Sonntag 21. Januar 2018
Think-Tanks und Entwicklung
Volume XXVI • Issue 2 • 2010
Think-Tanks und Entwicklung

Seit über einer Dekade wird, ausgehend von Initiativen der Weltbank, eine neue globale „Wissensordnung“ proklamiert. Seither haben Forschung und Beratung im Hinblick auf die internationale Entwicklungspolitik an Bedeutung gewonnen. Expertise soll dabei vermehrt aus dem globalen Süden kommen und Forschungsnetzwerke und NGOs mehr an der Politikformulierung beteiligt werden. Die Gründung des Global Development Network, einem weltweiten Verbund von WissenschaftlerInnen und Think-Tanks, Ende der 1990er Jahre kann als Ausdruck und Medium dieser Entwicklung gelten. Quantitative und qualitative Analysen deuten jedoch auf die fortgesetzte globale Asymmetrie und Hierarchie in Diskurs- und Politiknetzwerken hin. Die zahlreichen Think-Tanks und Think-TankNetzwerke können also erst im Zusammenhang mit den sie tragenden Interessen verstanden und erklärt werden. Die Beiträge des Heftes begründen den dringenden Bedarf einer unabhängigen kritischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Elementen der neuen Wissensordnung.

 

Schwerpunktredaktion: Dieter Plehwe

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Plehwe, Dieter

Editorial: Think-Tanks und Entwicklung

  • Abstract

Editorial

Plehwe, Dieter

Think-Tanks und Entwicklung: Bessere Integration von Wissenschaft und Gesellschaft?

Sprache: DEUTSCHSeiten: 9-37https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-2-9
  • Abstract

Vor dem Hintergrund aktueller Initiativen zur Förderung von entwicklungspolitischen Think-Tanks in ausgewählten Ländern des Südens stellt der Aufsatz die Diskurskoalitionstheorie als vielversprechenden Rahmen zur Erforschung von Think-Tank-Netzwerken vor. Zu diesem Zweck werden neuere Beiträge der historischen Wissenschaftsforschung und der noch jungen Think-Tank-Forschung rekapituliert. In Anbetracht ungleicher Entwicklungen von weltanschaulichen und thematischen Think-TankNetzwerken in der Entwicklungszusammenarbeit erweist sich die wohlwollende Beschreibung der gegenwärtigen Reorganisation von Forschung und Beratung als verbesserte Integration von Wissenschaft und Gesellschaft als unzutreffend bzw. unzureichend. Globale Think-Tank-Netzwerke bieten eine ergiebige Empirie zur Erforschung von transnationalen Diskursgemeinschaften und -koalitionen, die systematischer erschlossen werden muss.

Schlögl, Matthias

Das Global Development Network (GDN): Ein globales Entwicklungsnetzwerk? Eine quantitative Annäherung

Sprache: DEUTSCHSeiten: 38-62https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-2-38
  • Abstract

Eigenen Vorgaben zufolge versucht das Global Development Network (GDN) wissenschaftliche Forschung im globalen Süden zu unterstützen. In diesem Beitrag werden die umfangreichen Datenbanken des GDN, die so genannte Knowledge Base, im Hinblick auf die geografische und auch fachliche Verteilung von ForscherInnen, Organisationen und Publikationen untersucht, um die wichtigsten Konturen der Struktur des Netzwerkes darzustellen. Das Resultat macht deutlich, dass das GDN seine eigenen Ziele bislang klar verfehlt hat, insofern strukturelle Ungleichgewichte den Norden klar gegenüber dem Süden begünstigen.

Nölke, Andreas

Grenzen des Einflusses transnationaler Politiknetzwerke: Die Offenheit der Bretton-Woods-Zwillinge für Advocacy-Nichtregierungsorganisationen

Sprache: DEUTSCHSeiten: 63-84https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-2-63
  • Abstract

Die Führungsrolle der Weltbank in der internationalen Entwicklungsdiskussion beruht seit langem auch auf ihrer Fähigkeit, globale Netzwerke zu weben und damit die Ressourcen vieler AkteurInnen zur Durchsetzung ihrer Entwicklungsstrategien zu bündeln. Gleichzeitig verwandelt diese Führungsrolle die Weltbank in das bevorzugte Angriffsziel transnationaler Netzwerke, die über die Beeinflussung der Weltbank ihre Anliegen nachhaltig in die internationale Entwicklungsagenda einzubringen suchen. Im Brennpunkt des vorliegenden Beitrags stehen die Bemühungen transnationaler Advocacy-Nichtregierungsorganisationen zur Verankerung ihrer Anliegen in den Statuten und Strukturen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Anhand eines Vergleichs der An- und Einbindung von externen AkteurInnen werden die Voraussetzungen für die Einbringung von Interessen in diesen globalen Institutionen herausgearbeitet.

Weidner, Helmut

Politisierung der Weltbank am Beispiel des Bergbausektors

Sprache: DEUTSCHSeiten: 85-111https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-26-2-85
  • Abstract

Sowohl die Weltbank als auch zahlreiche große Bergbauunternehmen reagierten auf den Druck einer globalen Protestbewegung seit den 1980er Jahren mit teils so weitgehenden industriellen und programmatischen Maßnahmen, dass von einem erfolgreichen Politisierungsprozess gesprochen werden kann. Sieht man indessen auf die hierdurch erzielten, einer nachhaltigen Entwicklung dienenden realen institutionellen Effekte in diesem Bereich im Sinne von outcome und impact, dann relativiert sich der Politisierungserfolg erheblich.

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