Montag 23. April 2018
Schwerpunktredaktion: Nicolas Schlitz, Stefan Laser

JEP 2019-1 Müll und globalisierte Ungleichheiten

(English version below)

 

Call for Papers, Dezember 2017

 

Kapitalistische Verhältnisse und transnationale Produktionsnetzwerke haben sich in den letzten 30 Jahren stark verändert und ausgedehnt. Damit einher ging ein exponentielles Wachstum – auch von entsorgten Materialien. Das resultierende ‚Müllproblem‘ manifestiert sich in verschiedensten Abfallmaterialien, hat multiple Ausdrucksformen gefunden und an unterschiedlichen Orten zu stark variierenden Formen der Abfallhandhabung geführt. In diesem Themenheft wollen wir die unterschiedlichen Perspektiven auf Müll für das Thema Ungleichheiten schärfen. Vorhandene Studien haben die ungleiche Einkommensverteilung entlang von globalen Wertketten des Mülls untersucht oder intersektionelle Machtverhältnisse innerhalb der Abfall- und Recyclingwirtschaft aufgedeckt. Aber die Mechanismen, durch die intersektionelle Machtverhältnisse und soziale Ungleichheiten miteinander verwoben und global stabilisiert werden, erfordern weiterhin Erklärung.
Die Arbeiten innerhalb der waste studies haben bereits die millionenschwere Industrie gefährlicher Abfälle untersucht, sie haben auf alternative Praktiken der Abfallhandhabung durch marginalisierte Gruppen aufmerksam gemacht, und sie sind auf die Auswirkungen von großen, kapital- und technologieintensiven Abfallinfrastrukturen eingegangen (die von internationalen Finanzinstitutionen im Namen der „Entwicklung“ vorangetrieben werden). Dabei erscheint Müll als mobile und schwer zu fassenden Entität, die sich den Versuchen einer Definition und Fixierung entzieht. Denn was zu Müll wird, ist von der Unterscheidung und Klassifizierung von Dingen genauso abhängig wie von den Ungleichheiten zwischen Menschen und Wertregimen. An dieser Stelle erfordern (mindestens) drei Spannungslinien eine vertiefende Analyse:

(1) Räumliche Transgressionen und materielle Metamorphosen von Müllströmen und Recyclingnetzwerken
(2) Informalität und umkämpfte Prozesse der Formalisierung
(3) Das Verhältnis von Müll, Arbeit und Wert(-ordnungen)
 
Willkommen sind (unter anderem) Beiträge zu den Themen:


- Recyclingnetzwerke, Logistik und der globale Handel mit Müll
- Multilokale und Einzelfallstudien
- Das Basler Übereinkommen und die Verbreitung von Giftstoffen
- Abfallspezifische Konflikte und Umweltgerechtigkeit
- Recyclingökonomien und die Forderung von informalisierten Recyclingakteur*innen nach Anerkennung und Inklusion
- Umkämpfte Prozesse der Formalisierung informeller Abfallwirtschaft
- Privatisierung öffentlicher Abfallhandhabung und Public-private-Partnerships
- Abfallinfrastrukturen und Widerstände gegen Refuse Derived Fuel und Waste-to-Energy-Projekte
- Finanzialisierung und Technologisierung der Abfallwirtschaft
- Wertordnungen und konkurrierende Bewertungspraktiken
- Infrastrukturierung von Ungleichheiten, wie in den Science and Technology Studies diskutiert
 
 
Einreichfristen: Abstracts sollen nicht mehr als 300 Wörter umfassen und sind bis zum 28. Januar 2018 an global-waste@uni-osnabrueck.de zu schicken. Die Autor*innen der ausgewählten Abstracts werden bis zum 12. Februar 2018 verständigt. Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden.
 
Die Frist zur Einreichung der vollständigen Artikel (6.000 Wörter/40.000 Zeichen) ist der 22. April 2018.

 

 

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Special Issue Editor: Nicolas Schlitz, Stefan Laser

JEP 2019-1 Waste and globalised inequalities

 

Call for Papers, December 2017

 

Global capitalism and its transnational production networks have grown and changed drastically during the last three decades. This was coupled with an exponential growth, also of waste. The resultant ‘waste problem’ involved various types of waste, found different articulations and provoked variegated practices of waste handling at multiple sites. In this special issue we want to discuss multiple perspectives of waste through the focus on inequalities. Existing studies have investigated the unequal distributions of wealth along the value chains of waste or unraveled the intersectional hierarchies at work in waste management and recycling. However, the mechanisms by which intersectional hierarchies and social inequalities are stabilised and intertwined globally still require further investigation.
In the field of waste studies, scholars tracked the billion-dollar industries of hazardous waste, drew attention to alternative practices of waste handling by marginalised communities, and addressed the impact of large-scale, capital- and technology-intensive waste infrastructures (often promoted by international financial institutions in the name of development). Waste thus appears as a mobile and slippery entity that escapes attempts to define and fix it. Indeed, it really hinges on differences as regards objects, and inequalities between people and value orders. However, there are (at least) three points of friction which require further attention.
(1) Spatial and material transgressions of waste flows and recycling networks, especially with regard to the invocation, reestablishment or challenge of globalised inequalities
(2) Informality and (un)contested processes of formalisation, and how they resonate with the renegotiation and reinforcement of intersectional hierarchies and capitalist social relations
(3) The relations between waste, work and value (orders)
 
Drawing on these frictions, we would appreciate (amongst other) contributions on:


- Recycling networks, logistics and the global trade in waste
- Single-site or multi-site case studies
- The Basel Convention and the proliferation of toxicants
- Waste-related conflicts and environmental justice
- Recycling economies and informalised recycling agents’ call for recognition and inclusion
- Contradictory processes of formalisation and integration of informal waste handling
- Public-private partnerships and the privatisation of municipal solid waste management
- Waste infrastructures and resistance to refuse-derived fuels and waste-to-energy projects
- Financialisation and technologisation of waste management
- Value regimes and competing practices of valuation
- Infrastructuring of inequality, as discussed in the field of science and technology studies
 
Deadlines: Abstracts of no more than 300 words should be sent to global-waste@uni-osnabrueck.de  by January 28, 2018. Authors of selected abstracts will receive a notification by February 12, 2018. Papers may be submitted in German or English.


The deadline for submitting the full paper (6,000 words/40,000 characters) is April 22, 2018.

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