Sonntag 16. Dezember 2018
Rohstoffpolitik und Entwicklung
Volume XXX • Issue 3 • 2014
Rohstoffpolitik und Entwicklung

In den letzten fünfzehn Jahren kam es weltweit zu einem Rohstoffboom, der in seinen Konsequenzen mit der Rohstoffkrise der 1970er Jahre vergleichbar ist und als potenzieller Wendepunkt der internationalen Arbeitsteilung betrachtet werden kann. Viele Regierungen des globalen Südens nutz(t)en den neu entfachten Wettstreit der alten und neuen Industriestaaten um Ressourcen, um ihre Position innerhalb der globalen Wertschöpfungsketten zu verbessern. In diesem Heft werden grundlegende Zusammenhänge zwischen Rohstoffpolitik und Entwicklung mit Rückgriff auf theoretische Perspektiven und Konzepte des ungleichen Tauschs, der globalen Güterkettenforschung sowie des (Neo-) Extraktivismus analysiert. Die Beiträge erarbeiten theoretische Verbindungen und Abgrenzungen zwischen diesen Perspektiven und veranschaulichen diese am Bauxitbergbau in Guinea, der politökonomischen Entwicklung in Lateinamerika, dem Rohstoffhandel der DDR, der Palmölproduktion in Indonesien sowie der EU-Rohstoffinitiative in Bezug auf Afrika.

 

Schwerpunktredaktion: Melanie Pichler, Johannes Knierzinger

Print ISSN: 0258-2384│Online ISSN: 2414-3197

 

 

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Inhalt dieser Ausgabe
Pichler, Melanie; Knierzinger, Johannes

Globale Rohstoffpolitik am Scheideweg?

  • Abstract

Einleitung

Jäger, Johannes; Leubolt, Bernhard; Schmidt, Lukas

Alles Extraktivismus in Südamerika? Rohstoffrenten und Politik in Brasilien, Chile und Venezuela

Sprache: DEUTSCHSeiten: 9-26https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-30-3-9
  • Abstract

Der Artikel geht der Frage nach, inwieweit aktuelle Entwicklungen in Lateinamerika mit dem Begri? des Neo-Extraktivismus beschrieben werden können. Basierend auf einer regulationstheoretischen Perspektive werden unterschiedliche Entwicklungsweisen analysiert. Anhand der Fallbeispiele Brasilien, Chile und Venezuela wird gezeigt, dass nicht in allen Fällen Neo-Extraktivismus als die entscheidende Determinante für politökonomische Entwicklungen ausgemacht werden kann. Vielmehr spielen, etwa im Falle von Brasilien, binnenorientierte Industrialisierungsstrategien eine zentrale Rolle. Abschließend wird argumentiert, dass eine entsprechend di?erenzierte Debatte der Entwicklungen in Lateinamerika wünschenswert ist.

Pichler, Melanie

Einmal Industrialisierung und zurück: Die Palmölproduktion in Indonesien als Teil eines extraktivistischen Entwicklungsmodells?

Sprache: DEUTSCHSeiten: 27-47https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-30-3-27
  • Abstract

Vor dem Hintergrund der lateinamerikanischen Extraktivismus Debatte geht dieser Artikel der Frage nach, ob das indonesische Entwicklungsmodell als extraktivistisch bezeichnet werden kann, wie die Extraktion von natürlichen Ressourcen legitimiert wird und welche sozial-ökologischen Kon?ikte sich dadurch ergeben. Nach einer historischen Darstellung unterschiedlicher Phasen der Ressourcenextraktion seit der Kolonialisierung fokussiert der Artikel auf die Expansion der Palmölindustrie als wichtigen Teil einer Reprimarisierung der indonesischen Ökonomie. Die Analyse zeigt, dass trotz einer zunehmenden Politisierung von Landkon?ikten seit dem Sturz von Suharto die Palmölplantagen ungehindert ausgedehnt wurden und bisher kein alternatives staatliches Projekt aufgebaut werden konnte, weshalb von einem klassischen Extraktivismus ohne deutlichen Bruch mit neoliberalen Politiken gesprochen werden kann.

Dietrich, Anne

Zwischen solidarischem Handel und ungleichem Tausch: Zum Südhandel der DDR am Beispiel des Imports kubanischen Zuckers und äthiopischen Kaffees

Sprache: DEUTSCHSeiten: 48-67https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-30-3-48
  • Abstract

Der Artikel analysiert am Beispiel des Südhandels der DDR mit Kuba und Äthiopien alternative Tauschbeziehungen in der kapitalistischen Weltwirtschaft. Davon ausgehend, dass sozialistische Länder des globalen Nordens und sozialistisch orientierte Länder des globalen Südens bei Aufnahme ihrer Handelsbeziehungen unterschiedliche Positionen in der Internationalen Arbeitsteilung einnahmen, hinterfragt er kritisch die Möglichkeiten einer gleichberechtigten Handelspartnerschaft. Daran anschließend wird mit Fokus auf die Agrarprodukte kubanischer Zucker und äthiopischer Ka?ee dargelegt, wie die Abhängigkeit von bestimmten Rohsto?en das handelspolitische Agieren von Akteuren in der „Zweiten“ und der „Dritten Welt“ beein?usste. Der Artikel schließt mit der Darlegung ausgewählter Aspekte sozialistischer Produktionsverhältnisse und Außenhandelsspezi?ka, die bei der Entwicklung eines modi?zierten Analysemodells zur Untersuchung des sozialistischen Nord-Süd-Handels berücksichtigt werden müssen.

Knierzinger, Johannes

Überlegungen zu Steuerung und ungleichem Tausch in Rohstoffgüterketten mit Beispielen aus Guineas Bauxitbergbau

Sprache: DEUTSCHSeiten: 68-87https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-30-3-68
  • Abstract

In diesem Beitrag wird vorgeschlagen, die Idee des ungleichen Tauschs in die Analyse globaler Rohstoffgüterketten einzubeziehen. Ungleicher Tausch wird in diesem Zusammenhang verstanden als der ungleiche Austausch von Anrechten auf die Arbeitszeit anderer und damit als ungleiche gegenseitige Kontrolle. Eine empirische Untersuchung dieser gegenseitigen Kontrolle kann durch (1) die detaillierte Darstellung von Minenstädten als Miniaturversionen globaler Kontrollverhältnisse, (2) die Identi?zierung von „Flaschenhälsen“ der Kettensteuerung oder (3) die Darstellung der Entwicklung von Lohnspreizungen innerhalb von globalen Güter- oder Produktionsketten erfolgen. Damit kann über die übliche Darstellung der „Wertschöpfung“ pro Produktionsstufe hinausgegangen werden. Zur Veranschaulichung dieser Gedanken dient der Bauxitbergbau in Guinea und seine Ver?echtungen mit der globalen Aluminiumgüterkette.

Küblböck, Karin

Can 'Undistorted Access' Lead to Inclusive Development? The EU Raw Materials Initiative and Possible Effects upon Resource-Based Development in Africa

Sprache: ENGLISHSeiten: 89-105https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-30-3-89
  • Abstract

The last decade has witnessed a global surge in demand for commodities, leading to increasing competition and rising commodity prices. While securing undistorted access to, and control of, raw materials plays an increasingly important role for industrialised and emerging economies, there is an intensifying debate in resource-rich developing countries regarding the insu?cient bene?ts from these resources and on the necessarily greater contribution of this sector to economic development. This article illustrates this debate by using the example of two current initiatives: the European Raw Materials Initiative (RMI) and the African Mining Vision (AMV). The article ?nds that, although the RMI claims to address development concerns, the main objectives of the initiative contradict the broader vision of the AMV and instead aim to secure undistorted access to raw materials in resource-rich developing countries.

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