JEP 4/2011
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Ausgabe 27 (4) 2011
Internet und Demokratie

Introduction
Content
Abstracts


JEP AUSGABE
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Schwerpunktredaktion: Frederik Holst, Wolfram Schaffar

 

 

INTRODUCTION / EINLEITUNG:

Ever since the Internet became a widespread medium of mass communication in the 1990s, its influence on democratic development has been a central issue. New and relatively unrestricted ways to access and disseminate information were and still are seen as a means of undermining control mechanisms in authoritarian societies. More than a decade later, and in the light of the so-called ‘Facebook revolution' in the Arab world, the authors in this volume seek to approach the impact of the Internet from different perspectives, beyond over-optimistic expectations of change in democratic practices. The focus hereby lies on Southeast Asia, with its unique variants of (semi-)authoritarian regimes, and includes often neglected aspects such as the reactions of authoritarian regimes towards these new challenges, the inter-connectedness of the ‘online' and the ‘offline' worlds, as well as the disparate development and usage of IT infrastructure in the region.

Im Zuge der Verbreitung des Internet als Medium für Massenkommunikation in den 1990er Jahren wurde auch immer wieder dessen Bedeutung für Demokratisierungsprozesse diskutiert. Die neuartigen Möglichkeiten Informationen zugänglich zu machen und zu verbreiten wurden als ein Mechanismus zur Unterminierung von Kontrollmechanismen in autoritären Gesellschaften angesehen. Heute, mehr als eine Dekade später und im Lichte der sogenannten „Facebook-Revolution“ in der arabischen Welt, überwiegen differenziertere Einschätzungen. Die AutorInnen dieser Ausgabe des JEP diskutieren die Rolle des Internet für Demokratisierungsprozesse aus verschiedenen Perspektiven und vermeiden eine über-optimistische Darstellung. Der geographische Fokus liegt auf Südost-Asien und den spezifischen dort vorherrschenden Formen (semi-)autoritärer Regime. Betrachtet werden oftmals vernachlässigte Aspekte, wie die Reaktion autoritärer Regime auf die neuen Herausforderungen durch die Vernetzungsmöglichkeiten der Online- und Offline-Welt sowie die sehr unterschiedlichen Formen der Ausbreitung und Nutzung von Informationstechnologien in der Region.

 


CONTENT / INHALT:

Frederik Holst, Wolfram Schaffar
Internet und Demokratie

Thomas Kern, Sang-Hui Nam
Zivilgesellschaftliche Mobilisierung und neue Kommunikationstechnologien in Südkorea, Taiwan, den Philippinen und Thailand

Christoph Amthor
Virtuelle Heimat und reale Chancen: Online-Mediennutzung der birmanischen Diaspora

Wolfram Schaffar
Der Staat im Internet: Nutzung und Kontrolle des Internets in Singapur

Eva Eichenauer
Alternative Realitäten im Internet – eine vergleichende Analyse malaysischer Print- und Onlinemedien

Frederik Holst
Cyberspace – A Better Place? Ethnicization in Malaysia's Online Media

Walter Schicho, Ingeborg Grau
Irmi Maral-Hanak (1967–2011)


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ABSTRACTS:

Frederik Holst, Wolfram Schaffar
Internet und Demokratie


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Thomas Kern, Sang-Hui Nam
Zivilgesellschaftliche Mobilisierung und neue Kommunikationstechnologien in Südkorea, Taiwan, den Philippinen und Thailand

Im Zentrum der vorliegenden Untersuchung steht die Wirkung neuer Kommunikationstechnologien (NKT) auf die Struktur öffentlicher Räume und den Verlauf zivilgesellschaftlicher Mobilisierungsprozesse. Diese Fragestellung wird am Fallbeispiel von vier ostasiatischen Ländern untersucht: Südkorea, Taiwan, den Philippinen und Thailand. Die Studie zeigt, dass der Einfluss der NKT auf die Struktur öffentlicher Räume von komplexen institutionellen und technischen Bedingungskonstellationen abhängig ist. Von wesentlicher Bedeutung für die Wirkung der NKT sind dabei insbesondere der Staat, das Vorhandensein alternativer Technologien sowie zivilgesellschaftliche Konstellationen.

This study examines the effect of new communication technologies (NCT) on the structure of public space and the dynamics of civic mobilization in the cases of four East Asian countries: South Korea, Taiwan, The Philippines, and Thailand. The study shows that the specific effects of NCT on the structure of public space depend on complex institutional and technical conditions. This public space is particularly shaped by the state, technological alternatives and the organizational constellations of civil society.


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Christoph Amthor
Virtuelle Heimat und reale Chancen: Online-Mediennutzung der birmanischen Diaspora

Die Leben birmanischer MigrantInnen und ihre Nutzung von Online-Medien wird ganz wesentlich von der Situation daheim in Birma beeinflusst, und dies sowohl Politik als auch Gesellschaft und technische Infrastruktur betreffend. Der vorliegende Artikel behandelt die wichtigsten Punkte, die zum Verständnis dieser komplexen Thematik notwendig sind, und verwendet das Konzept der Diaspora, um die durch BirmanInnen im Ausland geformten Räume zu beschreiben, wobei besonders Bezug darauf genommen wird, wie diese diasporischen Gemeinschaften durch Online-Medien ausgeformt werden.

The lives of Burmese migrants and their use of online media are significantly shaped, in terms of politics, society, and technical infrastructure, by the conditions inside Burma. This article highlights the most relevant points needed to assess this complex situation and furthermore attempts to describe the spaces formed by Burmese abroad with the help of the concept of diasporas, while seeking to understand how this diasporic community is informed or even constituted by online media.


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Wolfram Schaffar
Der Staat im Internet: Nutzung und Kontrolle des Internets in Singapur

Der Artikel widmet sich der Frage, wie der Zusammenhang zwischen der Internetverbreitung und dem Demokratieniveau in einem Land konzeptualisiert werden kann. Während zahlreiche WissenschaftlerInnen und EZAPraktikerInnen aufgrund seiner technischen Eigenschaften von einer demokratiestimulierenden Wirkung des Internets ausgehen, verweisen jüngere quantitative und qualitative Studien immer wieder auf Fälle wie Singapur, wo eine weitreichende Internetverbreitung mit einer Konsolidierung autoritärer Herrschaft einhergeht. Eine Analyse der Genese und Struktur der Internetkontrolle in Singapur zeigt, dass die zugrunde liegenden Prozesse nur mithilfe einer kritischen Staatstheorie zu erfassen sind, die sich von einer Dichotomie zwischen Staat und Zivilgesellschaft verabschiedet und den Staat als gesellschaftliches Verhältnis konzeptualisiert.

The paper deals with the question of how to conceptualise the connection between the spread of the internet and democracy. Many scholars as well as practitioners of development cooperation have taken for granted the democratising effect of the internet because of its technical particularities. However, more recent quantitative and qualitative studies have pointed to exceptions like Singapore, where a high internet penetration coincides with a consolidation of authoritarianism. An analysis of the genesis and the structure of internet control in Singapore shows that the underlying processes can only be captured with the help of a critical state theory that overcomes a simple dichotomy of state versus civil society and instead conceptualises the state as a societal relation.


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Eva Eichenauer
Alternative Realitäten im Internet – eine vergleichende Analyse malaysischer Print- und Onlinemedien

Vermittels einer systemtheoretischen Analyse werden die Realitätskonstruktionen von Malaysias führender malaysischsprachiger Printzeitung Utusan Malaysia und der vorwiegend englischsprachigen Onlinezeitung MalaysiaKini verglichen.Während Printmedien starker Kontrolle unterliegen, können Onlinemedien weit größere Freiräume ausschöpfen und regierungskritische Berichte veröffentlichen, ohne in vergleichbarem Maße sanktioniert zu werden. Davon ausgehend, dass Massenmedien für die Entstehung öffentlicher Meinung elementar sind und dass öffentliche Meinung wiederum ein Grundpfeiler einer Demokratie ist, analysiert der Artikel die Berichterstattung der beiden Zeitungen über die Allah-Debatte, die Anfang 2010 die malaysische Öffentlichkeit dominierte. Dabei wird gezeigt, wie online eine alternative Realität konstruiert wird, die die „offizielle“, printmediale Darstellung in Frage stellt.

A system-theoretical approach is used to explore how Malaysian online and print media construct reality. Knowing that the print media are highly controlled, while legal sanctions and control are much less severe in cyberspace, online newspapers such as MalaysiaKini have far more space to offer alternative reporting and can therefore create alternative realities that challenge the rather uncritical and pro-government coverage offered by the print media. Based on the assumption that a diversity of mass media plays a crucial role in creating a public opinion and that public opinion is a defining element of democracy, the article compares the coverage of the ‘Allah-Debate’ that dominated the Malaysian public in early 2010 and shows how online reporting can challenge the ‘official reality’ print media are creating.


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Frederik Holst
Cyberspace – A Better Place? Ethnicization in Malaysia’s Online Media

Malaysia is an often cited example of a semi-authoritarian regime in which the Internet is seen as an important tool to counter a governmentcontrolled media hegemony. The election results in 2008 in particular have been accredited with mobilizing voters through the use of online media and are seen as a challenge to Malaysia’s ethnic-based political system. In this article, however, it is argued that ethnicization, as one of the fundamentals of this system, is more complex and resistant and that, thus, simply having access to different kinds of information does not necessarily change ethnicized perceptions. Using the theoretical framework of manifestations and implementations of ethnicization, this paper aims to identify the ambiguities and contradictions that result from the impact of the online media in an ethnicized society, and demonstrates that the ‘online’ world eventually reflects ‘offline’ structures of power, wealth and knowledge.

Malaysia ist ein vielzitiertes Beispiel von semi-autoritären Regierungen, in denen das Internet als wichtiges Mittel angesehen wird, um eine staatliche Medienhegemonie zu durchbrechen. Besonders die Erfolge der Opposition bei den Wahlen 2008 wurden auf die Mobilisierung durch Onlinemedien zurückgeführt und werden als Infragestellung des ethnisch basierten politischen Systems gesehen. Dieser Artikel argumentiert jedoch, dass Ethnisierung als grundlegendes Element dieses Systems komplexer und resistenter ist und daher der bloße Zugang zu alternativen Informationen nicht unbedingt die ethnisierten Wahrnehmungen verändert. Mit dem theoretischen Ansatz der manifestations und implementations of ethnicization versucht dieser Artikel die Uneindeutigkeiten und Widersprüche aufzuzeigen, die die Auswirkungen der Onlinemedien in einer ethnisierten Gesellschaft beinhalten. Daraus folgt, dass die „Onlinewelt“ letztlich die Macht- und Wissensstrukturen der „Offlinewelt“ abbildet.


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