Fotostrecke & Veranstaltungsbericht

C3-Awards

Am 31. Mai 2016 gab es im C3 - Centrum für internationale Entwicklung Anlass zum Feiern: Die Verleihung des erstmals ausgeschriebenen C3-Awards für vorwissenschaftliche Arbeiten zu Themen der internationalen Entwicklung. Stolze 102 Einreichungen zeugten vom Interesse und Engagement junger ForscherInnen.

 

 

 

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Vorwissenschaftliche Arbeiten als entwicklungspolitische Arbeiten

 

 

Der erstmalig ausgeschriebene C3-Award ist ein gemeinsames Projekt der C3-Organisationen, der die Auseinandersetzung junger Menschen mit entwicklungspolitischen Themen, wie globale Ungleichheiten, Nachhaltigkeit, Entwicklungszusammenarbeit fördern möchte. Dass SchülerInnen im Zuge der neuen Matura vorwissenschaftliche Arbeiten verfassen müssen, eröffne auch neue Möglichkeiten für kritische Bildung, so die VeranstalterInnen. Die C3-Bibliothek biete Unterstützung beim Verfassen der Arbeiten an – von der Literaturrecherche bis zur inhaltlichen Diskussion. Die SchülerInnen zeigten großes Interesse, globale Ungerechtigkeiten und Wege der Überwindung zu erforschen – das bewies die große Zahl von 102 Einreichungen. Und auch die Preisverleihung stieß auf Interesse: 130 BesucherInnen ließen sich die Premiere nicht entgehen.

 

Auswahl ohne Fokus auf Wettbewerb – keine leichte Aufgabe

 

 

Drei der eingereichten Arbeiten sollten schließlich prämiert werden. Hier lag der Fokus nicht auf den „besten“ Arbeiten, sondern auf der Wertschätzung einer Auseinandersetzung mit diesen Themen in Bezug auf bestimmte Kriterien, wie die ProjektleiterInnen Gabriele Slezak (ÖFSE) und Alexander Lippmann (ÖFSE) betonten. Die ExpertInnen-Jury orientierte sich am Kriterium des entwicklungspolitischen Bezugs, einer globalen Perspektive, des kritischen wissenschaftlichen Zugangs sowie einer kritischen Reflexion der eigenen Lebensrealität. Außerdem wurden Hintergründe wie Schultypus, Gender und Herkunft berücksichtigt. Weil es angesichts der vielen interessanten Arbeiten unmöglich war, nur drei Arbeiten zu küren, erhielten sechs weitere Arbeiten einen Preis für herausragende Arbeiten im Sinne dieser Kriterien.

 

Preisverleihung durch AkteurInnen der Entwicklungspolitik

 

Auf die Begrüßung durch Andreas Novy (Beirat Paulo Freire Zentrum und Kuratorium ÖFSE) und Karin Küblböck (ÖFSE) folgten Grußworte von Peter Launsky-Tieffenthal (Außenministerium) und Katharina Kucharowits (Nationalrat); Ulrike Lunacek (Europaparlament) war leider verhindert. Launsky-Tieffenthal sprach seine Anerkennung aus und würdigte die Arbeiten als Teil der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Kucharowits hob hervor, dass die Nachhaltigkeitsziele (engl.: Sustainable Development Goals) umgesetzt werden müssen, selbst wenn keine Sanktionen drohen. Sie verstand es in diesem Sinne als Aufgabe, Ideen von Jugendlichen Raum zu geben. Das Engagement der SchülerInnen habe sie „begeistert und fasziniert“.
Anschließend folgte der Höhepunkt des Abends: Sechs SchülerInnen erhielten einen Anerkennungs-Preis für ihre Arbeiten und vier SchülerInnen wurde der C3-Award, in Form eines Reisegutscheins, überreicht. Aus Platzgründen hier nur ein Abriss der drei Award-Arbeiten:

 

KinderpatInnenschaft – eine gute Sache… oder etwa nicht?

 

Den ersten C3-Award erhielt Fabian Kriechbaum für seine Arbeit über die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität in Bezug auf KinderpatInnenschaften. Jurymitglied Wolfram Schaffar (Institut für Internationale Entwicklung) stellte die Arbeit vor und lobte die interessante Fragestellung, in welcher der Maturant die Gründe einer Nichtregierungsorganisation für die Umstellung von KinderpatInnenschaften auf KlassenpatInnenschaften untersuchte. Dabei stellt er die unterschiedlichen Erwartungen und damit verbundenen Interessenskonflikte dar: Während Pateneltern Dankbarkeit erwarten, müssten Kinder eigentlich nicht dankbar für die Einhaltung ihres Menschenrechts auf Bildung sein. Deshalb solle durch „KlassenpatInnenschaft“ weniger Fokus auf einzelne Kinder, sondern auf Bildung als Menschenrecht gesetzt werden.

 

Kinderarbeit im System des Fairen Handels

 

 

Auch die Diplomarbeit von Sonja Hofstetter und Helene Hanel beschäftigt sich mit den Rechten von Kindern im globalen Süden: Sie gingen der Frage nach, welche Bedeutung Kinderarbeit im System des „Fairen Handels“ habe. Jurymitglied Helmuth Hartmeyer (Beirat Paulo Freire Zentrum, Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien und Vorsitzender des Global Education Network Europe) betonte die Relevanz der Frage nach Produktionsbedingungen, lobte die methodische Vorgehensweise und die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Forschungsprozess. Die Idee der Arbeit sei durch den Schulzweig Sozialmanagement sowie ein Praktikum in einem Weltladen entstanden, so die SchülerInnen. Aufbauend auf die Arbeit entwickelten sie außerdem ein Konzept zur Bewusstseinsbildung an Volksschulen zu Kinderrechten, Armut, Bildung und fairem Handel. In Zukunft möchten sie sich im Bereich der internationalen Entwicklung engagieren, so beide Schülerinnen im anschließenden Gespräch.

 

Wieso Kinderarbeit nicht pauschal verurteilt werden darf

 

 

Aaron Calzadilla widmete sich ebenfalls dem Thema Kinderarbeit und dem Beschluss des bolivianischen Parlaments, Kinderarbeit zu legalisieren. Das Gesetz wurde in vielen Medien diskutiert und international kritisiert. Jurymitglied Werner Raza (ÖFSE) lobte die Entscheidung des Schülers, nicht in die Empörung mit einzustimmen, sondern eine differenziertere Forschungsarbeit anzugehen. In dieser kommt Calzadilla zum Ergebnis, dass Kinderarbeit nicht pauschal verurteilt werden darf. Kinderarbeit sei für das Überleben zahlreicher Familien in Bolivien wichtig. Deshalb müssten Familien durch Sozialleistungen unterstützt werden, um Kinderarbeit zu verhindern. Calzadilla machte deutlich: „Das Thema wird mich weiterhin verfolgen“. So möchte er bei seiner nächsten Bolivien-Reise Kontakt zu Kindergewerkschaften aufnehmen. Außerdem habe er Interesse an einem Studium im Bereich „Internationale Entwicklung“.

 

Feierliche Wertschätzung

 

 

Nach der Preisübergabe luden die Live-Musik der Band Paradisco und das reichhaltige Buffet zum informellen Austausch ein. In dieser feierlichen Atmosphäre wurde den SchülerInnen Wertschätzung für deren Auseinandersetzung mit Themen der internationalen Entwicklung entgegengebracht.

 

Von Barabara Groß

 

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung an der Universität Wien und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. redaktion@pfz.at

 

Nähere Infos zum C3-Award 2016

 

Mit freundlicher Unterstützung der OEZA

 

 

 

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