Freitag 19. Oktober 2018
Zur Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts.
Hermann Mückler, Gerald Faschingeder (Hg.)

Tradition und Traditionalismen. Zur Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts

Der Band greift Beispiele aus den Bereichen Europäische Ethnologie, Entwicklungsforschung, Kultur- und Sozialanthropologie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte auf, um ein vielschichtiges Bild von Zugängen zu Tradition und Traditionalismus zu erhalten.

Die AutorInnen beschäftigen sich mit dem beobachtbaren Bedeutungszuwachs von Tradition in den unterschiedlichsten Gesellschaften. Mit dem „Wiedererwachen der Tradition“ meinen sie die Rückbesinnung auf sogenannte traditionelle Werte in entkolonisierten Gesellschaften außerhalb Europas, aber auch den ehemaligen sozialistischen Ländern Zentral- und Osteuropas. Desillusionierung und Unzufriedenheit mit nicht erfüllten Erwartungen im Rahmen von Unabhängigkeitsbestrebungen haben zu einem „Revival of Tradition“ geführt, das kritisch hinterfragt werden muss.

Tradition bezeichnet eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte, Traditionalismus hingegen die Instrumentalisierung bestimmter Praktiken und kultureller Manifestationen. Auch in den westlichen Gesellschaften zeichnet sich ein veränderter Umgang mit dem ab, was man als traditionell bezeichnen will und kann. Anhand von Beispielen aus Europa und Übersee werden grundlegende Zugänge, Konzepte und Kontextualisierungen analysiert.
Einen zentralen Aspekt stellt dabei die Instrumentalisierung von Tradition zum Zwecke des Machterhalts bzw. der Wiedererlangung von Macht und Herrschaft lokaler Eliten dar. Das Zurückdrängen mühsam erworbener Rechte – beispielsweise eine verfassungsmäßig garantierte Gleichstellung der Frau in vielen außereuropäischen Gesellschaften – ist ein Kennzeichen dieser Dynamik. Dass Traditionen – auch – „erfunden“ werden, ist ein Kernelement der Ethnizitäts- und Identitätsdiskussion in den Sozialwissenschaften, wo die konstituierenden Elemente des Phänomens ebenso wie die Begrifflichkeit von verschiedenen Seiten her einer theoriegeleiteten Analyse unterzogen werden.

 

 

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Inhalt

 

Hermann MÜCKLER
Einführung. Tradition und Traditionalismus
Zur Rolle und Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts

Hakan GÜRSES
Verzeitlichung – Entzeitlichung
Zur Rolle der Texthermeneutik bei der Konstruktion von Traditionen

 

Gerald FASCHINGEDER
Religiöse Traditionalismen
Die Fundamente des 19. Jahrhunderts

Andreas EXENBERGER
Wandelbare Tradition
Wie Benennungen Identitäten und historische Realitäten schaffen

 

Franz GRIESHOFER
Der Umgang der Volkskunde/Europäischen Ethnologie mit dem Begriff „Tradition“

 

Andreas OBERHOFER
Taditionen um ‚Anno neun‘ und ihr Zusammenhang mit gängigen Tirol-Klischees
Warum Andreas Hofer niemals UNESCO-Weltkulturerbe werden wird

 

Eric PFEIFER
„Ich tue eine große vaterländische Tat.“ (Carl Peters)
Traditionalisierungsprozesse im Spannungsfeld von Kolonialismus und Nationalismus 1871–1943

 

Hermann MÜCKLER
Tradition und Traditionalismus in der Kultur- und Sozialanthropologie
Zugänge, Perspektiven und ein Beispiel aus Ozeanien

 

Gabriele WEICHART
Indigene Kunst, Kultur und Tradition in Australien

 

Nikolaj GRILC
Jugonostalgie
Eine Erinnerungskultur in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und in der Diaspora

 

Richard TRAPPL
Von der „Anti-Konfuzius Kampagne“ zur Gründung der „Konfuzius-Institute“ in China
Theorie und Praxis zwischen Traditionalismus, Wertewandel und Instrumentalisierung

 

Marie-France CHEVRON
Die Materialität der Tradition
Traditionalisierungen im Alltag zwischen Ökonomie und Identitätsfindung

 

Susanne KLIEN, Patrick NEVELING
Die Dekonstruktion von Traditionen als Macht- und Klassenfrage
Eine Präzisierung des Erfindungsparadigmas


 

HerausgeberInnen

Hermann MÜCKLER, geboren 1964,  ist Professor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien mit Fokus auf (ethno-)historische und politisch-ethnologische Themen sowie Kolonialismusforschung. Im Promedia Verlag ist von ihm erschienen: „Fidschi. Das Ende eines Südseeparadieses“ (2001).

Gerald FASCHINGEDER, geboren 1972, ist Direktor des Paulo Freire Zentrums der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Entwicklungsforschung, Kultur und Entwicklung, Religion und Entwicklung.

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