Freitag 22. Februar 2019
Karin Fischer, Susan Zimmermann (Hg.)

Internationalismen. Transformation weltweiter Ungleichheit im 19. und 20. Jahrhundert

Unterschiedlichste Internationalismen sind in den vergangenen 200 Jahren im Kampf gegen weltweite Ungleichheit gestanden. In Form von Organisationen, Kongressen und Kampagnen ist versucht worden, globale Machtverhältnisse zu reformieren und/oder zu revolutionieren. Dabei handelte sich um so verschiedenartige Formen wie Friedenskongresse, den Kampf gegen die Sklaverei, die Internationale Arbeiter-Assoziation, die Kommunistische Internationale ("Komintern"), den Pan-Afrikanismus, das Rote Kreuz, das Ringen um weltweit gültige Arbeiterrechte, die Internationale des Frauenstimmrechts, den Völkerbund vor und die UNO nach dem Zweiten Weltkrieg, Kampagnen für Menschenrechte und transnational operierende Sozialforen. Die Agenden dieser Internationalismen reichten und reichen bis heute von radikaler Kapitalismuskritik bis zur vorsichtigen Reform der internationalen Beziehungen.

Die Dynamik der Internationalisierung speiste sich in hohem Maße aus westlichen Wurzeln. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhundert kam es zu einem explosionsartigen Anstieg internationaler Bestrebungen und zur raschen organisatorisch-institutionellen Verdichtung des Netzwerkes der Internationalismen. Die Epoche des kurzen 20. Jahrhunderts war durch einen zunehmend organisierten Multilateralismus, den zunehmend verrechtlichten Charakter, und die fortschreitende Globalisierung internationaler Organisation gekennzeichnet. Nach 1945 erhöhte sich die Zahl der internationalen Organisationen sprunghaft weiter. Seit den 1980er Jahren ist die Landschaft der organisierten Internationalismen neuerlich in Bewegung geraten.

Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich mit der Rolle, die die Internationalismen im 19. und 20. Jahrhundert in der Auseinandersetzung um globale Ungleichheit und in der Dynamik der historischen Umgestaltung der damit verbundenen Machtverhältnisse spielten. Im auf diese Weise grob umschriebenen Feld eines "Reform"-Internationalismus bewegten sich thematisch und politisch-ideologisch höchst unterschiedlich ausgerichtete, und auch ganz unterschiedlich dimensionierte Bewegungen und Organisationen. Gefragt wird auch danach, inwiefern und mit welchen Konsequenzen die Internationalismen selbst von ungleichen globalen Beziehungen und Machtverhältnissen und von den jeweiligen historischen Auseinandersetzungen um diese Beziehungen geprägt waren.

 

 

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Inhalt

 

Susan ZIMMERMANN
„Reform“-Internationalismen und globale Ungleichheit im 19. und 20. Jahrhundert
Traditionen und Optionen der Internationalismusforschung

Arthur EYFFINGER
Die Haager Tradition des Völkerrechts und der internationalen Rechtsfindung
Ein Jahrhundert der Auseinandersetzung um Krieg und Frieden

Ingeborg GRAU
Das Entstehen einer missionarischen „Weltkirche“ und die Verbreitung
„westlicher“ Werte in Westafrika im langen 19. Jahrhundert

Arno SONDEREGGER
Antisklaverei und Afrika
Zur Geschichte einer Bewegung im langen 19. Jahrhundert

Birgitta BADER-ZAAR
Zur Geschichte der internationalen Frauenbewegungen
Von transatlantischen Kontakten über institutionalisierte Organisationen zu globalen Netzwerken

Anthony BOGUES
Idee und Rhythmus antikolonialer Freiheit
Schwarzer radikaler Internationalismus im 20. Jahrhundert und das International African Service Bureau

Susan ZIMMERMANN
Sonderumstände in Genf
Die ILO und die Welt der nicht-metropolitanen Arbeit in der Zwischenkriegszeit

David MAYER
Weltrevolution, Stalinismus und Peripherie
Die Kommunistische Internationale und Lateinamerika

Karin FISCHER
Globalisierung und der neue Internationalismus
Akteure, Ideen und Handlungsformen

Prem Kumar RAJARAM
Die Vereinten Nationen, Selbstbestimmung und die Grenzen der Entkolonialisierung

Anne ORFORD
Von der Humanität der Stärke zur „Verantwortung für den Schutz“
Die neue internationale Interventionspolitik

 

HerausgeberInnen

 

Karin FISCHER, Jahrgang 1965, ist Historikerin und Lehrbeauftragte an der Universität Wien.


Susan ZIMMERMANN, Jahrgang 1960, arbeitet als Professorin an der Central European University, wo sie am Department of History und am Department of Gender Studies lehrt. Zuletzt ist von ihr im Promedia Verlag erschienen: "Die bessere Hälfte? Frauenbewegungen und Frauenbestrebungen im Ungarn der Habsburgermonarchie 1848 bis 1918" (Wien/Budapest, 1999).

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