Die Aktivitäten
Die Aktivitäten des Mattersburger Kreises setzen sich aus drei großen Bereichen zusammen: Publikationen, Bildungsveranstaltungen und die Mitwirkung am Studium der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien.
1. Publikationen des Mattersburger Kreises
JEP - Journal für Entwicklungspolitik
Seit 1984, dem Beginn der Tätigkeit, wird vom Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik kontinuierlich viermal jährlich die wissenschaftliche Zeitschrift "Journal für Entwicklungspolitik / Austrian Journal of Development Studies " herausgegeben. Darin werden Beiträge in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. Während in den 1980er Jahren insbesondere die Bemühungen, entwicklungspolitische Belange auch auf wissenschaftlicher Ebene durchzusetzen im Vordergrund standen, kam es in den 1990er Jahren verstärkt zu einer Orientierung hin auf allgemeine entwicklungspolitische bewusstseinsbildende Arbeiten und Zielgruppen außerhalb des universitären Bereiches.
HSK- Internationale Entwicklung
Die Reihe umfasst bislang 29 Bände (pro Jahr erscheinen ein bis zwei Bände), die die interdisziplinären Ringvorlesungen der "Internationalen Entwicklung" in gedruckter Form begleiten. Ziel ist es, mit komprimierten Überblicksdarstellungen ein breites Lesepublikum anzusprechen. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden Fragen von Entwicklung und historischem Wandel in globaler Perspektive. Als AutorInnen finden sich all jene, die im Bereich der "Internationalen Entwicklung" lehren, ergänzt um prominente nicht-österreichische KollegInnen, die so auch zu Vorträgen nach Wien geholt werden.
GEP - Geschichte Entwicklung Politik
Das "jüngste Kind" des Mattersburger Kreises und im Umfang kleiner als das "große Geschwisterchen " HSK/IE. Auch hier werden historische Fragestellungen in die Analyse aktueller Globalisierungs- und Entwicklungsprozesse einbezogen. Vorgängerin der GEP-Bücher waren die GEG-Bücher: In der Reihe "Geschichte - Entwicklung - Globalisierung" erschienen die ersten fünf Bände bie Brandes&Aspel in Frankfurt/Main. In der Reihe erschien die Einführungsvorlesung "Internationale Entwicklung. Eine Einführung in Probleme, Mechanismen und Theorien" (2002) in gedruckter Form. Mit der Reihe GEP wechselte der Mattersburger Kreis zum Mandelbaum-Verlag nach Wien - mittlerweile ist bereits der 13. GEP-Band erhältlich.
2. Bildungsveranstaltungen
Der entwicklungspolitische Reflexionsvorgang - Ein Dialog zwischen Theorie und Praxis
Von Februar bis Ende des Jahres 2001 organisierte der Mattersburger Kreis zusammen mit der AGEZ (Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit) und einer Vielzahl engagierter Personen und Organisationen einen gemeinsamen Reflexionsprozess zur Zukunft der EZA. Im Zentrum standen dabei die Identität und die politischen Handlungsspielräume entwicklungspolitisch Interessierter. Der Reflexionsprozess legte sechs Stationen ein, an denen unter jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln und Schwerpunkten die Frage nach dem politischen Potential der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft gestellt wurde. Ab Juni 2002 wurde ein zweiter Durchgang in elf Workshops dieses Reflexionsvorganges realisiert. In fast allen österreichischen Bundesländern fanden dazu Veranstaltungen statt, deren Ergebnisse im Form von Protokollen auf der Homepage www.entwicklungstagung.at - wo auch Folgeaktivitäten und -projekte verschiedener Veranstaltungen Raum finden - gelesen werden können.
Die Österreichweiten Entwicklungstagungen
Höhepunkt war dann die Abhaltung der ersten gesamtösterreichischen Entwicklungstagung von 25.-27. Oktober 2001 in Salzburg mit rund 500 TeilnehmerInnen. Die Beiträge im Rahmen des Reflexionsprozesses und der Tagung wurden dokumentiert: Unter dem Titel "Wisse, was du tust" als JEP-Book 4 (2002), herausgegeben vom Mattersburger Kreis, und auf der Homepage, wo sich auch sämtliche Debattenbeiträge in ungekürzter Form finden.
Die zweite Entwicklungstagung fand von 5.-7. Dezember 2003 in Graz statt und stand unter dem Motto Globalisierung ent-wickeln. Ausgangspunkt bildete die Reflexion über den Schlüsselbegriff "Globalisierung", die Zielsetzung des Prozesses bestand in einer Re-Politisierung von Entwicklungszusammenarbeit in Österreich. Die vorbereitenden Workshops fanden österreichweit in Zusammenarbeit mit regionalen entwicklungspolitischen Gruppen statt.
Präsentationen der neuen JEP-Nummern
In den letzten Jahre ist es gelungen, fast alle neu erschienenen Ausgaben des Journals für Entwicklungspolitik im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zu präsentieren. Wird hier gut mit anderen Organisationen wie dem Beigewum (Kurswechsel) oder dem Mandelbaum-Verlag kooperiert, kommen etwa 30 bis 60 Personen.
3. Die Internationale Entwicklung: vom Wahlfachkorb, über das 'Individuelle Diplomstudium' bis zum 'Institut' an der Universität Wien
Es war ein alter Traum des Mattersburger Kreises und einer der Gründe für seine Konstituierung, in Österreich ein Studium der Internationalen Entwicklung einzurichten. Dies ist in Form des Studiums Internationale Entwicklung gelungen. Seit dem Wintersemester 1998/99 wurde von der Senatskommission Institut für Internationale Entwicklung (später Projekt Institut für Internationale Entwicklung / ZüF, mittlerweile das Institut für Internationale Entwicklung-Projekt) das Wahlfach "Internationale Entwicklung" angeboten . Das Fach war interdisziplinär ausgerichtet. In den einzelnen Veranstaltungen ging es einerseits um die Berücksichtigung von Theorie und Praxis, andererseits sollten Aspekte auf Mikro- und Makroebene verbunden werden.
Das Wahlfach wurde vor allem von Lehrenden der Universität Wien getragen, wobei diese Lehre zu einem wesentlichen Teil im Auftrag der jeweiligen Stamminstitute bzw. -fakultäten erfolgt. In kleinerem Umfang waren Universitätslehrer anderer Universitäten in Wien und Mitarbeiter der entwicklungspolitischen Sektion (Sektion VII des BmaA) bzw. von NGOs der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit beteiligt.
Darauf aufbauend gelang es, ab dem Wintersemester 2002/03 ein vollwertiges individuelles Diplomstudium (IDS) anzubieten. Der Erfolg iwar schnell - vor allem angesichts der äusserst knappen personellen Ressourcen - überwältigend. Verantwortlich für alle Angelegenheiten um das Studium "Internationale Entwicklung" war bis Sommer 2010 der Projektleiter - Walter Schicho, Univ.-Prof. am Institut für Afrikanistik.
Seit dem Wintersemester 2010/11 haben sich die infrastrukturellen Rahmenbedingungen deutlich gebessert und das neugegründete "Institut für Internationale Entwicklung" seinen Platz nahe der ÖFSE und des Büros des Matterburger Kreises gefunden. Unter neuer Leitung und Besetzung ist in der Sensengasse 3 viel am entstehen und wachsen - entsprechend der Studierendenzahl, die nach wie vor auf adäquate Verbesserungen im Uni-Lehrbetrieb hoffen lässt (möglicherweise sogar bis hin zur Forschung) - zur Zeit studieren etwa 3.500 Personen die 'Internationale Entwicklung' an der Uni Wien.
Der Mattersburger Kreis steht als Verein inhaltlich und moralisch hinter dem Studium und versucht die Vernetzung von Ideen und Projekten unter Lehrenden, Studierenden und anderen nahestehenden Personengruppen zu fördern und zu unterstützen.