordinators. The focus lies on the contradictions such an event has to challenge. How much dialogue is possible? What sort of program can possibly be realised between wishes and realities?
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