Montag 23. April 2018
EntwicklungsexpertInnen
Volume XXVI • Issue 3 • 2010
EntwicklungsexpertInnen

Entwicklungshilfe kann zu jenen großen Unternehmungen gezählt werden, die Einstellungen über die Welt und entsprechende Praktiken verbreiten. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert soll die Entsendung von ExpertInnen Entwicklung in jenen Gesellschaften befördern, die eine solche Intervention aufgrund von vermeintlichen Entwicklungsrückständen nötig zu haben scheinen. Entwicklungshilfe erfolgt nicht nur über den Transfer von Geldern und von Gütern, sondern auch über die Entsendung von Personen, die ihre Einstellungen und Lebensweisen mitbringen. Dieses Heft beschäftigt sich mit den vor Ort agierenden ExpertInnen der Entwicklungshilfesysteme in West und Ost. Die Beiträge konzentrieren sich auf die Lebenssituation dieser „nomadischen“ SendbotInnen von Entwicklung, auf ihre Probleme in der Zusammenarbeit mit lokalen PartnerInnen, auf die Kritikpunkte, die an ihnen geäußert wurden, und daraus abgeleitete Verbesserungsbemühungen sowie auf die Spuren, welche ihr Einsatz in ihrer lebensgeschichtlichen Erinnerung hinterlassen hat.

 

Schwerpunktredaktion: Berthold Unfried

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Unfried, Berthold

EntwicklungsexpertInnen: Andere entwickeln. Sich selbst entwickeln?

Sprache: DEUTSCHSeiten: 4-13https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-4
  • Abstract

Einleitung

Hüsken, Thomas

Outside the Whale: The Contested Life and Work of Development Experts

Sprache: ENGLISHSeiten: 14-28https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-14
  • Abstract

This article refers to those processes of development that take place in practice in specific projects and programmes. I understand these realms as a particular sphere of action that establishes ideologies and practices, which often differ from the official development discourse. Here, development experts are not architects or masters of change protected by a secure and powerful institutional framework. On the contrary, they are thrown into a stormy sea of cultural norms and identity constructions in flux, into dynamic societies, and even more so into polycentric currents of social, political and economic interests and power relations. Thus, they become actors in a dynamic and controversial process we call development.

Büschel, Hubertus

Die Moral der ExpertInnen: Krise und Reformen in der westdeutschen „Entwicklungshilfe“ und der ostdeutschen „Solidarität“ in Afrika südlich der Sahara der 1960er und 1970er Jahre

Sprache: DEUTSCHSeiten: 29-49https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-29
  • Abstract

Der Artikel geht aus von der Kritik an west- und ostdeutschen EntwicklungsexpertInnen in der „Entwicklungshilfe“ und „internationalen Solidarität“ der 1960er und 1970er Jahre in Afrika südlich der Sahara, die sowohl in Ländern des Nordens als auch des Südens vorgebracht wurde. Er fragt nach den Formen jener Kritik und nach Reformen in Ausbildung und Auswahl der Fachkräfte, die ab Ende der 1960er Jahre ganz besonders vehement einsetzten. Er zeigt, dass paradoxerweise gerade das Bemühen, die „Moral“ der ExpertInnen und ihre interkulturellen Kompetenzen zu heben, Vorstellungen von vermeintlicher kultureller „Andersartigkeit“ und „Unterentwicklung“ in Afrika südlich der Sahara befestigt hat und dass dadurch auch Vorurteile und rassistische Zugangsweisen unterstützt, wenn nicht gar hervorgerufen wurden.

Spies, Eva

Exportgut partizipative Entwicklung: Eine global anwendbare Form des Fremdverstehens?

Sprache: DEUTSCHSeiten: 50-72https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-50
  • Abstract

Das Modell der „partizipative Entwicklung“ impliziert normative und paradoxe Handlungsvorgaben für „angemessene“ Interaktionen zwischen EntwicklerInnen mit zu Entwickelnden, die sich nicht ohne weiteres in verschiedene Kontexte übertragen lassen. Anhand der Ergebnisse einer ethnologischen Feldforschung in Niger zeigt der Artikel, wie internationale ExpertInnen versuchen, sowohl ihre beruflichen als auch ihre privaten Kontakte zur lokalen Bevölkerung entlang dieser partizipativen Ethik des Fremdverstehens zu gestalten und welchen Schwierigkeiten sie dabei begegnen. Ich argumentiere, dass die widersprüchlichen Handlungsvorgaben für den Umgang mit der Differenz zu den „Anderen“ in der Entwicklungsbeziehung oft dazu führten, dass westliche EntwicklungsexpertInnen Kontakte zu NigerInnen als kaum zu lösendes Dilemma erlebten. Da die Versuche, ihr moralisches Wissen im Rahmen interkultureller Kontakte anzuwenden, häufig scheiterten, zogen es viele EntwicklerInnen vor, sich von Kontakten zurückzuziehen, um auf diese Weise potentiell problematische Situationen zu vermeiden.

Altorfer-Ong, Alicia

They came as brothers, not masters: Chinese experts in Tanzania in the 1960s and 1970s

Sprache: ENGLISHSeiten: 73-94https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-73
  • Abstract

The People’s Republic of China and the Republic of Tanzania shared an ostensibly similar political objective in the 1960s: the pursuit of socialist development. As part of its drive to promote internationalist solidarity, Beijing despatched a range of experts to Tanzania and elsewhere in Africa to undertake development projects. Their encounters with members of the recipient communities were shaped by cultural mores and expectations at the interpersonal level and proved to be points of engagement as well as contention. This study uses a historical lens to elucidate the role of the Chinese experts as agents of knowledge dissemination in Tanzania and focuses on the ‘soft’ side of south-south cooperation. Based on historical data from the 1960s and 1970s, this contribution’s conclusions emphasise the primary role of culture in shaping understandings of development, as well as the critical importance that cross-cultural issues have on the transmission and appreciation of knowledge at the most basic interpersonal level.

Hödl, Gerald

„Es tut mir nicht leid, dass ich's gemacht hab’“. Eine „Oral History“ der österreichischen Entwicklungshilfe

Sprache: DEUTSCHSeiten: 95-118https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-3-95
  • Abstract

Der Aufsatz unternimmt den Versuch, die Geschichte von Entwicklung weniger als Geschichte von Ideen und Konzepten, sondern aus derPerspektive (einiger) ihrer PraktikerInnen zu schreiben. Er basiert auf mehrals zwanzig Oral-History-Interviews mit ÖsterreicherInnen, die in den1960er und 1970er Jahren als EntwicklungshelferInnen vor allem in Afrikaund Lateinamerika tätig waren. Die Analyse dieser Gespräche ermöglichtEinblicke in die ersten Jahrzehnte der österreichischen Entwicklungshilfe,und zwar sowohl auf persönlicher (Motivation, Identität) als auch auf institutioneller Ebene. Der Aufsatz versucht, die Geschichte dieser heterogenenGruppe von Fachleuten (LehrerInnen, IngenieurInnen, SozialarbeiterInnenund andere) nachzuzeichnen, und untersucht, wie sich die Interviewten andiesen wichtigen Teil ihrer Biographie erinnern und wie sie diese Lebensphase bewerten.

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