JEP 2/2007
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Ausgabe 2007/2 - Perspectives on Development Studies


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Karin Fischer, Gerald Hödl

Einleitung

In dieser Ausgabe des JEP wird die wissenschaftliche Beschäftigung mit Entwicklung selbst zum Thema gemacht. International renommierte EntwicklungsforscherInnen präsentieren ihre Sichtweisen auf alte, aber noch immer offene Fragen: Ist Entwicklungsforschung eine wissenschaftliche Disziplin? Was ist ihr Gegenstand? Wie sollte man sich ihm nähern? In welchem Verhältnis steht Entwicklungsforschung zur Entwicklungspraxis?

This issue of JEP focusses on academic approaches to development. Internationally renowned development researchers present their views on old but still unresolved questions: Is Development Studies an academic discipline? What is its subject? How shall we approach it? How does development research relate to development practices?


Inhalt

Karin Fischer, Gerald Hödl
Perspectives on Development Studies: A Short Introduction

Henry Bernstein
The Antinomies of Development Studies
Abstract

Uma Kothari
Geographies and Histories of Development
Abstract

Frans J. Schuurman
Development Studies: Work in Progress
Abstract

Aram Ziai
The Meaning of "Development": A critical Perspective
Abstract

Thomas Lawo, Editha Loeffelholz von Colberg
Development Research: Quo vadis?
Abstract

Adebayo Olukoshi, Francis B. Nyamnjoh
Rethinking African Development: Beyond Impassee, Towards Alternatives
Abstract

Abstracts


Henry Bernstein
THE ANTINOMIES OF DEVELOPMENT STUDIES

Development Studies in universities continues to flourish - and paradoxically so in a period of hegemonic neo-liberalism which seems to subvert key assumptions and commitments on which Development Studies was established as a field of academic attention, not long ago. The paper will examine this and other paradoxes in terms of the underlying tensions that generate them. On one hand, those tensions manifest different kinds of boundary issues: intellectually between Development Studies and the established disciplines (and traditions) on which it draws; practically and politically between the conventions (and conditions) of scholarly inquiry and the demands of agencies that 'do' development (governments, aid donors, various international organisations). On the other hand are issues of how tensions between instrumental and reflexive knowledge (as formulated by Michael Burawoy) are internalised within Development Studies, and with what effects.

Die Entwicklungsforschung an den Universitäten steht nach wie vor hoch im Kurs - und das in Zeiten neoliberaler Hegemonie. Dies ist umso paradoxer, als der Neoliberalismus zentrale Annahmen und Zielsetzungen zu untergraben scheint, mit denen die Entwicklungsforschung auf universitärem Terrain angetreten war. Der Aufsatz widmet sich diesem und anderen Paradoxa und beschäftigt sich dabei mit den zugrundeliegenden Widersprüchen. Einerseits äußern sich diese in Fragen der Abgrenzung: intellektuell zwischen der Entwicklungsforschung und den etablierten Disziplinen (und Traditionen), auf die sie sich stützt; praktisch und politisch zwischen den Konventionen (und Bedingungen) wissenschaftlicher Forschung und den Ansprüchen jener AkteurInnen, die Entwicklung "machen" (Regierungen, Entwicklungshilfegeber, verschiedene internationale Organisationen). Andererseits geht es darum, wie und mit welchen Folgen sich das Spannungsverhältnis zwischen instrumentellem und reflexivem Wissen (wie Michael Burawoy es nannte) innerhalb der Entwicklungsforschung manifestiert.

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Uma Kothari
GEOGRAPHIES AND HISTORIES OF DEVELOPMENT

This paper presents some thoughts on the ambivalences, contradictions and assumptions in Development Studies and raises concerns about how the field writes and rehearses its history and future, and how it identifies its field of study. It foregrounds the problems associated with foundational dichotomies and distinctions within development and examines the constraints, and possible ways forward, for creating a critical space for development to interrogate the ideologies, processes and practices of globalisation and neoliberalism.

Der Aufsatz beschäftigt sich mit den Grundannahmen, Ambivalenzen und Widersprüchen der Entwicklungsforschung und problematisiert dabei ihr Verhältnis zur Vergangenheit und Zukunft, aber auch die Art und Weise, wie sie ihren Wissenschaftsbereich definiert. Besondere Aufmerksamkeit wird jenen Dichotomien und Merkmalen zuteil, die dem Forschungsfeld Entwicklung zugrunde liegen. Außerdem widmet sich der Beitrag der Frage, welchen Hindernissen eine kritische Auseinandersetzung mit den Ideologien, Prozessen und Praktiken der Globalisierung und des Neoliberalismus gegenübersteht und welche Auswege es gibt.

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Frans Schuurman
DEVELOPMENT STUDIES: WORK IN PROGRESS

Since the establishment of Development Studies at several European universities at the end of the 1960s, these institutes evolved from an amalgam of left-inclined students and professors towards representatives of an established academic discipline. The author critically reflects upon the transformations that have taken place over that period. In doing so, he first outlines the foundational characteristics of Development Studies and then gives a subjective account of the current situation. In his view, contemporary Development Studies are challenged by 1) a market logic which has penetrated academia and stands in a contradiction to the critical contents of Development Studies and 2) the material and discursive processes of globalisation which require a shift in analytical perspective, disciplinary approach and methods. When addressing the future perspectives of Development Studies in the concluding part, the author argues for a return to a critical research tradition. Critical theory within Development Studies should incorporate new analytical schemes to analyse the economic, political and socio-cultural realities of globalisation. At the same time, Development Studies should not be afraid to reassert a normative approach. That quest might well take us towards a sort of neo-dependency paradigm.

Die seit Ende der 1960er Jahre an zahlreichen europäischen Universitäten gegründeten Institute für Entwicklungsfragen wurden aus Sammelpunkten zumeist linker StudentInnen und ProfessorInnen zu Repräsentanten einer etablierten akademischen Disziplin. Der Autor geht den Veränderungen nach, die diesen Bereich im Lauf der Zeit geprägt haben. Zu Beginn skizziert er jene grundlegenden Merkmale, die die Anfänge der Entwicklungsforschung prägten. In der gegenwärtigen Situation sieht er das Studien- und Forschungsfeld vor zwei Herausforderungen gestellt: Erstens steht die Marktlogik, die in das akademische Terrain eingedrungen ist, im Widerspruch zum kritischen Gehalt der Entwicklungsforschung; zweitens erfordern die durch die Globalisierung materiell und diskursiv erzeugten Transformationen eine Veränderung der analytischen Perspektive, der disziplinären Herangehensweise und der Methoden. Im abschließenden Teil begibt sich der Autor auf die Suche nach den Zukunftsperspektiven. Eine kritische Entwicklungstheorie muss demnach neue Analysemethoden integrieren, mit denen die wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Realitäten der Globalisierung erfasst werden können. Gleichzeitig sollte Entwicklungsforschung sich auf ihre kritische Tradition besinnen und ihren normativen Anspruch nicht aufgeben. Als Ergebnis dieser Bemühungen könnte so etwas wie ein Neo-Dependenzparadigma entstehen.

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Aram Ziai
THE MEANING OF DEVELOPMENT: A CRITICAL POSTSTRUCTURALIST PERSPECTIVE

'Development' is a term which has been linked to widely diverging meanings. Predominantly, it has broadly referred to a process of positive social change which has been achieved in 'developed' countries and is yet to be achieved in 'developing' countries. A critical perspective on the enterprise of 'development' is necessary in order to situate it within a context of political, economic and cultural power relations, but this perspective lacks awareness of its own contingency. A poststructuralist perspective is useful to trace the links between signifier and signified in 'development', and to denaturalise the concept, but lacks political commitment. Consequently, a synthesis of these perspectives is needed to analyse 'development' in a way that is both theoretically adequate and politically meaningful.

"Entwicklung" ist ein Begriff, der mit äußerst unterschiedlichen Bedeutungsinhalten verbunden ist. Vorwiegend wird darunter der Prozess eines positiven sozialen Wandels verstanden, der in den "entwickelten" Ländern erreicht und von "Entwicklungsländern" noch nicht erreicht wurde. Eine kritische Perspektive analysiert zwar das "Unternehmen Entwicklung" im Kontext politischer, wirtschaftlicher und kultureller Machtverhältnisse, lässt aber Aufmerksamkeit gegenüber ihrer eigenen Kontingenz vermissen. Eine poststrukturalistische Perspektive ist sinnvoll, um die Verbindungen zwischen dem Bezeichnenden (Signifikant) und dem Bezeichneten (Signifikat) aufzuzeigen und das Konzept zu entnaturalisieren - allerdings fehlen politische Aussagen und Festlegungen. Der Autor plädiert für eine Synthese dieser beiden Ansätze, um "Entwicklung" auf eine Weise zu analysieren, die theoretisch angemessen und zugleich politisch aussagekräftig ist.

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Thomas Lawo, Editha Loeffelholz von Colberg
DEVELOPMENT RESEARCH: QUO VADIS?

This article provides an overview of past and present debates relating to the essential terms and role of development research. It starts by briefly exploring the paradigm shifts in (research on) international relations from post-colonial area studies and the evolution of development research from the second half of the twentieth century until today. It considers their interrelationship and links to various past and newly emerging development challenges. The authors argue that global paradigm shifts posed a number of fundamental challenges to development research and the profession had to re-think its role and acquire competencies accordingly. The second part considers how to make development research more relevant for the twentyfirst century. Today, the prospects for development research are much better than usually acknowledged, for a host of different reasons. However, development research needs to develop new ways and strategies in order to address complex inter-related problems in the era of globalization as well as changing donor-recipient relationships. This is even more important since policies regarding the Millennium Development Goals would seem to be insufficient in the future. New threats such as security risks or climate change and the emergence of China and India must be considered carefully.

Der Beitrag gibt einen Überblick über vergangene und gegenwärtige Debatten über die Rolle und Aufgaben von Entwicklungsforschung. Der erste Teil behandelt die Paradigmenwechsel im Forschungsfeld der Internationalen Beziehungen von postkolonialen area studies über die Entstehung der Entwicklungsforschung zur Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute. Diese werden jeweils in Zusammenhang mit den damals bestehenden und aktuellen Entwicklungsproblemen gestellt. Die AutorInnen zeigen auf, dass globale Paradigmenwechsel eine Reihe grundlegender Herausforderungen an die Entwicklungsforschung stellten, die die dort Tätigen veranlassten, ihre Rolle zu überdenken und sich neue Kompetenzen anzueignen. Im zweiten Teil werden Überlegungen darüber angestellt, wie Entwicklungsforschung eine größere Relevanz für das 21. Jahrhundert erlangen kann. Für die AutorInnen sind die Aussichten für Entwicklungsforschung heutzutage aus mehreren Gründen besser als gemeinhin angenommen. Jedoch müssen in der Forschung neue Wege beschritten und neue Strategien entwickelt werden, um den komplexen Problemen der Globalisierung und den geänderten Beziehungen zwischen GeberInnen und NehmerInnen gerecht zu werden. Dies ist umso wichtiger, als sich die Politiken, die zur Erreichung der Millennium Entwicklungsziele eingesetzt werden, in Zukunft als unzureichend erweisen werden.

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Adebayo Olukoshi, Francis B. Nyamnjoh
RETHINKING AFRICAN DEVELOPMENT: BEYOND IMPASSE, TOWARDS ALTERNATIVES


The article discusses the role of the developmentalist project within an African context, such project being part both of the national liberation struggles and the descent of most post-colonial states into authoritarianism and economic crisis. Special emphasis is given to the problematic role of Western prescriptions that shaped the fate of the continent - from the modernization approach to the neo liberal orthodoxy. As a consequence, the article calls on African social scientists to find new, independent and imaginative ways of thinking about development.

Der Aufsatz befasst sich mit dem "Projekt Entwicklung" in Afrika, das mit den nationalen Befreiungskämpfen ebenso eng verbunden war wie mit dem Abgleiten der meisten postkolonialen Staaten in Autoritarismus und Wirtschaftskrise. Eine problematische Rolle spielten dabei westliche Rezepte - vom Modernisierungsansatz bis hin zur neoliberalen Orthodoxie. Der Artikel ruft daher afrikanische SozialwissenschaftlerInnen dazu auf, neue, unabhängige und unkonventionelle Entwicklungskonzepte zu erarbeiten.

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