Sonntag 21. Januar 2018
Sexualitäten und Körperpolitik
Volume XXIX • Issue 1 • 2013
Sexualitäten und Körperpolitik

Die Beiträge dieses Bandes analysieren sexualitäts- und körperpolitische Theorien und Praktiken im internationalen Kontext. Welche Bedeutung haben entwicklungspolitische Strategien, wenn es um Sexualität(en) geht? Gibt es solche Strategien überhaupt, ist Sexualität vielleicht ohnedies ein ‚altes‘ Thema der Entwicklungspolitik, sollen oder
müssen Sexualpolitiken in der Analyse internationaler Ungleichheitsverhältnisse eine Rolle spielen? Wie kommen ‚Körper‘ in den Entwicklungsdiskurs, welche Wichtigkeit können oder sollen sie hier haben? In welcher Weise befassen sich ältere und neuere entwicklungspolitische Konzepte mit Konstruktionen von Krankheit und Gesundheit, mit ‚heilen‘ und ‚verstümmelten‘ Körpern, mit reproduktiven Rechten, sexuellen Rechten, Menschenrechten? Was haben Sexualitäten und Körper gar mit (Entwicklungs-)
Ökonomie zu tun? In ihren kritischen Reflexionen dieses Themenfeldes plädieren die Autor_innen für eine Öffnung des ‚entwicklungsforschenden‘ Blickes in Richtung feministischer, postkolonialer, queerer, antirassistischer und intersektioneller Ansätze.

 

Schwerpunktredaktion: Hanna Hacker, Katharina Fritsch u.a.

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Hacker, Hanna; Fritsch, Katharina; Garde, Isabella; Huber, Clemens; Klapeer, Christine

Sex und Körper: "Alte Themen" in der Entwicklungsforschung?

Sprache: DEUTSCHSeiten: 4-11https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-4
  • Abstract

Einleitung

Hacker, Hanna

Who needs [gender] when they can have [sex]? Für eine Kritik der "sexy" Strategien im Entwicklungskontext

Sprache: DEUTSCHSeiten: 12-32https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-12
  • Abstract

Der Beitrag geht der Frage nach, wie das Thema Sexualität seinen Weg in die Entwicklungspolitik und -praxis fand und wie über die Geschichte der Überkeuzungen von ‚Sex‘ und ‚Entwicklung‘ gesprochen wird. Weiters wird eruiert, welche Meister_innenerzählung sich hierzu etabliert haben und wie ihre relevantesten Akteur_innen argumentieren. Ein Schwerpunkt dieser kritischen Rekonstruktion liegt dabei auf den so genannten ‚sexy‘ Strategien des pleasure approach, wie er seit einigen Jahren in Teilen der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert wird. „Who needs [gender] when they can have [sex]?“ rückt hier feministische und antikoloniale Überlegungen ins Zentrum und formuliert einige kritische Thesen zum problematischen, bislang sehr wenig reflektierten Status von Gewalt und Begehren im pleasure-Ansatz.

Klapeer, Christine M.

Sexuelle Rechte als befähigende Verletzungen: Ambivalenzen einer Politik und Sprache der sexuellen (Menschen-)Rechte im Entwicklungskontext

Sprache: DEUTSCHSeiten: 33-51https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-33
  • Abstract

Im Rekurs auf postkoloniale Erkenntnisse zur Interdependenz von modernen Sexualitäts-, Rassen- und Geschlechterdiskursen problematisiert der Beitrag einige zentrale Setzungen einer Politik und Sprache der sexuellen (Menschen-)Rechte im Kontext von ‚Entwicklung‘. Es wird diskutiert, in welcher Weise hier trotz ‚progressiver‘ Intentionen rassialisierte und/oder zivilisationsmissionarische Vorstellungen von der Notwendigkeit einer ‚sexuellen Entwicklung‘ der vermeintlich ‚devianteren‘ und/Sexuelle Rechte als befähigende Verletzungen oder in ‚Traditionen‘ verhafteten ‚Anderen‘ reifiziert werden. Gleichzeitig wird aber auch gezeigt, dass dies keinesfalls bedeutet, dass sexuelle Rechte nicht auch ermächtigende Effekte haben können oder dass Möglichkeiten der (subversiven) Aneignung ausgeschlossen sind. Sexuelle Rechte werden folglich als „befähigende Verletzungen“ (Spivak) analysiert, welche innerhalb einer ambivalenten Gleichzeitigkeit von Ermächtigung/Subversion und Gewalt/Normierung jeweils situativ unterschiedliche Implikationen entfalten (können).

Schönangerer, Bernadette

Enthaltsamkeit, Treue und Moral in der HIV/AIDS-Prävention: Der U.S. President's Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR) im Kontext internationaler Diskussionen um sexuelle Rechte

Sprache: DEUTSCHSeiten: 52-69https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-52
  • Abstract

Mit der Gründung des President’s Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR) 2003 machte die US-Regierung unter George W. Bush HIV/AIDS zum Schwerpunktthema ihrer Entwicklungspolitik. Unter dem Einfluss der religiösen Rechten setzte PEPFAR in der Präventionsarbeit vor allem auf Werte wie Enthaltsamkeit und Treue innerhalb der Ehe, vernachlässigte dabei umfassende Sexualaufklärung und strich Förderungen für Organisationen, die sich für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit Sexarbeiter_innen oder legalen Zugang zu Abtreibungen einsetzten. Der Artikel diskutiert negative Auswirkungen dieser Politik für Frauen und sexuelle Minoritäten und die Rolle der US-Regierung als politisch und finanziell bedeutender Akteur_in, die mit PEPFAR in zentralen Punkten einer Etablierung sexueller Rechte in der internationalen HIV/AIDSArbeit widerspricht.

Fritsch, Katharina

Hautbleichen als dekolonisierende Praxis? Eine Anwendung des Performativitätskonzepts auf die Körperpraxis des Hautbleichenstansanischer Mittelklasse-Frauen

Sprache: DEUTSCHSeiten: 70-89https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-70
  • Abstract

Die Körperpraxis des Hautbleichens wird in den letzten Jahren vermehrt wissenschaftlich sowie medial diskutiert. Unter Bezugnahme auf queere und postkoloniale Konzepte von Performativität nehme ich in diesem Beitrag eine dekolonisierende Perspektive ein. Auf der Basis von Interviews mit tansanischen Mittelklasse-Frauen aus Dar es Salaam wird Hautbleichen in einem Spannungsfeld situiert. Zum einen wird, unter Bezugnahme auf die Konzepte des Waren-Rassismus und Passing, eine Reproduktion bestehender Ungleichheiten entlang der Kategorien ‚Rasse‘, Klasse und Geschlecht nachgezeichnet. Zum anderen wird das Potenzial zur Destabilisierung derzeitiger Konstruktionen von Weißsein und Schwarzsein – verkörpert in der light beauty – aufgezeigt.

Falquet, Jules

Dominique Strauss-Kahn oder die Verknüpfung männlicher mit neoliberaler Gewalt

Sprache: DEUTSCHSeiten: 90-102https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-29-1-90
  • Abstract

Jules Falquets Essay befasst sich aus feministischer und globalisierungskritischer
Sicht mit dem ‚Fall‘ Dominique Strauss-Kahn, also mit dem prominenten sozialdemokratischen Politiker und (damaligen) Direktor des Internationalen Währungsfonds, der im Mai 2011 von einer Angestellten eines New Yorker Luxushotels wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt wurde; der Vorfall offenbarte im Zuge seines großen medialen Aufsehens eine seit vielen Jahren wiederkehrende Verstrickung Strauss-Kahns in Korruptionsvorwürfe wie auch in mehrere, teils gerichtsanhängige Fälle sexueller Ausbeutung von Frauen. Die Autorin verdeutlicht die enge Verbindung zwischen geschlechtsbasierten und neoliberal-ökonomischen Gewaltstrukturen, Ausbeutungsverhältnissen und Prekarisierungspolitiken. Vom Fall Strauss-Kahn bis hin zu den Frauenserienmorden in der mexikanisch-US-amerikanischen Grenzregion wird ersichtlich, dass sexuelle Gewalt aus (vergeschlechtlichten) globalen Ungleichheitsverhältnissen resultiert und sie zugleich reproduziert. Die Straflosigkeit der Akteure stellt ein wesentliches Element dieser internationalen Verflechtungen dar.

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