Sonntag 21. Januar 2018
Gutes Leben für alle: Ein europäisches Entwicklungsmodell
Volume XXIX • Issue 3 • 2013
Ein europäisches Entwicklungsmodell

Das vorliegende Schwerpunktheft widmet sich der Analyse Europas mithilfe einer lateinamerikanischen Brille. Dependenztheorie, die Utopie des guten Lebens (buen vivir) und praktische Erfahrungen des Bündnisses von Bewegungen und Reformregierungen werden nutzbar gemacht, um gegenwärtige Probleme bei uns besser zu verstehen. Dieser auf gegenseitiges Lernen ausgerichtete Zugang ist deshalb so wichtig, weil sich die Anzeichen mehren, dass die Grenzziehungen zwischen dem Zentrum und der Peripherie der Weltwirtschaft ins Wanken geraten sind. Ungleiche Entwicklung nimmt neue Formen an. Während sich Teile Europas „brasilianisieren“ im Sinne der Herausbildung von ungleichen Entwicklungsdynamiken innerhalb eines Territoriums, beobachten wir gleichzeitig, wie sich Lateinamerika ein Stück weit „ent-brasilianisiert“, das heißt politische Strategien umsetzt, die die strukturelle Heterogenität im eigenen Territorium verringert.

 

Schwerpunktredaktion: Andreas Novy

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Novy, Andreas

Quo Vadis, Europa? Von der Peripherie lernen

  • Abstract

Einleitung

Fischer, Karin

Peripherisierung, Industrialisierung und Abhängigkeit: die Frage nach den Hemmnissen gelungener Entwicklung

Sprache: DEUTSCHSeiten: 9-33https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-3-9
  • Abstract

In dem Beitrag werden die theoretischen und entwicklungsstrategischen Konzepte des lateinamerikanischen Strukturalismus und der Dependenzschule vorgestellt und in ihre Entstehungskontexte eingebettet. Im Anschluss daran wird geprüft, inwieweit diese für die Analyse und Erklärung der Weltungleichheitsordnung und insbesondere für die krisenhafte Integrationsdynamik der Europäischen Union Relevanz besitzen. Am Beispiel zentraler Konzepte, unter anderem Peripherisierung, strukturelle Heterogenität und peripherer Kapitalismus, wird gezeigt, dass diese in der Lage sind, gegenwärtige Raumhierarchien und Peripherie-Profile in der EU angemessen zu beschreiben. Auch die politischen Vorschläge, die die lateinamerikanischen Intellektuellen auf Basis ihrer Analysen entwickelt haben, können nach Meinung der Autorin wichtige Impulse für die Diskussion über Alternativen zum gegenwärtigen neoliberalen Integrationsmodus der EU geben. Konzepte wie das der endogenen Entwicklung und der kollektiven Self-Reliance zeigen einen Vektor für eine Transformation an, die allerdings unter den herrschenden Kräfteverhältnissen vorerst eine normative Utopie bleibt.

Becker, Joachim; Jäger, Johannes; Weissenbacher, Rudy

Abhängige Finanzialisierung und ungleiche Entwicklung: Zentrum und Peripherie im europäischen Integrationsprozess

Sprache: DEUTSCHSeiten: 34-54https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-3-34
  • Abstract

Der Artikel diskutiert Entwicklungsmodelle im Zentrum und der Peripherie der EU sowie deren Krise im Lichte kritischer lateinamerikanischer Entwicklungstheorien. Er arbeitet heraus, wie die Integrationspolitik der EU, speziell die monetäre Integration, eine Divergenz der Entwicklungsmuster befördert und in großen Teilen der Peripherie zur Etablierung von Entwicklungsmodellen beigetragen hat, deren Wachstum stark auf abhängiger Finanzialisierung beruhte und mit hohen strukturellen Leistungsbilanzdefiziten und rasch steigender Auslandsverschuldung verbunden war. Derartige Entwicklungsmuster waren nicht durchhaltbar. Die derzeitige Krise war im Integrationsmodell der Vorkrisenzeit angelegt. Abschließend diskutiert der Beitrag mögliche Szenarien der weiteren Entwicklung der EU. Aus dependenztheoretischer Sicht wäre ein Austritt der Peripherieländer aus der Euro-Zone trotz der damit verbundenen Probleme eine potenziell sinnvolle Option.

Schmid, Elisabeth

Theorien zum guten Leben

Sprache: DEUTSCHSeiten: 55-76https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-3-55
  • Abstract

Im vorliegenden Artikel werden Ansätze zum „guten Leben“ aus europäischen und lateinamerikanischen Diskussionen in ihren jeweiligen Kontexten dargestellt, gewürdigt und ihre Bedeutung für aktuelle philosophisch-politische Fragen analysiert. Als Beispiel für das „moderne“ gute Leben wird ein Überblick über Amartya Sens Fähigkeitenansatz gegeben, der wie viele andere derartige Überlegungen auf die aristotelische Glückseligkeit rekurriert. Hauptsächlich fokussiert der Artikel aber die Darstellung der zentralen Ideen und Inhalte eines vielschichtigen Konzepts aus der Peripherie – das buen vivir, das vor allem in Bolivien und Ecuador politische Relevanz erlangt hat und sich als Gegenentwurf zum westlichen Verständnis von Entwicklung als Wachstum versteht. Der Artikel schließt mit einem Vergleich der beiden Konzepte und zieht Schlüsse zum unterschiedlichen Verständnis von Entwicklung und den möglichen Beiträgen der Konzepte für ein gutes Leben für alle.

Novy, Andreas

Ein gutes Leben für alle - ein europäisches Entwicklungsmodell

Sprache: DEUTSCHSeiten: 77-104https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-3-77
  • Abstract

Der Artikel untersucht Möglichkeiten eines öko-solidarischen Entwicklungsmodells für Europa unter Rückgriff auf lateinamerikanische Theorien und Erfahrungen. Die Argumentation erfolgt gemäß des didaktischen Dreischritts von Ist-Soll-Tun. In einem ersten Schritt wird die spezifisch dysfunktionale neoliberale Regulation in Europa analysiert, die Chancen für emanzipatorische Strategien eröffnet. In einem zweiten Schritt wird das gute Leben für alle als konkrete Utopie vorgestellt, die aus Lateinamerika inspiriert ist. Diese Utopie polarisiert Bewegungen, Klassen und Lösungsansätze vor allem dann, wenn es um die Entscheidung geht, ob das gute Leben „für wenige“ oder „für alle“ verwirklicht werden soll. In einem dritten Schritt werden die Herausforderungen für eine pluralistische Suchbewegung, die eine große Transformation umsetzen soll, untersucht.

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