JEP 3/2007
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Ausgabe 2007/3 - Paulo Freire heute


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Gerald Faschingeder, Andreas Novy

Einleitung

Auch wenn das große Interesse an Volksbildung vorbei ist, so ist Paulo Freires Anliegen weiterhin aktuell: Sei es wenn es um die Ökonomisierung der Bildung oder die einseitige Ausrichtung von Bildung an Ausbildungsanforderungen des Profitsektors geht. Wie kann sich emanzipatorische Bildung unter diesen Bedingungen dem Anspruch stellen, Menschen als Subjekte ihres Handelns zu verstehen und sie dazu ermächtigen, ProtagonistInnen ihrer eigenen Geschichte zu werden? Diese Ausgabe des Journals für Entwicklungspolitik beleuchtet wie eine solche andere Bildung aussehen kann, auf die mit alten Konzepten wie jenem der Volksbildung gezielt wurde.


Inhalt

Gerald Faschingeder, Andreas Novy
Paulo Freire heute - Einleitung

Carlos Roberto Winckler, Liege Maria Sitia Fornari, Maria Elly Herz Genro, Rosângela Carraro
Paulo Freire relectured. Entwicklungslinien im Werk des brasilianischen Volksbildners
Abstract

Andreas Novy
Die Welt ist im Werden. Über die Aktualität von Paulo Freire
Abstract

Marta Gregorcic
Die Kunst des Wissens und die Wissenschaft der Bildung. Kulturelles Kapital als Triebkraft gesellschaftlicher Veränderungen
Abstract

Franz Halbartschlager
Volksbildung heute. Eine Rückschau auf das Symposium "Volksbildung heute?"
Abstract

Hans Göttel
Volksbildung - eine Erfolgsgeschichte, die im Hals stecken bleibt
Abstract

Heidi Grobbauer
Globales Lernen - ein Beitrag zu "befreiender" Bildung?
Abstract

Pia Lichtblau
Volksbildung und die Frage nach der Autonomie
Abstract

Abstracts


Gerald Faschingeder, Andreas Novy
Paulo Freire heute - Einleitung



Carlos Roberto Winckler, Liege Maria Sitia Fornari, Maria Elly Herz Genro, Rosângela Carraro
Paulo Freire relectured. Entwicklungslinien im Werk des brasilianischen Volksbildners

Dieser Artikel ist eine Reflexion des Werkes Paulo Freires, organisiert als Erinnerungsarbeit rund um zwei Kernthemen. Zum einen wird mit der Archäologie des Schmerzes und der Hoffnung eine "Zusammenschau" von Freires Klassiker Pädagogik der Unterdrückten und seiner Reflexion dieses Werkes im Buch Pädagogik der Hoffnung systematisch vorangetrieben. Dabei werden Freires Gedanken kontextualisiert, wobei der ideengeschichtliche und politökonomische Kontext der Entstehung der Hauptwerke in den 1960er Jahren mit den späteren Überlegungen verglichen wird. Dabei werden Veränderungen und Kontinuität seines Denkens verdeutlicht. Im zweiten Abschnitt werden mit Kultur, Dialog und Unterdrückung drei Grundkonzepte Freireanischen Denkens dargestellt, die Grundlage emanzipatorischer Bildung und gesellschaftsverändernden Handelns sind.

This article, mirroring the work of Paulo Freire, is organized as a work of remembrance, centring around two key topics. Firstly, based on an archaeology of suffering and hope, the "reunion" of the classical work of Freire called The Pedagogy of the Oppressed and his reflection of this work in his book Pedagogy of Hope proceeds systematically. Freire's ideas are contextualised by comparing the philosophical and politico-economic setting of the Pedagogy of the Oppressed written in the 1960s with his later thoughts. Changes and continuities within his thinking are clarified. Secondly, culture, dialogue and oppression as three key concepts of Freirean thought are presented. They form the base of his emancipatory education and his ideas for transformative agency.

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Andreas Novy
Die Welt ist im Werden. Über die Aktualität von Paulo Freire

Paulo Freire war die herausragendste Persönlichkeit in der brasilianischen Volksbildung und Begründer der Befreiungspädagogik sowie einer Massenbewegung für die Alphabetisierung von Erwachsenen. Sein pädagogischer Zugang basiert auf Bewusstseinsbildung ( conscientização ) und verbindet Handeln mit Reflexion. Dieser Artikel analysiert den Beitrag, den Freires Haltung und Weltanschauung in den Bereichen der Entwicklungsforschung und der Pädagogik leistet. Die Argumentation ist in vier Abschnitte gegliedert: Erstens, die Welt lesen bedeutet eine kritische Herangehensweise an das Verständnis der Realität, basierend auf Dialog, Dialektik und einem kontextualisierten, problem-orientierten Zugang. Zweitens, die Welt schreiben bedeutet, in einer von Herrschaft und Unterdrückung strukturierten Welt zu agieren - was nach einem nicht-dualistischen Ansatz verlangt, der Handeln und Struktur sowie Ethik und Rationalität in dem Bemühen um umfassende Demokratisierung verbindet. Der dritte Abschnitt ist Fallstudien gewidmet, die darauf abzielen, Freires Zugang für das Wien des 21. Jahrhunderts zu kontextualisieren. Der letzte Abschnitt fasst die Argumentation zusammen, mit Schwerpunkt auf ihre Auswirkungen auf die Entwicklungsforschung in den Traditionen von Pierre Bourdieu und Roy Bhaskar.

Paulo Freire was the most outstanding popular educator in Brazil and founder of a proper pedagogy of liberation and a mass movement for adult literacy. His educational approach based on raising consciousness ( conscientização ) links action to reflection. This article analyses the contribution of Freire's stance and world-view to current development studies and education. The following arguments are presented in four sections: Firstly, reading the world is a critical undertaking to understand reality based on dialogue, dialectics, and a contextualized and problem-oriented approach. Secondly, writing the world acts in a world structured by domination and oppression, and so calls for a non-dualistic approach that links agency, structure, ethics, and rationality in an attempt to achieve overall democratisation. Section three is dedicated to case studies which aim at contextualizing Freire's approach for 21st century Vienna . Section four summarizes the argument, focussing on its implications for development studies by mobilising the research traditions introduced by Pierre Bourdieu and Roy Bhaskar.

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Marta Gregorcic
Die Kunst des Wissens und die Wissenschaft der Bildung. Kulturelles Kapital als Triebkraft gesellschaftlicher Veränderungen

Der vorliegende Artikel bietet einen Überblick der Entwicklung "radikaler" und alternativer Bildung in Theorie und Praxis. Er beleuchtet vor allem weitgehend unbekannte TheoretikerInnen und PädagogInnen und versucht, deren Arbeit mit aktuellen praktischen Interventionen von sozialen Gruppen, Kollektiven und Organisationen in Beziehung zu setzen, deren Aktivitäten nie von der Perspektive der Bildung her untersucht wurden. Im ersten Teil wird der politische Kontext der Entstehung moderner Pädagogik durch die Definition der Voraussetzungen von kritischem und schöpferischem Denken erhellt; es folgt eine Skizzierung der wichtigsten AkteurInnen sowie der kollektiven, sozialen Praxen, die in und für die radikale (alternative) Bildung relevant sind. Ein Versuch, jene aktuellen Praxen, die Pädagogik als eine Triebkraft gesellschaftlicher Veränderungen ansehen, mit den explizierten theoretischen alternativen Bildungskonzepten, die über kapitalistische Beziehungen hinausgehen und nach Selbstbestimmung streben, auf Gemeinsamkeiten hin zu untersuchen, beschließt den Text und hebt die Bedeutung des kulturellen Kapitals in diesem Zusammenhang hervor.

The article offers a short review of radical pedagogy in theory and practice. It discusses mostly unknown theoreticians and pedagogues and tries to relate them to contemporary practical innovations from communities, collectives and organisations that have never participated in the pedagogical debate. In the first part, the author develops the political context of modern pedagogy by defining the conditions for critical and creative thinking. The second part reviews the most important actors and collective social practices used for and in radical pedagogy. An attempt to identify important present-day theories and practices that use pedagogy as a fundamental part of their struggle to transform societies beyond capitalist social relations and towards self-determination concludes the text, underlining the importance of cultural capital.

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Franz Halbartschlager
Volksbildung heute. Eine Rückschau auf das Symposium "Volksbildung heute?"

Im Dezember 2006 fand in Wien ein Symposium zu "Volksbildung heute?" statt. Der Artikel stellt die zentralen Fragestellungen und wesentlichen Diskussionen am Symposium in aller Knappheit vor.

The symposium on "Popular Education today?" took place in Vienna in December 2006. The articles briefly introduces the central questions and main discussions of the symposium.

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Hans Göttel
Volksbildung - eine Erfolgsgeschichte, die im Hals stecken bleibt

Der Text ist eine Kaprice auf allgemeine und epochale Erscheinungsformen von Volksbildung und unterstellt den VolksbildnerInnen, von ihrer Erfolgsgeschichte nichts wissen zu wollen.

This text highlights in an ironic way the specific form in which popular education presents itself today. The author stresses the fact that the protagonists in this field are not willing to take note of their own success.

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Heidi Grobbauer
Globales Lernen - ein Beitrag zu "befreiender" Bildung?

Zentrale Fragestellung dieses Beitrages ist das Verhältnis zwischen Globalem Lernen und dem pädagogischen Ansatz Paulo Freires. Steht bei Freire die Befreiung im Zentrum der Reflexionen, so rückt das Globale Lernen den Erwerb von Kompetenzen für das Leben in der globalen und komplexen Welt in den Mittelpunkt seiner Konzepte. Der Artikel diskutiert die Konsequenzen dieses Unterschiedes im Hinblick auf politische Aktionsformen und fragt weiters nach der Bedeutung eines normativen Horizontes, vor dem pädagogisches Handeln stattfindet.

Global Education was introduced as a new concept in development in the 1990 ies . This article discusses the differences between this rather new concept and the much older approach of Paulo Freire. In Freire's pedagogy, liberation represents a core concept. Global Education focusses, in contrast, more on the skills of individuals that help them to act in a globalized and complex world. What are the consequences of these differences? This is discussed particularly in the context of various forms of political articulations. Furthermore, the author asks which role is played by the normative context of such pedagogic concepts.

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Pia Lichtblau
Volksbildung und die Frage nach der Autonomie

Volksbildung will zu Autonomie befähigen - aber kann Autonomie überhaupt vermittelt, "gelehrt" werden? Muss Autonomie nicht vielmehr selbst erkämpft werden? Wie kann Volksbildung diesen Prozess unterstützen? Und bedarf es nicht, um nach Autonomie zu streben, bereits eines gewissen Maßes an Autonomie als Grundlage? Diesen Fragen und Widersprüchen geht der vorliegende Kommentar unter Bezugnahme auf im selben Heft erscheinende Artikel nach.

Popular education aims to enable autonomy - but this raises the question of whether it is actually possible to teach autonomy. On the contrary, does autonomy not have to be fought for? How can Popular education support this process? And is a certain level of autonomy not a necessary basis for the pursuit of further autonomy? This commentary analyses these questions and contradictions in reference to the articles published in this volume.

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