JEP 4/2007
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Ausgabe 2007/4 - Entwicklungspolitik und Sicherheitsinteressen: Kohärenz oder Konkurrenz?


Einleitung
Inhaltsverzeichnis und Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Clemens Six

Einleitung

Die zunehmende Globalisierung und die damit einhergehenden internationalen Vernetzungen bedeuten auch im Bereich Sicherheit eine politische Herausforderung. Der transnationale Terrorismus, der seit dem elften September 2001 im Zentrum weltweiter Sicherheitsdiskussionen steht, ist nur eine Form dieser neuen Relevanz von Sicherheitsfragen. In der Beziehung zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungs- bzw. Schwellenländern spielen Belange der Sicherheit eine zunehmend wichtige Rolle und beeinflussen insbesondere die Entwicklungspolitik. Diese Ausgabe des JEP geht daher folgenden Fragestellungen nach: Was bedeutet Sicherheit und wessen Sicherheit ist gemeint? Welche Formen von Sicherheit braucht Entwicklung? Welche Gefahren der Vereinnahmung der Entwicklungspolitik durch Sicherheitsinteressen gibt es? Welche Rolle spielen Machtinteressen im Sicherheitsdiskurs? Welche Spuren hinterlassen die europäischen Sicherheitsinteressen in der europäischen Entwicklungspolitik?


Inhalt

Clemens Six
Die Entwicklung von Sicherheit: Eine Einleitung

Jan Pospisil
Entwicklung und Sicherheit: Historische, theoretische und politische Bedingungen der Integration zweier Schlüsselkonzepte der globalen Machtbeziehungen
Abstract

Lothar Brock
Die Transformation der Nord-Süd-Beziehungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts: Sicherheitsdiskurse als Empowerment?
Abstract

Clemens Six
Sicherheit und Entwicklung als Normative der EU-Außenpolitik: Hegemonie durch Konsens und Zwang
Abstract

Tobias Debiel, Daniel Lambach
From "Aid Conditionality" to "Engaging Differently": How Development Policy Tries to Cope with Fragile States
Abstract

Abstracts

Clemens Six
Die Entwicklung von Sicherheit: Eine Einleitung



Jan Pospisil
Entwicklung und Sicherheit: Historische, theoretische und politische Bedingungen der Integration zweier Schlüsselkonzepte der globalen Machtbeziehungen

Die Integration von Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, die sich seit eineinhalb Jahrzehnten zunehmend klarer abzeichnet, vollzieht sich unter spezifischen Bedingungen auf historischer, theoretischer und politischer Ebene. Für die Sicherheitspolitik ist nach Ende des Kalten Krieges und dem damit einhergehenden Verlust der Projektion einer eindimensionalen, symmetrischen Konfliktlage die Neukonzeptionalisierung von bewaffnetem Konflikt in post-politischen Konflikttheorien Voraussetzung dieses Prozesses. Auf entwicklungspolitischer Ebene ermöglicht eine Weiterentwicklung des Nachhaltigkeits-Konzeptes hin zum Umgang mit bedrohlichen Situationen an der Peripherie diese Integration. Human Security und State Building entwickeln sich in diesem Kontext zu tendenziell konkurrierenden Interventionskonzepten, die auf verschiedene Zielsetzungen und unterschiedliche Dimensionen der Intervention abzielen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet diese Differenzen vor dem Hintergrund der theoretischen Entstehungsbedingungen beider Konzepte.

The integration of development and security policy, which has been on the increase for about 15 years, is characterized by specific historical, theoretical and political conditions. In the case of security policy, the end of the Cold War has resulted in a loss of the projection of a one-dimensional, symmetric understanding of violent conflict, leading to post-political approaches in the analysis of violent conflicts. For development policy, an enhanced interpretation of sustainability that conceptualises the periphery as a potentially dangerous terrain is the appropriate counterpart. In this context, "Human Security" and " State Building " are evolving as competing concepts of intervention that focus on different targets and dimensions. This paper discusses these differences against the background of the conditions of both concepts.

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Lothar Brock
Die Transformation der Nord-Süd-Beziehungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts: Sicherheitsdiskurse als Empowerment?

Das Ende der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West ging paradoxerweise nicht mit einer Einschränkung, sondern mit der Ausweitung von Sicherheitsdiskursen in Politik und Gesellschaft einher. Dies geschah unter dem Schlagwort der "erweiterten Sicherheit". Neben der Umwelt- ist auch die Entwicklungsproblematik rasch Gegenstand der neuen Sicherheitsdiskurse geworden. Deren Wirkung ist ambivalent. Grundsätzlich können sie sowohl revisionistische als auch Status-quo-Interessen begünstigen. Die Versicherheitlichung der Entwicklungsproblematik spiegelt diese Ambivalenz. Sie hat einerseits zu einer politischen Aufwertung materieller Fragen der Entwicklungspolitik geführt, liefert andererseits aber auch Begründungen für die Ausweitung einseitiger militärischer Eingreifkapazitäten hegemonialer Staaten. Insofern schafft die Versicherheitlichung der Entwicklungsproblematik im Kontext der Terrorbekämpfung neue Unsicherheiten.

The end of the East-West confrontation paradoxically did not lead to a "de-securitisation" of world politics. On the contrary, it was accompanied by a broad expansion of the security agenda in the form of the "securitization" of non-military threats to the well-being of states and people. In addition to environmental questions, development issues soon became the object of securitisation. The impact of securitisation is ambivalent, since it can serve revisionist as well as status quo-interests. The "merging of development and security" (Duffield 2001) mirrors this ambivalence. On the one hand it has helped to renew public interest in the concerns of the South (including the provision of human needs and good governance). On the other hand it offers justifications for the re-direction of Western military policies from territorial defence to global conflict intervention. Thus, the securitisation of development in the context of the war on terror has led to new insecurities.

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Clemens Six
Sicherheit und Entwicklung als Normative der EU-Außenpolitik: Hegemonie durch Konsens und Zwang

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den wachsenden Überschneidungen zwischen Entwicklungspolitik und Sicherheitsinteressen der Europäischen Union. Den größeren Kontext dieser Entwicklung bildet die Rolle der EU in den internationalen Beziehungen und ihren Versuchen, insbesondere in den Beziehungen zu den Entwicklungsländern eine globale Hegemonie durch Zwang und Konsens herzustellen, um auf diese Weise ihr wirtschaftliches Gewicht in politische Kontrolle zu übersetzen. Die jüngsten Schritte der EU, eine gesamteuropäische Entwicklungspolitik sowie eine Europäische Sicherheitspolitik zu formulieren, spiegeln diese wachsende Interdependenz wider. Abschließend eröffnet ein genauerer Blick auf den militärischen Interventionismus der EU, dass humanitäre Anliegen eng mit militärischen, strategischen und wirtschaftlichen Interessen verknüpft sind.

This article focuses on the increasing combination of development policy and security concerns by the European Union. The broader context is the role of the EU in international relations and its attempt to establish a global hegemony over the developing countries through coercion as well as consent and, thereby, to translate its current economic power into global political control. The recent steps of the EU to formulate a Europe-wide development policy on the one hand and a common European Security Policy on the other both reflect this growing interdependence. Finally, a closer look at the EU's military interventionism shows that humanitarian concerns are closely connected with military, strategic and economic interests.

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Tobias Debiel, Daniel Lambach
From "Aid Conditionality" to "Engaging Differently": How Development Policy Tries to Cope with Fragile States

The article outlines recent changes in the development policy approach towards fragile states. Central to this new approach is a greater sensitivity towards the conditions in the partner country and a greater focus on change agents and turnaround situations. This approach has revitalised the concept of state-building. The article claims that the current understanding of the term is too narrow and offers an outline of the concept of 'embeddedd state-building' which recognises the societal context of political reform. This approach offers the greatest possibility of success in 'difficult environments'.

Der Artikel befasst sich mit Veränderungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit fragilen Staaten. Charakteristisch für die neue Herangehensweise ist eine bessere Berücksichtigung lokaler Bedingungen sowie einer besseren Einbeziehung von Reformkräften. Diese Neuausrichtung hat zu einer Wiederbelebung des Staatsbildungskonzepts geführt. Die bisherige Interpretation dieser Strategie ist jedoch zu eng, so dass sich der Artikel für eine Strategie des "embedded state-building", also für eine gesellschaftliche Einbettung politischer Reformen, ausspricht. Dieses Vorgehen verspricht größere Erfolgschancen für die Zusammenarbeit mit instabilen Partnerländern.

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