Mattersburger Kreis
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Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik an den österreichischen Universitäten
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Leitbild

Der Mattersburger Kreis wurde 1981 als Verein von WissenschafterInnen gebildet, die an österreichischen Universitäten mit Fragen der Entwicklungsforschung befasst sind.

Die weltweite Ungleichheit, der Klimawandel, Migrationsströme wie auch die Entwicklungszusammenarbeit sind komplexe Fragen, die Entwicklungsforschung herausfordern. Zum einen können diese Fragen nicht mit den Methoden und Zugängen einer Wissenschaft alleine bearbeitet werden. Der Mattersburger Kreis praktiziert daher, ausgehend von kritischen Sozialwissenschaften, Interdisziplinarität als Form der engen und verschränkten Zusammenarbeit zwischen Angehörigen verschiedener Disziplinen. Darüber hinaus ist es das Ziel der Forschungsarbeit im Mattersburger Kreis, über die Grenzen der relevanten wissenschaftlichen Disziplinen hinaus transdisziplinär spezifische Herangehensweisen und theoretische Konzepte der Entwicklungsforschung zu finden. Forschung und Lehre sind auf gesellschaftlich besonders wichtige Probleme ausgerichtet; der ständige Dialog mit AkteurInnen im politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Raum ist dafür Voraussetzung und Rahmen.

Zum anderen ist Entwicklungsforschung gefordert, sich inhaltlich und politisch zu positionieren. Der Mattersburger Kreis sieht sich als kritische Instanz in der Beschreibung von Zielen und Strategien globaler AkteurInnen der Weltentwicklung. Wissenschaftliches Wissen soll jenen zur Verfügung gestellt werden, die sich gegen Entfremdung und Kommodifizierung öffentlicher Güter und für eine gerechtere Gesellschaft engagieren.

 

Der Mattersburger Kreis sieht seine konkreten Aufgaben in drei Gebieten:

- Vernetzung von WissenschafterInnen in Österreich und mit dem Ausland

Der Mattersburger Kreis versteht sich als Plattform für die Vernetzung von WissenschafterInnen in Österreich und dem Ausland, die sich für Entwicklungsforschung interessieren und in Forschung und Lehre dazu tätig sind. Es ist Ziel, aktuelle internationale Diskussionen der Entwicklungsforschung zu reflektieren, zu diskutieren und mitzugestalten und den entwicklungspolitisch Interessierten in Österreich Zugang zu diesen Diskussionen zu verschaffen, sei es über Publikationen oder über öffentliche Veranstaltungen.

- Publikationen

Seit seiner Gründung gibt der Mattersburger Kreis das Journal für Entwicklungspolitik heraus. Als einzige wissenschaftliche Zeitschrift Österreichs zu Fragen der Internationalen Entwicklung bietet sie eine Plattform, um gesellschaftlich relevantes Wissen über Entwicklungsprobleme und Entwicklungspolitik zu verbreiten. Damit sollen der wissenschaftliche Diskurs zum Thema Entwicklungsforschung belebt sowie internationale Debatten rezipiert und kritisch diskutiert werden.

Weitere Publikationsreihen sind die Buchreihe „Historische Sozialkunde / Internationale Entwicklung“ sowie die Buchreihe „Geschichte – Entwicklung – Politik“. Diese Reihen gehen von aktuellen Fragestellungen aus und unternehmen in weiterer Folge den Versuch, soziale, ökonomische, politische und kulturelle Phänomene im Kontext der Nord-Süd-Frage aus globaler Perspektive und interdisziplinär darzustellen und zu analysieren. Die Bücher wenden sich vor allem an ein studentisches Publikum, aber auch an einen darüber hinausreichenden Kreis von Interessierten (LehrerInnen, JournalistInnen etc.).

- Bildung + Lehre

Wissenschaftliches Wissen zu Fragen der Internationalen Entwicklung muss weitergegeben werden, wenn es weiterentwickelt und gesellschaftlich wirksam werden soll. Mitglieder des Mattersburger Kreises wirken als Lehrende am Projekt Internationale Entwicklung der Universität Wien mit; aber auch an anderen Hochschulstandorten Österreichs bringen Mitglieder des Mattersburger Kreises Themen der Internationalen Entwicklung in die Lehre ein.

Es bleibt ein wichtiges Ziel des Mattersburger Kreises, dass an allen österreichischen Universitäten ein Lehrangebot zu Fragen der Internationalen Entwicklung eingerichtet wird.

Einen wesentlichen Ort der außeruniversitären Bildung stellen die Entwicklungstagungen dar, bei denen mit MitarbeiterInnen entwicklungspolitischer Einrichtungen und Organisationen über Alternativen zur gegenwärtigen kapitalistischen Weltentwicklung nachgedacht wird.

Um Bildung als Reflexion der Praxis weiterzuentwickeln, hat der Mattersburger Kreis gemeinsam mit der ÖFSE – Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung das „Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und
-bildung“ eingerichtet. Ausgehend vom dialogischen Ansatz Paulo Freires leistet dieser Lernort einen Beitrag zur Politisierung von AkteurInnen der Entwicklungspolitik in Österreich.

 

***Auszug aus den Vereinsstatuten:

Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt:

1. an allen Universitäten und Fakultäten Entwicklungspolitik, auch als zentralen Bestandteil des Unterrichtsprinzips "Politische Bildung" anzubieten.

2. den verschiedenen Entscheidungsgremien im inner- und außeruniversitären Bereich zur Beratung zur Verfügung zu stehen.

3. Dokumentation und Förderung der Publikation von entwicklungspolitischen Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen.

4. Zusammenarbeit mit ausländischen Institutionen, die auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik arbeiten.

5. Vertretung entwicklungspolitischer Anliegen der Universitäten gegenüber öffentlichen und privaten Stellen.

6. eine möglichst gute Ausstattung der wissenschaftlichen Bibliotheken anzustreben und zu fördern. ***