Freitag 19. Oktober 2018
Periphere Staatlichkeit. Kritische Staatstheorie des globalen Südens
Volume XXIV • Issue 2 • 2008
Periphere Staatlichkeit. Kritische Staatstheorie des globalen Südens

Nachdem im Zuge von Globalisierungstheorien der Staat in den Sozialwissenschaften lange Zeit als irrelevante Größe angesehen wurde, zeichnet sich in den vergangenen zehn Jahren eine Renaissance der Auseinandersetzung mit dem Staat ab. Oft prägen jedoch Beispiele der OECD-Welt die Debatte. Formen von Staatlichkeit, die an der Peripherie bzw. im globalen Süden vorfindbar sind, werfen allerdings eine Reihe grundlegender Fragen auf: Gibt es spezifische Formen peripherer Staatlichkeit? Und wenn ja, was sind die Parameter ihrer Entstehung und Entwicklung? Der vorliegende Band unternimmt eine Bestandsaufnahme und kritische Aktualisierung zentraler theoretischer Debatten, u.a. der Dependencia, und beleuchtet an ausgewählten Fallbeispielen (Argentinien, Brasilien, Südafrika, Jordanien und Birma) Strukturen und Phänomene peripherer Staatlichkeit.

 

Schwerpunktredaktion: Ilker Ataç, Katharina Lenner, Wolfram Schaffar

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Ataç, Ilker; Lenner, Katharina; Schaffar, Wolfram

Kritische Staatsanalyse(n) des globalen Südens

  • Abstract

Editorial

Becker, Joachim

Der kapitalistische Staat in der Peripherie: polit-ökonomische Perspektiven

Sprache: DEUTSCHSeiten: 10-32https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-24-2-10
  • Abstract

Der Aufsatz stellt Elemente einer kritischen Theorie des peripherkapitalistischen Staates aus Sicht einer polit-ökonomischen Perspektive vor. Er bezieht sich auf frühere dependenztheoretische Debatten sowie im Hinblick auf die Akkumulation auf die Regulationstheorie. Es wird die These vertreten, das Extraversion der Ökonomie und sozio-strukturelle Heterogenität einen maßgeblichen Einfluss auf die Interessenformierung in der (gramscianisch verstandenen) Zivilgesellschaft und auf die strategische Selektivität des Staates haben. Die Zivilgesellschaft ist im Vergleich zum Zentrum eher schwach, während Zwang und/oder klientelistischen Praktiken eine zentrale Bedeutung in Herrschaftsprojekten und -prak-
tiken zukommen. Wegen der relativen Schwäche der Zivilgesellschaft ist der Zugang zu den staatlichen Entscheidungszentren besonders hart umkämpft.

Schaffar, Wolfram

Birma: gescheiterter Staat oder (neue) Form peripherer Staatlichkeit

Sprache: DEUTSCHSeiten: 33-62https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-24-2-33
  • Abstract

In zahlreichen Publikationen erscheint Birma als gescheiterter Staat, der nicht in der Lage ist, ein Gewaltmonopol durchzusetzen. Eine genaue Analyse lässt jedoch hinter der Fassade eines failed state ein komplexes Netzwerk an staatlichen und parastaatlichen Akteuren erkennen, das sowohl dauerhaft als auch funktional in dem Sinne ist, dass es eine bestimmte Form von Akkumulation ermöglicht. Parallelen zu Kolumbien und afrikanischen Staaten lassen hier ein Muster von peripherer Staatlichkeit aufscheinen, das einer kritischen Analyse bedarf: Zum einen müssen die Akteure benannt werden, die diese Form von Staatlichkeit herbeigeführt haben und davon profitieren, zum anderen muss die Rolle dieser Regionen in einer global vernetzten Ökonomie analysiert werden.

Lenner, Katharina

Abhängige Staatlichkeit als umkämpftes Terrain - Politische Ökonomie und Repräsentationsformen in Jordanien seit 1989

Sprache: DEUTSCHSeiten: 63-91https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-24-2-63
  • Abstract

Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung der Staatsformen in Jordanien seit 1989. Er plädiert dafür, im Anschluss an Poulantzas und Jessop ein feineres theoretisches Instrumentarium zur Analyse abhängiger Staatlichkeit und Politik zu entwickeln. Anhand des jordanischen Beispiels wird argumentiert, dass nationalstaatliche AkteurInnen auch in einem abhängigen Staat internationalen Maßgaben nicht passiv ausgeliefert sind, sondern sich strategisch auf sie beziehen. Neben polit-ökonomischen Veränderungen wird auch der Wandel staatlicher Repräsentationsformen näher beleuchtet, der einen zentralen Aspekt der Transformation von Staatlichkeit in Jordanien bildet. Er macht verständlicher, warum sich in Jordanien, anders als in vergleichbaren Staaten des Südens, bislang keine Bewegung gegen neoliberale Politik formiert hat.

Schwank, Oliver

Limits to a Development Regime in South Africa - Industrial Policy Revisited

Sprache: ENGLISHSeiten: 92-115https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-24-2-92
  • Abstract

The recent shift in South African economic policy towards a more interventionist regime has sparked new academic interest in the concept of the developmental state within the South African context. This paper aims to shed light on whether the South African state has the capacity to be developmental, while at the same time broadening the academic debate by tackling conceptual issues. The theoretical ambiguity of the notion of the developmental state leaves ample room for interpretation. Critical omissions are an explicit class analysis and a consideration of the specific system of accumulation in place. In a political context, this ambiguity can be exploited by competing factions, as evidenced in the ongoing internal conflict in South Africa’s ruling party. In other words, ‘developmental state’ means different things to different people and these contrasting interpretations have played a significant role in South African party politics. In order to understand these debates, we must look at the underlying class interests and the accumulation
regime that has shaped them. An analysis of South African industrial policy will show that conflicting interests and the resulting competing visions of the developmental state have led to an incoherent policy and lie at the heart of capacity and coherence problems that impede the South African developmental state.

Leubolt, Bernhard; Tittor, Anne

Semi-periphere Sozialstaatlichkeit in Lateinamerika: Argentinien und Brasilien im historischen Vergleich

Sprache: DEUTSCHSeiten: 116-141https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-24-2-116
  • Abstract

Ausgehend von gramscianischen und institutionalistischen Perspektiven zu Wohlfahrtsregimes in Lateinamerika, vergleichen wir die Entwicklung von Sozialstaatlichkeit in Argentinien und Brasilien seit den 1930er Jahren. Das Hauptaugenmerk gilt den liberalen Transformationen der 1980er und 1990er Jahre und den aktuellen Veränderungen seit 2002. Dabei heben wir besonders die Bedeutung sozialer Auseinandersetzungen hervor, die zur Entwicklung neuartiger Formen der Sozialstaatlichkeit führen sowie deren Auswirkungen auf die strategische Selektivität der staatlichen Institutionen in der Semi-Peripherie. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Debatte um Universalismus vs. Treffsicherheit sowie der Befriedung von Widerstand mittels passiver Revolutionen.

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